Bad Wildungen: 5000 Bescheide für neue gesplittete Abwassergebühr versandt

Manchem tritt das Wasser in die Augen

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- Bad Wildungen (su). Grau ist alle Theorie – doch rot schwillt die Halsschlagader bei manchem Hausbesitzer an, nun da er den ersten Kostenbescheid zur neuen „gesplitteten Abwassergebühr“ in Händen hält.

In den vergangenen Tagen und Wochen hat die Finanzabteilung der Wildunger Stadtverwaltung rund 5000 dieser Schreiben an die Haushalte versandt, teilt Kämmerer Günther Gutheil auf Anfrage mit. Obwohl das neue System zur Berechnung der Abwassergebühr in Bürgerversammlungen vergangenes Jahr erläutert worden war und obwohl alle Hauseigentümerinnen und -eigentümer die bekannten Erfassungsbögen mit versiegelten Flächen ausgefüllt und an die Verwaltung zurückgeschickt hatten, standen die Telefone bei den zuständigen Sachbearbeitern in den vergangenen Tagen kaum still. Grau ist eben alle Theorie in der Vorbereitung und wer plötzlich Schwarz auf Weiß erfährt, dass er mehr – manchmal deutlich mehr – zahlen muss als bisher, der hat Gesprächsbedarf.

Ohne Vorwürfe an die Boten der Botschaft geht das nicht ab, verrät Günther Gutheil: „Ein Bürger hielt mir am Telefon vor, dass er und andere auf diese Weise die Kliniken subventionieren müssten.“ Doch das kann der Kämmerer nicht bestätigen. „Es war vorher klar, dass auf einige deutlich höhere Gebühren zukommen und dass andere vom geänderten System profitieren“, fügt Gutheil hinzu. Eine irgendwie geartete Schubladeneinteilung à la „Kliniken strahlen, die Bürger zahlen“ lasse sich aber nicht erkennen. Weinende und lachende Augen verteilen sich demnach querbeet über alle Arten von Gebührenzahlern hinweg. Gutheil hat sich eine beliebige Klinik als Beispiel herausgesucht und festgestellt: Sie muss höhere Gebühren entrichten.

Einem weiteren Wildunger Bürger geht es ebenso. „1000 Euro mehr muss ich im Jahr berappen“, seufzt er. Zu den Verlierern der neuen Regelung gehören nicht zuletzt der Kämmerer selbst („Ich muss für mein Haus auch mehr zahlen“) und die Stadt als Eigentümerin vieler öffentlicher Gebäude und der Straßen. „Für die Straßen standen 2011 noch 486 000 Euro als Anteil an den Abwasserkosten im Haushalt.“ Gemäß neuer Regelung sind es im aktuellen Jahr mehr als 591 000 Euro. Der einzelne Betroffene mag solche Ausschläge als ungerecht empfinden, aber eine Alternative hatte die Stadt nicht. Denn das höchste deutsche Verwaltungsgericht hat den Kommunen vor einigen Jahren vorgeschrieben, die Berechnung der Abwassergebühren zu ändern. Grund: Ein Hauseigentümer hatte geklagt. Er beschwerte sich, dass Kanäle, Regenrückhaltebecken und Kläranlagen immer größer gebaut werden müssen, weil immer mehr Flächen versiegelt würden.

Immer mehr Regenwasser rausche von Dächern, Asphalt und Pflaster direkt ins Abwassersystem statt im Boden zu versickern. Weil die Abwassergebühren bislang aber vorwiegend nach dem Wasserverbrauch abgerechnet wurden, zahlten die „Zubetonierer und -pflasterer“ der Landschaft nicht genug für den Aufwand, den sie verursachen – so argumentierte der Kläger damals und gewann. Die neue Abwassergebühr unterteilt sich deshalb in einen festen Satz, der pro versiegeltem Quadratmeter bezahlt wird, und in einen flexiblen Satz, der sich weiterhin nach dem Wasserverbrauch richtet.

Mehr lesen Sie in der WLZ vom Mittwoch, 25. Januar

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