Schnupperkurs Baby: Edertaler Gesamtschüler bewähren sich als Eltern auf Probe

„Liebling, das Baby schreit!“

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26 Gesamtschüler übten sich im Rahmen eines Schnupperkurses als Eltern auf Zeit.Foto: Münch

Edertal - Babys wickeln, füttern, in den Arm nehmen, und wenn es sein muss, auch nachts – Mädchen und Jungen der Gesamtschule Edertal versuchten sich als Eltern auf Probe unter dem Motto „Liebling, das Baby schreit!“

Seit vier Jahren ist der der „Schnupperkurs Baby“ im Programm. Grundgedanke dieses Elternpraktikums ist es, Heranwachsenden die Chance zu bieten, den Alltag mit einem „eigenen Baby“ mehrere Tage und Nächte zu erleben und Erfahrungen zu sammeln.

Von 35 Anmeldungen wurden 26 Jugendliche ausgelost. Alle Projektteilnehmer bekamen ein eigenes „Real Care Baby“ - eine Art Babysimulator, der für ein paar Tage mit nach Hause genommen wurde. Er hat einen eingebauten Chip, der jede Tätigkeit oder auch Unterlassung aufzeichnet. Für Betreuung und Versorgung sind die Projektteilnehmer als Paare zuständig.

Sie erlebten sehr realistisch die Bedürfnisse eines echten Säuglings und den Tagesablauf eines Kleinkindes. Durch einen Sensor am Handgelenk wurde sichergestellt, dass nur die Teilnehmer das „Baby“ versorgen konnten. Wenn es weinte, konnten sich nur die Jugendlichen durch diesen Chip als „Eltern“ zu erkennen geben und das „Baby“ versorgen. Grobe Misshandlungen wie Schütteln oder Fallenlassen können nicht verheimlicht werden. Am Ende wurden alle Daten ausgewertet.

Stillen sogar im Bewerbungsgespräch

Sieben von 13 Elternpaaren erledigten ihre Aufgaben zu 100 Prozent, alle anderen erreichten auch über 90 Prozent. Ein bemerkenswert gutes Ergebnis, lobte Katharina Rolka vom Sozialdienst katholischer Frauen, die in der Beratungsstelle in Kassel tätig ist und den Schnupperkurs begleitete. Vor dem Praktikum gab es ausführliche Informationen. Die Projektleiterin an der Schule, IGS-Lehrerin Dzenisa Dukadjinac, übernahm die Vor- und Nachbereitung.

Frühschwangerschaften vermeiden und eine Zukunftsplanung bewusst anzugehen, das sind Ziele des Schnupperkurses. Die Baby-Simulatoren können nicht einfach per Knopfdruck abgeschaltet werden. Sie müssen überall mitgenommen werden: in den Unterricht, zum Sport, zum Verein und zum Einkaufen. Ein Schüler brachte sein „Kind“ sogar zu einem Bewerbungsgespräch mit. Mittendrin fing es an zu weinen, und der Schüler versorgte es sofort. „Beeindruckend“ fand das der Personalchef, der das Bewerbungsgespräch führte.

Am Ende erkannten die Eltern auf Zeit, dass Kinderkriegen keine rosige sondern eine anstrengende Angelegenheit ist, die das Leben vollständig umkrempeln kann. Das Projekt soll aber keinesfalls abschrecken sondern als Grundlage für eine bewusste Planung dienen.

Auch Freundschaften, Partnerschaft, Sexualität und Verhütung, Familienplanung und Lebensziele wurden angesprochen. Das Projekt sensibilisiert aber auch für weitere Themen wie Umgang mit Konflikten, Stress, Gewalt, Prävention von Überforderung, Kindesvernachlässigung und Kindesmisshandlung, aber auch Alkohol- und Drogenmissbrauch.(mü)

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