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Bad Wildungen: 22-Jähriger am Amtsgericht Fritzlar wegen siebenfachen Betrugs zu Bewährungsstrafe verurteilt

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Justitia
Ein 22-Jähriger musste sich wegen siebenfachen Betrugs vor Gericht verantworten. (Symbolbild) © Peter Steffen/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Ein 22-Jährige musste sich wegen siebenfachen Betrugs, begangen in Bad Wildungen, vor dem Amtsgericht in Fritzlar verantworten.

Bad Wildungen/Schwalm-Eder – „Ich habe Scheiße gebaut. Es tut mir leid, ich will mein Leben jetzt neu ordnen.“ Das sagte vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts Fritzlar ein 22-Jähriger, der wegen Betrugs in sieben Fällen zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten verurteilt wurde. Die Strafe wurde auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

Der junge Mann muss die Kosten des Verfahrens tragen. Das Gericht ordnete die Einziehung von 1585 Euro an. Das ist die Summe des finanziellen Vorteils, den der Beschuldigte durch die in Bad Wildungen begangenen Straftaten verschafft hatte.

Geldmangel nicht der Auslöser für die Straftaten

Laut Anklage der Staatsanwaltschaft Kassel hatte der heute im Schwalm-Eder-Kreis Mann in sieben Fällen Waren aus dem Elektronikbereich – Computer, Computerbauteile und -zubehör sowie eine Spielkonsole – angeboten, um die Verkaufserlöse im Wege der Vorkasse zu vereinnahmen, ohne allerdings zur Lieferung der Waren bereit und in der Lage gewesen zu sein. Den einzelnen Erwerbern entstanden dadurch Schäden zwischen 50 und 610 Euro.

„Es stimmt“, erklärte der Beschuldigte zu den Anklagepunkten. Auf die Frage von Richterin Corinna Eichler nach den Hintergründen sagte er: „Ich wüsste selbst gern, warum ich so gehandelt habe.“ Geldmangel war nicht der Auslöser, antwortete er auf eine Frage des Gerichts. „Nein. Ich habe ganz normal gelebt, trinke nicht, habe nichts mit Drogen zu tun.“

Angeklagter will neues Leben aufbauen: „Ich schaffe das“

Er sei jetzt dabei, sein Leben „vernünftig aufzubauen“, wolle den Schaden wieder gutmachen. Er hatte, wie die Verhandlung ergab, bereits so genannte Jugendverfehlungen begangen: Gewerbsmäßiger Betrug und Urkundenfälschung. Schon im Jugendarrest habe er sich gesagt: „So geht es nicht weiter.“

Der junge Mann berichtete, dass er sich für vier Jahre bei der Bundeswehr verpflichtet hatte. Er sei IT-Soldat gewesen, sei aber wegen Urkundenfälschungen unehrenhaft entlassen worden. Vorher sei er in der Schule gemobbt worden, und es habe auch familiäre Probleme gegeben. Jetzt lebe er mit seiner Freundin zusammen, die einen festen Arbeitsplatz habe, und er mache eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann.

Nebenher habe er auch noch einen 450-Euro-Job. Ziel sei, die Schulden abzubauen: „Meine Mutter und meine Schwester unterstützen mich – ich schaffe das.“

„Leute abgezockt“

„Sie brauchen auch Zeit, um sich zu erholen und sollten sich nicht überfordern“, redete die Richterin geradezu freundschaftlich auf den Beschuldigten ein, „Sie sind doch ein sympathischer Mensch.“

Die Verteidigerin kündigte einen Kontakt mit den Geschädigten an. Ihr Mandant habe „Leute abgezockt“, und es gebe „maßlos enttäuschte Opfer“. Bezogen auf die Vorstrafen sagte sie: „Er hat schon eine ordentliche Strafe bekommen, die ihn merklich beeindruckt hat.“ Sie beantragte eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen, ohne eine Summe zu nennen und sprach von jugendlichem Leichtsinn. Es liege bei den Taten keine Gewerbsmäßigkeit vor. „Er kann jetzt ein rechtschaffenes Leben Leben führen“, sagte sie.

„Ich hoffe, jetzt in eine bessere Zukunft starten zu können“

Die Staatsanwältin sah alle Anklagepunkte bestätigt. Der Beschuldigte habe gestanden, sein Fehlverhalten erkannt und strebe eine Wiedergutmachung an. Er habe psychische Probleme zugegeben, und der 22-Jährige sei einschlägig vorbestraft. Er habe jetzt ein festes familiäres Umfeld. Sie beantragte eine Bewährungsstrafe von neun Monaten und das Einziehen von 1585 Euro.

In dem so genannten letzten Wort sagte der Angeklagte vor dem Fritzlarer Amtsgericht: „Ich hoffe, jetzt in eine bessere Zukunft starten zu können.“ Dazu wünschten ihm die Prozessbeteiligten alles Gute. (Manfred Schaake)

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