Erinnerungen an Stifter von Webers Kindergarten: Ur-Urenkelin zu Besuch

Das war wie ein Märchen

Bad Wildungen - Die Ur-Urenkelin von Friedrich Sigismund Weber – er war 1877 Stifter von „Webers Kindergarten“ am Dürren Hagen – besuchte überraschend die Heimatstadt ihres Vorfahren und schwelgte beim Bummel durch die Altstadt in Erinnerungen.

Gabriele Opitz nahm an einer Gästeführung teil und plauderte in schmalen Altstadtgassen über ihre familiären Beziehungen zum Namenspaten von Wildungens ältestem Kindergarten. Stadtführerin Heidi Hinz-Okenwa-Elem wurde hellhörig und griff sofort zum Telefon. Spontan wurde ein Besuch im Kindergarten arrangiert. „Beim 100-jährigen Jubiläum in 1977 war ich auch hier“, erzählte die heute 77-Jährige. Zehn Jahre später – in 1987 – kam Gabriele Opitz erneut in die Badestadt. Sie brachte zu dem Kurzbesuch ein Ehepaar aus den USA mit, das aus einem anderen Zweig der Weberschen Linie stammt. 26 Jahre verstrichen, bis die Ur-Urenkelin des Kindergarten-Stifters erneut ihre Koffer packte und nach Bad Wildungen reiste. In diesen Tagen verband die in Schriesheim bei Heidelberg lebende Seniorin eine Kur in Reinhardshausen mit einer Spurensuche in der Heimatstadt ihres nach Russland ausgewanderten Vorfahren. „Ich bin die einzige in Deutschland geborene Nachkommin“, erzählte die Besucherin. Als junges Mädchen habe sie aus Erzählungen ihrer Tanten von dem reichen Onkel aus Russland erfahren, der sich so großherzig engagierte. „Das war wie ein Märchen für uns.“ Die Mutter des Auswanderers war auch in St. Petersburg, kehrte aber nach zwei Jahren wieder nach Wildungen zurück, weil sie das Klima nicht vertrug. Ihr Sohn habe bei seinen Aufenthalten in der Heimatstadt immer den Kindergarten aufgesucht und den Mädchen und Jungen etwas spendiert, weiß Opitz aus Erzählungen. Ihr Großvater war der einzige Nachkomme, der nach Deutschland kam. „Von den anderen habe ich nichts mehr gehört.“ 40  000 Deutsche lebten zur Zeit ihres Ur-Urgroßvaters in Petersburg. Zu dieser Zeit hatte Wildungen viel stärkere Verbindung zu Russland als heute, vergleicht Museumsleiter Bernhard Weller. „Zehn bis 12 Prozent der Kurgäste waren bis vor Beginn des ersten Weltkriegs aus Russland.“ Mit großem Interesse blätterte Opitz die liebevoll fortgeführte Chronik des 136 Jahre alten Kindergartens durch. Und wandelte auch im Stadtmuseum auf den Spuren ihres Ahnen. Eine Woche reichte nicht, um alles zu erfassen. „Nächstes Jahr komme ich wieder“, versprach die 77-Jährige. Angetan zeigte sich die Schriesheimerin von der Badestadt. „In Bad Wildungen fühle ich mich wohl.“ Reizvoll sei ein besonderer Kontrast. „Das Bäderviertel und die Altstadt – das sind zwei Welten.“Aktuell besuchen 75 Mädchen und Jungen von drei bis sechs Jahren Webers Kindergarten, betreut von neun Erzieherinnen und einer Praktikantin. In 2014 wird der Kindergarten innen renoviert und wird in diesem Zug auch für Kinder unter drei Jahren umgebaut, erläuterte Kindergartenleiterin Christine Witt dem gern gesehenen Überraschungsgast. (höh)

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