Bebauungsplan aufstellen, damit nicht gebaut wird, wobei das offiziell nicht der Grund sein darf

Massentierhaltung auf Plateau verhindern

+
Vielen ist es kaum bewusst aber das Hochplateau zwischen Albertshausen und Reinhardshausen ist das einzige seiner Art in der Wildunger Gemarkung. Was für eine Vorstellung, käme jemand auf die Idee, hier eine Massentierhaltung zu bauen! Möglich wär´s.Foto: Schuldt

Bad Wildungen - Von der Rummelskoppe aus öffnet sich über die Werner-Wicker-Klinik hinweg der Blick auf Bad Wildungens einziges Hochplateau, gelegen zwischen Reinhardshausen und Albertshausen: ein Idyll an Natur- und Kulturlandschaft, ein Magnet für Kurgäste und andere Spaziergänger – und dabei soll es bleiben.

Das wollen Stadtverwaltung und Kommunalpolitiker. Es erscheint widersinnig, aber aus demselben Grund beabsichtigen sie einen Bebauungsplan für das kostbare Gebiet aufzustellen.

„Ein sehr ungewöhnliches Vorgehen“, räumte Robert Hilligus vom Bauamt im Planungsausschuss im Rathaus am Donnerstag ein. Hintergrund: Das Plateau wird vorwiegend landwirtschaftlich genutzt. Deshalb genießen Bauern – und nur sie – Vorrechte bei Bauprojekten, die ihrem Betrieb dienen. Sie müssen zwar allgemeingültige Vorschriften beachten, etwa des Naturschutzes.

Landwirte haben hier Recht auf „Privilegiertes Bauen“

„Wenn aber ein Landwirt in diesem Gebiet eine große Hähnchenmastanlage oder eine Schweinemast errichten will, kann ihm augenblicklich niemand die Erlaubnis verwehren“, erklärte Bürgermeister Volker Zimmermann. „Privilegiertes Bauen“ nennt sich das.

Stellt die Stadt jedoch einen Bebauungsplan auf, der solche Vorhaben ausschließt, haben die Landwirte das Nachsehen.

Allerdings darf die Stadt den Plan nicht allein erarbeiten, um etwas zu verhindern, sondern sie muss darlegen, was sie erhalten und entwickeln will. Im Fall des Plateaus ist das der Freizeit- und Erholungswert der Landschaft, sowohl für Einheimische als auch für Gäste.

Schätze wie der Hutewald bei Albertshausen oder der Sternenguckerpfad liegen in unmittelbarer Nähe eines Rehazentrums mit seiner geballten Medizinkompetenz. „Das ist wohl einzigartig“, betonte der Bürgermeister. Das ganze Gebiet sei darum stets von Erholungsuchenden und Kurgästen bevölkert, fügte Ausschussvorsitzender Stefan Riedel (Grüne) hinzu.

Neue Rastplätze für Wanderer an den Bächen

Der Bebauungsplan soll Ideen aufnehmen, wie diese Eigenschaften gestärkt werden, sei es durch neue Rastplätze für Wanderer in den Niederungen von Wölfte und Wilde, sei es durch das Gestatten von kleineren Tourismus-Bauvorhaben. Ein kleiner Wohnmobilstellplatz auf einem nicht mehr bewirtschafteten Hof könnte das ebenso sein wie eine Hütte für die Gleitschirmschule am Hahnberg, schilderte Robert Hilligus vom Bauamt.

Die Bewirtschaftung der bestehenden Höfe und Flächen zwischen Albertshausen und Reinhardshausen soll „natürlich durch einen Bebauungsplan nicht behindert werden“, fügte Zimmermann hinzu. Er habe mit einem Vertreter des Kreisbauernverbandes bereits über dieses Thema gesprochen. Schließlich verdanke die Landschaft ihr reizvolles Gesicht zu einem großen Teil der Arbeit der Bauern. Ihre Anliegen sollen in den Bebauungsplan einbezogen werden.

Die Aufgabe, ein Konzept für den Plan zu entwerfen, fällt dem Kasseler Büro „Planungsgruppe Stadt und Land“ zu. Die Kosten belaufen sich auf rund 30000 Euro.

Dr. Hans Schultheis (FWG) gab den Fachleuten als Idee mit auf den Weg, einen Wanderpfad „Von der Königsquelle ins Paradies“ auszuweisen. Er würde das wertvolle Albertshäuser Waldstückchen über das Plateau hinweg mit dem größten Kurpark Europas verknüpfen.

Der Ausschuss brachte das Ganze mit sechs Stimmen gegen die drei Stimmen der CDU auf den Weg. Die Union kann den Sinn nicht erkennen, weil kein Landwirt aktuell Pläne für eine Massentierhaltung auf dem Plateau hegt und sie nicht glaubt, dass der Bebauungsplan Entwicklung im Tourismus auslöst. Für den reinen Erhalt des Bestehenden will sie keine 30000 Euro ausgeben.

Von Matthias Schuldt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare