Tipps eines Wildunger Brunnenarztes aus dem 18. Jahrhundert

„ ... Magen wäre wohl ausgescheuert ...“

Bad Wildungen - Die Legende vom Schatz auf dem Dachboden - manchmal enthält sie mehr als nur ein Körnchen Wahrheit. Jens Kube-El Leithy fand tatsächlich ein bibliothekarisches Kleinod auf dem Speicher.

„Wir haben ein Fachwerkhaus in der Altstadt gekauft und vor einiger Zeit, beim Entrümpeln, fiel mir dieses Buch in die Hände“, berichtet er: „„Wildungische Anmerkungen“ des Dr. Zacharias Conrad Muth, eine Brunnenschrift aus dem Jahre 1748.

Strenge Vorschriften

Kube-El Leithy hat sie als Dauerleihgabe dem Quellenmuseum zur Verfügung gestellt. „Muth war der Nachfolger des bekannten Wildunger Brunnenarztes Ovelgün, dessen Schrift wir in derselben Vitrine präsentieren“, erklärt Museumsleiter Bernhard Weller. Muth wirkte 1733 bis 1758 in Wildungen als Hof- und Brunnenarzt. „Die Ärzte von damals muss man sich anders vorstellen als heute. Nicht im weißen Kittel, sondern im Anzug mit Hut warteten sie an den Brunnen auf die damals noch wenigen Gäste“, berichtet Weller.

Sie unterwarfen die Patienten strengen Vorschriften der Lebenshaltung. Weil die Wissenschaft in der Medizin bei den „Medikatoren“, wie die Ärzte damals auch tituliert wurden, noch keine große Rolle spielte, übertrieben sie es in der Anwendung der eigentlich heilenden Wildunger Wässer oft. Sie ließen Paracelsus’ alte Weisheit, dass die Dosis das Gift macht, außer Acht. Die Kranken mussten gewaltige Mengen des Wassers trinken und stundenlang darin baden, „bis sich die Haut abschälte“, erzählt Weller.

Muth hatte in Halle bei dem, wie er schrieb, „weltberühmten Professori und Medico F. Hoffmann, meinem ehemaligen Lehrmeister, dessen Ruhm unsterblich bleiben wird“ studiert, wie es in dem Büchlein heißt. Diese Berufslaufbahn wurde von dem damals regierenden Fürsten Carl August Friedrich von Waldeck offensichtlich als geeignete Qualifikation für die Übertragung der brunnenärztlichen Aufgaben angesehen.

Muth praktizierte bis zu seinem Tode 1758 in Wildungen.

Mit den Erfahrungen von 15 Jahren Tätigkeit gab er die „Wildungische Brunnen Anmerkungen“ heraus, mit der Begründung, dass ältere Schriften „nicht gar wohl mehr zu haben sind“.

Gleiches trifft heute offenbar auf seine Schrift zu. Jens Kube-El Leithy und Uwe Claus vom Stadtmuseum haben nur zwei weitere Exemplare ausfindig machen können, eines in Süddeutschland und ein weiteres in der Arolser fürstlichen Hofbibliothek.

Kritisch: Alkohol und Tabak

Das Büchlein enthält in sechs Kapiteln und auf 111 Seiten sowohl für den Kur-Gast wie auch für den Arzt nützliche Angaben. Ausdrücklich verweist Muth auf die Ausführungen seines Vorgängers Dr. Ovelgün, dessen Fleiß er lobt und dessen Formulierungen er wörtlich zitieren will, weil sein Wissen auf „der Nachfolge solcher vortrefflicher Vorgänger beruhe“.

Im letzten Kapitel „Von der Lebensordnung“ beschreibt Muth, wie man sich in der Kur und danach verhalten soll. Alkohol und Tabak werden kritisch betrachtet und ausdrücklich wird darauf hingewiesen, dass man auch nach dem Kuraufenthalt eine vernünftige Lebensweise fortsetzen soll.

„Geblüt wäre wieder kühl“

„Da heißt es: Nun könne man wieder brav essen, der Magen wäre wohl ausgescheuert. Nun könne man wieder trinken, das Geblüt wäre wieder kühl und rein. Gleich wie aber solche viehischen Menschen nicht des schlechten, viel weniger des guten Wassers wert sind, so geschieht ihnen dann recht, wann auf die halb geheilten Wunden bald wieder neue kommen, welche endlich unheilbaren Schäden hinterlassen, daß sie vor den Jahren matt und kränklich werden“. (su)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare