Alleebäume haben vor allem eines: Durst · Stadt steht laut Experten aber vor keinem akuten Problem

Die Linden leiden, halten aber noch durch

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So nah und doch so fern, mögen die Alleelinden denken, denen der Boden unter den Wurzeln zu trocken ist, während sich die Badestadt mit plätschernden Brunnen schmückt.Foto: Rüsch

Bad Wildungen - Die schlimmsten Schadens-Szenarien für die rund 200 Lindenbäume auf der Allee haben sich nicht bestätigt, beruhigte ein Fachbüro die Politiker in der jüngsten, gemeinsamen Sitzung von Natur-/Umwelt- und Planungsausschuss. Gut geht?s den Bäumen aber auch nicht.

Die Linden, die in den Pflanztrögen stehen, haben die größten Probleme. Sie leben in einer Art Gefangenschaft, da ihnen nur 1,4 Quadratmeter Bodenfläche zur Verfügung stehen. Das Vierfache wäre nötig, erläuterten die Experten. Folge: Die Bäume treiben kleine Blätter aus. Ihre Kronen sind licht, die Wipfel dürr und die Vitalität der gesamten Pflanze ist eingeschränkt.

Grabungen in den Trögen ergaben, dass die Bäume im Trockenen stehen, obwohl die Bauhof-Gärtner sie dreimal wöchentlich wässern.

Dr. Hans Schultheis (FWG) mutmaßte: „Wenn die Bäume eine Stimme hätten, würde wir sie wohl rufen hören: Wir haben Durst!“ Noch häufigeres Wässern sei deshalb als rasche Abhilfe nötig.

Wegen des hohen Personalaufwands soll die Verwaltung aber auf Sicht über andere Lösungen nachdenken: Umbauten oder eine automatische Bewässerung etwa.

Bepflanzung, Erde, Dünger, Mulch und weitere Einflüsse tragen wohl dazu bei, dass zu viel Stickstoff und Phosphor im Boden auftreten, was den Bäumen schadet.

„Glücklicherweise haben die Linden unter diesen Umständen nicht ihre volle Größe erreicht“, schilderte der beauftragte Berater Hans Jürgen Achterberg vom Büro fondation 5+ (Kassel) und fügte hinzu, „denn sonst hätten Sie auf der Allee ein Problem.“ Voll ausgewachsene Bäume würden unter solchen Bedingungen bei stärkerem Wind umstürzen und könnten Menschen gefährden. Mancher im Ausschuss erinnerte sich vielleicht an den schweren Ast, der voriges Jahr von einer Kastanie im Kurpark abgebrochen war.

Die Bäume auf der Nordseite der Allee zeigen eine bessere Entwicklung. Ihre Baumscheiben bringen es auf immerhin zweimal zwei Meter Größe. Ein Rammschutz für die Linden wäre aus Sicht des Fachmanns allerdings angebracht, weil die meisten von ihnen an der Rinde beschädigt sind.

Immerhin einen gewichtigen Grund zur Erleichterung lieferte der Gutachter den Ausschussmitgliedern. Trotz des hohen Alters der Bäume von etwa 100 Jahren – 150 können sie werden – stehe die Stadt vor keinem akuten Problem. Mit dem jetzigen Zustand könne man wohl weitere 15 bis 20 Jahre gut leben. Um das Auswechseln einzelner Bäume komme die Stadt gleichwohl nicht herum. Diese neuen Linden müssten dann bessere Lebensbedingungen erhalten. 100 Euro pro Baum soll es kosten, die Linden effektiver als bisher zu wässern und zu belüften. Stadtgärtnerin Bettina Vonde erarbeitet dazu einen Plan.

Von Matthias Schuldt

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