Deutscher Hotel- und Gaststättenverband zeichnet Flair-Hotel Werbetal aus

Likör, Holz und mehr für die Umwelt

Waldeck - Niederwerbe - Als einer von zwei Betrieben in Hessen wurde das Flair-Hotel Werbetal von Familie Gerlach in Nieder-Werbe mit dem Umweltcheck des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Gold ausgezeichnet.

Auch dem Landgasthof Porta in Schlitz wurde diese Ehrung zuteil. Da in der Gastronomie Klima- und Umweltschutz immer mehr an Bedeutung gewonnen haben, wurde der Dehoga-Umweltcheck für dessen Anforderungen mit seinen überwiegend mittelständischen Betrieben entworfen. Das Projekt wird vom Bundesumweltministerium gefördert.

„Überlebenswichtig...“

Gerlach bekam die Auszeichnung bei der nord-osthessischen Delegiertenversammlung in Kirchhain von dem Präsidenten des Landesverbandes der Dehoga, Gerald Kink, überreicht. Kink unterstrich dabei, dass der Erhalt der ökologischen Vielfalt, der verantwortungsvolle Umgang mit den Ressourcen und der Gedanke an die nächste Generation für die Gastronomie überlebenswichtig sind. So seien die ausgezeichneten Restaurants und Hotels Vorzeigebetriebe, an denen sich die Gastronomie messen lassen muss.

Energie, Müll, Wasser, Essen

Der Dehoga-Umweltcheck erfasst die Bereiche Energieverbrauch, Wasserverbrauch, Abfallaufkommen und Lebensmittel. Alle Angaben müssen durch entsprechende Belege, wie beispielsweise Speisekarten, Rechnungen, Erzeugerlisten, mit Adressenangaben in Kopie nachgewiesen werden. Der Umweltcheck wird von der unabhängigen Fachorganisation Viabono überprüft, deren Ziel es ist, einen modernen klima- und umweltfreundlichen Tourismus in Deutschland glaubwürdig und praxistauglich auszuzeichnen und zu fördern. Der Nationalpark Kellerwald-Edersee erkennt den Umweltcheck für eine Mitgliedschaft als Nationalparkpartner an.

Bei den Lebensmitteln wird besonders auf regionale und fair gehandelte Produkte Wert gelegt. Mindestens fünf Produkte müssen aus der Region oder Eigenproduktion stammen. So verwertet Hotelier und Landwirt Christian Gerlach ausschließlich Fleisch von seiner eigenen Rinderherde, die momentan aus 15 Tieren besteht. Außerdem muss er Bescheinigungen hinterlegen, dass diese in einer ortsnahen Metzgerei geschlachtet werden. Auch das Schweinefleisch wird bei Schlachtereien in der Umgebung bezogen. Gerlach: „Im Herbst bieten wir das Basdorfer Huteschwein an, und unser Fisch kommt von der Talsperrenfischerei Edersee.“ Milchprodukte werden bei Heinfried Emden in Ober-Werbe eingekauft, der in seinem Milchviehbetrieb die erste Hofmolkerei im Landkreis betreibt.

Holunderlikör setzt Christian Gerlachs Ehefrau Heike nach einem alten Hausrezept selbst auf. Die von Seniorchefin Lydia Gerlach aus heimischen Früchten selbst hergestellten Marmeladen kommen bei den Hausgästen immer gut an. Die Müsliriegel, die Familie Gerlach ihren Wandergästen als Wegzehrung mitgibt, sind ausschließlich Fair-Trade-Produkte.

Auf der Getränkekarte des Hotels findet man Waldecker Landbier sowie Schnäpse, die auf Hof Lauterbach gebrannt werden.

Heizen mit Schnitzeln

Ein weiteres Kriterium des Umweltchecks ist der Energieverbrauch. Für Wärme sorgt eine moderne Holzhackschnitzelheizung. Die in der Biogasanlage in Korbach getrockneten Holzhackschnitzel bezieht Christian Gerlach über den Landwirtschaftlichen Maschinenring. Deren Holz stammt meist von Bäumen aus der Umgebung. Warmes Wasser wird über eine Solaranlage gewonnen. Die Abwärme der Kühlschränke wird in einer Wärmerückgewinnungsanlage verwertet. Gerlach: „Diese Heizung ist nicht nur umweltfreundlich, sondern auch sehr kostengünstig.“ Über eine Photovoltaikanlage auf dem Dach des Hotels wird elektrischer Strom in das öffentliche Netz eingespeist.

Insgesamt hat sich die Strategie des seit 1866 bestehenden Familienbetriebes bewährt. So sind bei Gerlachs schon Gäste wie die Familie Giegeling aus Velbert ausgezeichnet worden, die seit über 50 Jahren ihren Urlaub in Nieder-Werbe verbringen.(jsch)

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