270 000 Euro Investition in wichtigen Kur- und Tourismusmarkt

Im Luxusbus Wildungen - Amsterdam

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Am 4. März startet die BKW den Linienverkehr übers Ruhrgebiet gen Holland.

Bad Wildungen - 270 000 Euro sind ein Wort. So viel hat der neue Bus gekostet, mit dem die BKW am 4. März den Linienverkehr zwischen Bad Wildungen und Amsterdam aufnimmt.

Montags und donnerstags um 7 Uhr startet der barrierefrei ausgerüstete Luxusbus in der Badestadt, dienstags und freitags geht es zur selben frühen Zeit von Amsterdam aus zurück (Fahrtzeit jeweils elf Stunden). Kein Prestigeprojekt, sondern eine Investition in die Attraktivität der Kurstadt für Gäste aus dem Westen, unterstreicht Volker Zimmermann. Ausgerechnet ins Ruhrgebiet und nach Holland - wichtige Einzugsgebiete für Bad Wildungen - lasse die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu wünschen übrig, erläutert der Bürgermeister. „Wir profitieren von neuen Regeln der EU, die den Linienverkehr liberalisiert hat, sodass wir ein solches Angebot nun machen dürfen“, fügt er hinzu. Das uralte Monopol der Bahn auf Fernbuslinien wurde gekippt.

Bedarf in Reha-Kliniken

„Wir sind immer wieder von Reha-Kliniken angesprochen wegen des Mangels an Verbindungen Richtung Ruhrgebiet und Niederlande, ob per Bus oder Bahn“, schildert Reckhard Pfeil vom Stadtmarketing. Wegen dieser Schwierigkeiten unterhalten die Kliniken oft aufwendige Shuttle-Dienste.

Die Amsterdam-Linie schließe in diesem Punkt eine Lücke. Als Stationen angebunden sind Willingen und Korbach, was positive Effekte für den Tourismus in der gesamten Region mit sich bringe. Von Korbach und Bad Wildungen aus könnten Gäste mit den bestehenden Buslinien der Region weiterreisen zu Zielen an den Edersee, wie etwa Waldeck, oder in entgegengesetzter Richtung nach Diemelsee. „Fritzlar hat ebenfalls Interesse bekundet“, ergänzt Pfeil.

Lukrativer Sinneswandel in den Niederlanden

Erster Stadtrat Bart van der Meer hat sein Geburtsland Holland besonders im Blick, denn das Interesse der Niederländer an Urlauben in Deutschland steige, wie Analysen der Deutschen Zentrale für Tourismus zeigen. „Gerade die älteren Leute fahren aber nicht gerne mit dem Auto, sondern lieber mit Bus oder Bahn“, weiß er aus vielen Gesprächen. Bad Wildungen kann einen Sinneswandel bei den Nachbarn nutzen. „Bei den Niederländern galten Kurstädte bisher als sehr teuer und als Ziel allein für kranke Menschen, doch unser Image wandelt sich dort gerade“, erklärt Reckhard Pfeil. Dank des Engagements der Wildunger Göbel-Hotels profitiere die Badestadt noch mehr als andere von diesem wachsenden Interesse der Niederländer.

Schwarze Zahlen ab 16 Fahrgästen

Die Fahrtroute wurde nach reiflicher Überlegung und intensiven Recherchen festgelegt, sagt BKW-Geschäftsführer André Boos. Sie berücksichtigt Anbindungen im Ruhrgebiet und im Rheinland (siehe Hintergrund „Das Konzept der Linie“).

Ab 16 Fahrgästen pro Strecke schreibt der neue Bus schwarze Zahlen, erläutert Boos. Wegen seiner komfortablen Ausstattung speziell für Rolli-Fahrer kann die BKW überdies im Ausflugsverkehr abseits der Linientouren Bedingungen bieten, „wie sie im weiteren Umkreis unseres Wissens einmalig sind“ (siehe Stichwort: „Luxusbus“).

