Höringhausen: Keine Genehmigung für neun Anlagen an Heid- und Ortberg

Luft ist raus: Zu wenig Wind am Berg

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Erleichterung in Höringhausen: Die neun geplanten Windenergieanlagen sind nicht genehmigungsfähig. Im Bild Energieriesen im brandenburgischen Ort Mallnow. Foto: Patrick Pleul/dpa

Waldeck - Heftig haben die Höringhäuser gegen weitere Windenergieanlagen protestiert. Doch plötzlich ist die Luft raus aus der Diskussion: Neue Kriterien aus dem Regierungspräsidium schießen neun geplante Anlagen am Heidberg und am Ortberg überraschend in den Wind.

Emotionsgeladen wurden in den vergangenen fünf Jahren die Windkraftanlagen und Windvorrangflächen diskutiert. Im Kern hat das Waldecker Parlament nach zwei Offenlegungen dem Regionalplan und den darin ausgewiesenen Windvorrangflächen zugestimmt.

Konkret geht es um Windvorrangflächen am Heidberg und am Ortberg sowie auf einem städtischen Grundstück im Wald am Scheibenscheid und um eine Ertüchtigung der bestehenden Anlagen bei Hof Heide - sogenanntes „Repowering“.

„Im Nebel stochern“

Zumindest die beiden erst genannten Flächen dürften nach aktuellen Informationen aus dem Rennen sein. „Ich habe die Information, dass die Flächen Heidberg und Ortenberg nicht genehmigungsfähig sind“, berichtete Bürgermeister Jörg Feldmann in der Stadtverordnetnversammlung am Donnerstagabend in der Freienhagener Stadthalle.

Den Tagesordnungspunkt auf Erweiterung von Windvorrangflächen zog Feldmann daher zurück, ohne weitere Diskussionen im Parlament. „Im Moment stochern wir im Nebel“, merkte Feldmann an.

Obwohl auf der Höringhäuser Höhe der Wind tüchtig pfeift, ist es offenbar nicht stürmisch genug für die Energieriesen. Nach Maßgabe des RP müssen an Standorten neu genehmigter Anlagen mindestens 5,75 Meter Wind pro Sekunde in 140 Metern Höhe gemessen werden. „Da sind die Flächen raus“, erläuterte Feldmann auf Nachfrage der WLZ.

Ohne Änderung des Flächennutzungsplans ist aus Sicht des Bürgermeisters keine Genehmigung möglich. Außerhalb von Windvorrangflächen dürfe nicht gebaut werden. Eine Chance für neue Windenergieanlagen sieht Feldmann nur über den Regionalplan oder den erklärten Willen der Stadt. „Und dafür sehe ich keine Mehrheit im Parlament.“

„Bedrohung abgewendet“

Das „Repowering“ der bestehenden Anlagen am Heidberg ist von diesen neuen Kriterien nicht betroffen, stellt Feldmann klar. Ebenso bleibe auch die städtische Fläche in der Waldgemarkung am Sachsenhäuser Schiebenscheid davon unberührt. Zwei kleinere Anlagen am Heidberg befinden sich laut Feldmann in einem Klageverfahren. Die Chancen zum Bau dieser Energietürme beurteilt er skeptisch. Die Nachricht von den verhinderten Windanlagen wird in Höringhausen mit Erleichterung aufgenommen. „Diese Bedrohung am Horizont ist erstmal abgewendet“, kommentiert Bruno Mecke von der Bürgerinitiative gegen Windkraftanlagen die Situation. Einwohner hatten vehement gegen Lärm und Schattenwurf der 186 Meter hohen Säulen protestiert.

Alternative: Dehringhausen

Obwohl die Flächen bei Höringhausen laut aktueller Windkarte nur 5 Meter Wind pro Sekunde verzeichneten, seien die Windkraftgegner verhalten optimistisch. „Wer weiß, ob diese Regelung nicht irgendwann wieder gekippt wird“, so Mecke. Die Bürgerinitiative werde daher weiter am Ball bleiben.

Verlierer der aktuellen Windanlagen-Politik sind die Verpächter der Grundstücke, denn sie gehen leer aus. Besonders hart trifft es das Windenergieunternehmen, das die zwei genehmigten Standorte von einem Betreiber aus der Branche erworben hat und jetzt in eine unsichere Zukunft blick.

Eine neue Option für Windkraftanlagen ist laut Bürgermeister Feldmann eine Domanialfläche im Wald bei Dehringhausen, wo maximal fünf Anlagen entstehen könnten - erarbeitet sei diese Alternative in Abstimmung mit dem Ortsbeirat.

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