Zweites Gutachten bestätigt: Freizeitanlage für Kleinstadt überdimensioniert

Mancher Helo-Illusion beraubt

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Großes Freibad, Hallenbad mit Kleinkinderbereich, Rutsche, Schwimmer-, Nichtschwimmer-, Sprudelbecken, Eisbahn: Die Tage dieses, für eine Kleinstadt luxuriösen Angebotes, das 2 Millionen Euro Defizit jährlich verursacht, scheinen gezählt.Foto: Katharina Jaeger

Bad Wildungen - Viele Wildunger wollen es nicht hören, aber auch der zweite Gutachter, den die Stadt auf das Heloponte angesetzt hat, kommt zu demselben Schluss wie die Altenburg-Expertise von vor einigen Jahren: Die Freizeitanlage ist für die Kleinstadt hoffnungslos überdimensioniert.

Das sickert aus den Reihen der Wildunger Stadtverordnetenfraktionen durch. Gutachter Dr. Kannewischer informierte interessierte Politiker am Montagnachmittag über Details. Inzwischen haben die ersten Fraktionen die Ergebnisse diskutiert und „manchem wurden die Augen geöffnet“, kommentiert ein Parlamentarier.

Vorgestellt und besprochen wurden vier Varianten: der Neubau eines reinen Sportschwimmbades für die heimische Bevölkerung am bestehenden Helo-Standort; der Neubau eines solchen Bades, ergänzt durch einen kleinen Bereich, der zum Warmbaden einlädt; der schon einmal öffentlich diskutierte Bau eines Sportschwimmbades in Reinhardshausen neben der Quellentherme, weil diese ein Sauna- und Wohlfühl-Angebot vorhält, das obendrein ausgeweitet wird;der Bau eines Schwimmbades in Anbindung an ein größeres Hotel in der Wildunger Kernstadt, wie es verschlüsselt aus dem Kreis der Fraktionen heißt.

Gemeint sein kann vermutlich nur das Maritim, denn am Quellenhof fehlt es an Flächen. Unterhalb des Maritim erstreckt sich das Bornebachtal, in dem vor zwei Jahrzehnten ein „Boarding-House“ entstehen sollte. Erhebliche Hürden im Planungsrecht würden den Aufwand für ein Bad an dieser Stelle in die Höhe treiben.

Illusorisch erscheint im Nachgang zu den Ausführungen Kannewischers vom Montag die Idee, durch einen großen Wurf, ein Bad als Gästemagneten, Impulse für mehr private Übernachtungen in der Stadt zu setzen.

Denn die kleine Badestadt sieht sich in ihrem theoretischen Einzugsgebiet eingekeilt: im Norden durch Bad Wilhelmshöhe, wo das Unternehmen Wicker dem Vernehmen nach mit sehr viel Geld die seit Jahrzehnten bestehende Therme aufrüsten will. Im Süden durch Marburg, wo eine vergleichbare Therme am Markt existiert.

Ein Bad in Reinhardshausen ist wieder in der Verlosung

Wichtig für die Badestadt ist ein angemessenes Wellness-Angebot, das als ein Element von vielen neben Kultur, Naturerlebnis oder Kurstadtflair den Urlaubern und Städtereisenden zur Verfügung steht.

Ein solches Angebot existiert in Bad Wildungen in Gestalt der Quellentherme, verdeutlichte Kannewischer seinen Zuhörern zufolge in der nicht-öffentlichen Sitzung am Montag. Die millionenschwere Investition des Hoteliers Gert Göbel in die Erweiterung der Sauna-Landschaft leitet viel Wasser auf die Mühlen dieser Argumentation.

Die Parlamentarier trugen dem Rechnung, indem sie den Bürgermeister am Montag beauftragten, mit Gert Göbel Kontakt aufzunehmen. Trotz aller Vorbehalte gegen die Lösung, die in der Vergangenheit laut geworden waren, erscheint damit der Bau eines Schwimmbades in Reinhardshausen wieder möglich. Zugleich wurde Kannewischer allerdings gebeten, sich mit den Vorschlägen des Architekten Torlach zu befassen. Der Wildunger hält die Sanierung des Heloponte im Bestand für realistisch und finanzierbar.

Weitere Beratungen sollen im Februar laufen

Im Februar wollen sich die Stadtverordneten öffentlich und ausführlich mit den Ergebnissen des zweiten Gutachtens auseinandersetzen. Allmählich dränge die Zeit doch ein wenig, ist zu hören, denn ewig könne das bestehende Heloponte nicht weiterbetrieben werden.

Von Matthias Schuldt

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