Weitere Infos/Ticketbuchung: BKW, 05621/80280, www.fernbus-badwildungen.de

HIntergrund

Bad Wildungen – Korbach – Willingen – Dortmund – Essen – Düsseldorf – Duisburg – Nijmegen – Rotterdam – Utrecht – Amsterdam. Das sind die Stationen der Linie, mit Bedacht gewählt.

„Köln haben wir zum Beispiel ausgespart, weil es eine S-Bahn-Verbindung nach Düsseldorf im 15-Minuten-Takt gibt. Ähnliches gilt für Bochum und andere Revierstädte, die bestens mit Dortmund verknüpft sind“, erläutert Reckhard Pfeil vom Stadtmarketing.

Die festgelegten Fahrttage sollen Wochenend-Urlaube ermöglichen­ und fallen mit den An- und Abreise­tagen vieler Reha-Kliniken zusammen. Die Fahrtzeit von elf Stunden beinhaltet Puffer, falls der Bus mal in einen Stau gerät.

„Wir sind die Strecke mehrfach mit Pkw und Bus gefahren und kamen mit diesem Takt gut hin“, berichtet BKW-Geschäftsführer André Boos.

Falls der Bus Verspätung hat, können wartende Fahrgäste ihn über Handy anrufen und sich nach dem Ausmaß der Verzögerung erkundigen. Weil der Bus auf einer Linie verkehrt, muss sich niemand anmelden, sondern jeder kann an den Haltestellen einsteigen. Im innerdeutschen Verkehr tritt diese Regelung etwas später in Kraft, weil das Regierungspräsidium die Flut von Genehmigungsanträgen nach der Liberalisierung noch abarbeiten muss.

„In sechs bis acht Wochen liegt auch diese Genehmigung vor. Bis dahin muss sich der Gast anmelden, wenn er nicht bis nach Holland fahren will, sondern nur ins Ruhrgebiet oder von dort hierher“, erläutert Boos. Empfehlenswert ist eine Reservierung aus seiner Sicht in jedem Fall, da noch nicht abzusehen ist, wie groß die Nachfrage nach dem Angebot ausfällt.

Spontane Reisende hätten an einer Haltestelle das Nachsehen, wenn alle Plätze besetzt wären. Nicht nur wegen des Komforts ist die BKW zuversichtlich, genug Kunden zu finden. Auch den Preis hält sie gerade im Vergleich zur Bahn für sehr wettbewerbsfähig: 60 Euro für einen Weg.(su)

Stichwort :Luxusbus

Ein Hebelifter am Einstieg ermöglicht es Rollstuhlfahrern, komplett ohne Hilfe ins Fahrzeug zu gelangen. Innen gibt es für bis zu fünf Rolli-Fahrer ausreichend Platz. Sie können in ihren Rollstühlen sitzen bleiben oder sich in einen der komfortablen Sitze setzen.

Viel Platz zwischen den Reihen, ein ruckelfreies Automatikgetriebe, Bord-WC, DVD-Videoanlage, kalte und heiße Getränke, Unterhaltung und Service, Ruftasten mit direktem Kontakt zum Fahrer – all das bietet der Luxusbus und soll damit eine bequeme Alternative zum Bahnfahren darstellen.

Bis zu 45 Fahrgäste oder fünf Rollstuhlfahrer plus 29 andere Passagiere kann das neue Fahrzeug aufnehmen. Theoretisch sind auch höhere Zahlen denkbar, „weil im Linienverkehr auch Fahrgäste stehen dürfen.

Allerdings gälte dann eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 60 Stundenkilometern, was den Fahrplan durcheinanderbrächte“, erläutert BKW-Geschäftsführer André Boos. ?Für Elektrorollstühle ist ebenfalls genug Raum. Der Hebelift hat eine Tragkraft bis zu knapp 400 Kilogramm. Einziges Problem bei den E-Rollstühlen: Wenn sie wie ein Mofa angemeldet sind, dürfen sie im Linienverkehr streng genommen laut Gesetz nicht transportiert werden, aus versicherungstechnischen Gründen. Die BKW will sich um Klärung dieser Frage bemühen.(su)

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