Stadtgärtnereileiter Schmidt: "Es wird jedes Jahr schlimmer"

Linden sterben in der Brunnenallee: Fast jeder zweite Baum krank

Trockene Linden in der Brunnenallee: Stadtgärtnereimeister Michael Schmidt zeigt das Schadensbild an fünf Bäumen gegenüber dem Fürstenhof. Sie sind so geschädigt, dass sie in naher Zukunft gefällt werden müssen. Fotos: Conny Höhne

Die Folgen der Trockenheit vergangener Jahre setzen den Linden in der Brunnenallee weiter massiv zu.

Bad Wildungen – Abgestorbene Äste, lichte Kronen, wenig Laub – das sind sichtbare Anzeichen für Wassermangel und den Stress der Straßenbäume. Im Stadtparlament weckte Bürgermeister Ralf Gutheil wenig Hoffnung, die Lindenallee noch lange erhalten zu können. „Ich glaube nicht, dass die Bäume bei den jetzigen Klimabedingungen noch mehrere Jahrzehnte überleben.“

Bürgermeister Gutheil: "Sie sterben nach und nach weg"

Wolfgang Nawrotzki (SPD) hatte das Thema zur Sprache gebracht. Er fragte er nach dem aktuellen Stand eines älteren SPD-Prüfantrags für eine dauerhaften Bewässerung der Bäume.

Einen Zeitpunkt dafür nannte Gutheil nicht. Er zeigte sich vielmehr skeptisch: „Eine nachträgliche Installation eines Systems zur Bewässerung würde vermutlich mehr Verletzungen verursachen als nutzen.“ Um die Zukunft der Allee sei es schlecht bestellt. „Momentan versuchen wir alles, um die Bäume am Leben zu halten durch Rückschnitt. Sie sterben nach und nach weg.“

Bäume leiden unter Wassermangel, Streusalz und Straßenbau

Das bescheinigte auch Michael Schmidt, Leiter der Stadtgärtnerei, auf WLZ-Nachfrage. „Die Bäume leiden sehr unter dem Wassermangel.“ Auch Salz im Winter und der Straßenbau vergangener Jahre, wo Wurzeln abgegraben wurden, setzte den Linden zu. Der Prozess laufe langsam ab, sei aber durch Rückschnitt nicht mehr aufzuhalten. „Das ist nur ein verkürztes Sterben.“

Ein Gang über die Brunnenallee mit ihren 270 Linden zeige ein erschreckendes Ausmaß: „Fast jeder zweite Baum in der Allee ist krank. Es wird jedes Jahr schlimmer.“

Am oberen Ende der Brunnenallee gegenüber dem Fürstenhof stehen fünf Linden in Reihe mit auffälligen Trockenschäden. „Die müssen alle gefällt werden“, erläutert der Gärtnereileiter. Für ein künstliches Bewässerungssystem ist es nach Ansicht des Stadtgärtnereileiters zu spät. Die etwa 70 bis 90 Jahre alten Bäume ließen sich damit nicht mehr retten. Die normale Lebensdauer beträgt laut Schmidt 120 bis 130 Jahre.

Vorschlag: Die Allee schrittweise umbauen

"Wir müssen uns grundsätzlich Gedanken machen, wie das Erscheinungsbild dieser deutschlandweit ältesten Allee überhaupt aussehen soll“, sagte Bürgermeister Gutheil im Stadtparlament. 

Keine Chance in der dritten Reihe: Trotz der Wassersäckchen als Starthilfe entwickeln sich die nachgepflanzten Linden zwischen den alten Alleereihen kaum. Sie ziehen beim Kampf um Wasser und Licht den Kürzeren.

Zur Eile drängt Stadtgärtnereileiter Michael Schmidt. „In meinen Augen muss jetzt gehandelt werden,“ sagte er im WLZ-Gespräch. Mit Nachpflanzen sei es nicht getan. Junge Bäume könnten sich zwischen großen Nachbarn nicht entwickeln. Das zeigten Beispiele in der Allee. „20 Jahre alte Bäume sehen noch so aus, als hätte man sie gerade erst gepflanzt.“

Von Linden und Ahorn verabschieden

 Der Leiter der Stadtgärtnerei sagt: „Ich würde empfehlen, die Allee schrittweise umzubauen.“ Beginnen könnte dies an der Ladenzeile in der Langemarckstraße. 

Sein Vorschlag: Fällen und neu anpflanzen. „So könnten wir uns Stück für Stück nach vorn arbeiten.“ Fest stehe: „Von Linden und Ahorn müssen wir uns langfristig verabschieden.“ 

Ausprobieren, welche Bäume mit Klimawandel klar kommen

In verschiedenen Bereichen der Stadt wurden bereits andere Baumarten ausprobiert, die besser mit dem Leben als Straßenbaum und den Umweltbedingungen klar kommen. Gute Erfahrungen habe man mit dem Gingko gemacht, aber auch mit dem Tulpenbaum (Catalpa). Schmidt tendiert zu Säulenbäumen an Straßen, denn sie wachsen weniger in die Breite sondern in die Höhe. Voraussetzung für einen Umbau der Allee sei ein Handlungskonzept, das aufzeigen soll, wie die künftige Allee einmal aussehen soll

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