Nachwuchs im Wildtierpark Edersee bei Wölfen, Luchsen, Wisenten, Tarpanen

Des Leitwolfs goldener Schuss

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Zu Besuch bei Wolfs im Wildtierpark Edersee: Die beiden wenige Wochen alten Wolfskinder erobern die Welt.

Edertal-Hemfurth. - Mutter Natur schlug der Familienplanung des Nationalparks im Wildtierpark Edersee ein Schnippchen. Leitwolf Roy wurde nach seiner erfolgreichen Kastration im Januar unverhofft noch einmal Vater. Zwei Wolfskinder, Anfang Mai zur Welt gekommen, entwickeln sich prächtig.

Weil die kanadischen Timberwölfe ihre Wurzeln nicht in der Region haben, soll das Rudel im Wildpark ein Auslaufmodell werden. Im Wildtierpark, der seit Ausweisung des Großschutzgebiets eine wichtige Bildungseinrichtung des Nationalparks Kellerwald-Edersee ist, sollen nur Tierarten präsentiert werden, die im Nationalpark vorkommen, vorkamen oder heimisch geworden sind.

Die kanadischen Timberwölfe sollen mittelfristig durch ein europäisches Wolfsrudel ersetzt werden. „Aber das ist die nächsten Jahre mit Sicherheit kein Thema“, sagt Tierparkleiter Albert Hernold. Die männlichen Tiere wurden im Januar kastriert, damit bereits in 2012 kein Nachwuchs mehr fällt. Nur bei einem jüngeren Rüden stehe die Kastration noch aus.

Umso größer war die Überraschung, als die sieben Jahre alte Luna zwei Welpen warf. „Das war ein letzter goldener Schuss des Leitwolfs“, schmunzelt Hernold. Die männlichen Tiere sind auch einige Zeit nach der Kastration noch zeugungsfähig.

Scheues Pinselohr

Die beiden Wonneproppen haben kräftig zugelegt und tollen zur Freude der Wildparkbesucher im Gehege. „In zwei Wochen werden sie sich regelmäßig aus der schützenden Deckung wagen und ihre Mutter zu den Fütterungszeiten begleiten“, ist sich Tierpfleger Thomas Wagener sicher.

Scheu ist der Nachwuchs im Nachbargehege. Ein drei Wochen altes Luchsbaby wagt sich noch nicht aus dem Holzhaus. Luchsdame Tinka hatte in den vergangenen Jahren immer wieder für pinselohrigen Nachwuchs im Wildtierpark Edersee gesorgt. Inzwischen ist sie mit 21 Jahren eine betagte Oma. Die dreijährige Katze Eila hat ihr erstes Junges geboren. Ihr Partner Peter, die zehnjährige männliche Wildkatze - bei Luchsen Kuder genannt - ist der Vater. „Kleine Luchse kommen behaart zur Welt und sind in den ersten zwei bis drei Wochen nach der Geburt noch blind“, erläutert Hernold. In dieser Zeit lässt die Katzenmutter noch nicht einmal die Tierpfleger in ihre Nähe. Ab Mitte Juli werden regelmäßig die Fütterungen der erwachsenen Luchse dienstags bis sonntags um 11.30 Uhr zu sehen sein.

Ungewiss bei Otters

Nachwuchs hat sich auch bei anderen Tierarten eingestellt. Zwölf Frischlinge sind Publikumslieblinge bei den Wildschweinen, acht Muffellämmer wurden geboren, zwei Tarpanfohlen, zwei Wisentkälber und zwölf Rotwildkälber. Weitere Tierkinder werden erwartet. Parkleiter Hernold rechnet bis Ende Juni mit 15 Damwildkälbern. Anfang Juli folgen junge Waschbären. Derzeit wird das Gehege der Kletterkünstler ausbruchsicher gestaltet.

Spannend wird es bei den Fischottern. Otto und Finchen haben sich intensiv gepaart, das hat Hernold Anfang Mai beobachtet. Bei einer Tragzeit von 63 Tagen könnte Nachwuchs bereits Anfang Juli geboren werden. Ein sichtbares Zeichen, wie ein dicker Bauch, wurde jedoch noch nicht entdeckt. Aber das war 2011 auch nicht der Fall, als erstmals Otterkinder geboren wurden. Hernold: „Die Chancen für einen Fischotternachwuchs stehen derzeit also 50 zu 50.“

Frisches Blut hat sich der Tierpark für die Wildschweinrotte gesichert. Der zwölf Wochen alte Keiler Bernhard präsentiert sich rauflustig und lässt sich mit Vorliebe von Tierpfleger Wagener kraulen. Das junge Borstentier kommt aus Bayern. Ein Waldarbeiter hatte den Frischling mutterseelenallein gefunden und mit der Hand aufgezogen.

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