Gellershäuser Schafhalter hat vermutlich einen Wolf gesichtet

Von 16 Lämmern fehlt jede Spur

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Edertal-Gellershausen - Im Wald am Tannendriesch hat ein Gellershäuser am Sonntag vermutlich einen Wolf gesichtet. Der Vater des Tierhalters war auf der Suche nach Lämmern. Von den 16 Jungtieren fehlt jede Spur. Der Pferch am Waldrand bei Emdenau ist beschädigt. Es deutet einiges darauf hin, dass ein Wolf der Auslöser für eine Flucht in Panik war.

Am Sonntagmorgen wollte Karl Grede bei den schwarzen Lämmern seines Sohnes Thomas nach dem Rechten sehen. Aber der Pferch im Feld nahe dem Nationalpark war leer, der Zaun herunter gerissen. „So etwas haben wir noch nie erlebt“, sagt Schwiegertochter Carina Grede, „wenn Tiere ausbrechen, bleiben sie meist auf den saftigen Wiesen stehen und fressen.“ Ihre Lämmer sind offenbar in Panik geflüchtet. Familienmitglieder schwärmten in die Umgebung aus und suchten gezielt nach den verschollenen Jungtieren – bis gestern ohne Erfolg. Kein einziges Tier aus der Herde wurde entdeckt.

„Gerade Jungtiere sind viel unterwegs“

Senior Karl Grede, der mit dem Motorroller im Wald nach den Lämmern Ausschau hielt, machte gegen Mittag eine Entdeckung. „Bei der Schutzhütte am Tannendriesch hat er einen Wolf gesehen“, berichtet seine Schwiegertochter. Schwarz und mit aufgestellter Rute – so habe er das Tier beschrieben. Die Schafzüchter wandten sich an Förster Harald Wieck. Anhand der dargestellten Situation – Zaun umgerissen, Tiere in Panik geflüchtet – war für Wieck klar: „Es deutet alles darauf hin, dass das nur ein Wolf sein konnte.“

In den vergangenen Wochen wurden wiederholt Wolfssichtungen in Nordhessen gemeldet. „Wir sind dem nachgegangen, durch Wolfskundige konnten wir das aber nicht verifizieren“, sagte Klaus-Ulrich Battefeld vom hessischen Umweltministerium auf WLZ-FZ-Anfrage. Bei untersuchten Exkrementen habe es sich um Fuchskot gehandelt.

Zwei Reiterinnen wollen einen Wolf bei der Kalbsburg in Fritzlar gesehen haben. Das ließ sich laut Battefeld nicht eindeutig bestätigen. Aus dem Raum Jesberg habe es Hinweise auf ein „wolfsartiges Tier“ gegeben. Das wurde vermutlich mit dem Hund eines Jagdpächters verwechselt, meint Battefeld. Nach WLZ-Informationen wurde angeblich auch ein Wolf in Mehlen und im Fürstental am Edersee gesehen. Zentrales Problem bei Sichtungen sei die Ähnlichkeit: „Ist es tatsächlich ein Wolf oder ein streundender Hund – das ist immer die Frage.“ Leider seien viele Hunde „selbstständig in der Landschaft unterwegs“, merkte Battefeld an.

Laut Jutta Seuring vom Nationalpark Kellerwald-Edersee kann es durchaus sein, dass Wölfe durch heimische Wälder streifen. „Gerade die Jungtiere sind viel unterwegs.“ Da Wölfe ein sehr großes Territorium benötigen, sei fraglich, ob ein Wolfsrudel in unserem Raum ansässig wird. Misstrauisch macht sie jedoch die Beschreibung des Tiers am Tannendriesch. „Wölfe sind an sich eher scheu, und außerdem sind unsere europäischen Wölfe nicht schwarz, sondern grau.“

Die Gellershäuser Schafhalter sind immer noch geschockt von den Ereignissen und dem Verlust ihrer kleinen Herde. Den Wert der Anfang des Jahres geborenen Lämmer schätzt Carina Grede auf insgesamt 1600 Euro. Hinweise zu den vermissten Schafen nimmt die Polizei in Bad Wildungen, unter Telefon 05621/7090-0 entgegen.

Wolfshotline für Beobachtungen

Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) hat derweil in Wiesbaden ihre Pläne für den Umgang mit Wölfen in Hessen vorgestellt (siehe auch Hessenseite). Der NABU Hessen begrüßt den neuen Wolfsmanagementplan als wichtigen Beitrag zum Wolfsschutz, erklärte Landesvorsitzender Gerhard Eppler. Der Plan ergänze den regelmäßigen Austausch zwischen Ministerium und Naturschutzverbänden über mögliche Wolfssichtungen. Der intensive Dialog zwischen Naturschutz, Tierhaltung und Jagd trage dazu bei, alle wichtigen Fragen zu klären, bevor sich Wölfe dauerhaft ansiedeln.

Beobachtungen von Wölfen sollten umgehend gemeldet werden. Dazu hat das hessische Umweltministerium die Wolfshotline Tel. 0611/815-3999 eingerichtet. Sichtungen sind auch per Mail möglich an wolf@umwelt.hessen.de.

Von Conny Höhne

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