Oberstufen-Theater-AG des Gymnasiums führt „Mauerblicke“ auf – Szenencollage

Mauern öffnen die Augen

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„Wo bleibt das Leben?” fragt Angelina Ostaletska ihr Gegenüber Sven-Jonas Schickram, wenn sie den grauen Arbeitsalltag dort unten vor sich sieht: Anna-Mara Schickram, Alexander Schlepper sowie Sarah und Maren Dietrich.Foto: Sabine Degenhardt

Bad Wildungen - Eine Mauer auf der Bühne, aus Zeitungsziegelsteinen. Ein Stuhl, ein Tisch, sonst nichts. Die jungen Schauspieler laufen durch die Reihen in weißen Oberteilen und Jeans. Nur halb so viele Zuschauer wie bei der Premiere sind dabei. Machen Mauerblicke Angst, dass so viele nicht den Weg in die Aula des Gustav-Stresemann-Gymnasiums fanden?

Dabei beginnt das Bühnenstück noch ganz lustig, als der Pianist den Ansager fragt, was ein Keks und eine Mauer seien - ein schattiges Plätzchen. Doch dann stehen plötzlich Grenzen und Gefangenschaft im Raum.

Die Mauer auf der Bühne wird zerstört und der, der dahinter kauerte, fragt sich erschüttert: „Hätte ich meine Schutzmauer beschützen können?“ Eine Dame entreißt ihrem Liebhaber sein Herz - einen Ziegelstein. „Aber es schlägt nur für Sie“, säuselt er.

Auf einer Leinwand im Hintergrund wechselt das Bild von Mauern und Grenzen zu einer offenen Landschaft. Um über die Mauer hinaus fliegen zu können, „muss man die Augen öffnen“, sagt die eine der beiden jungen Frauen, die sich nicht mit ihrer Eingrenzung zufrieden geben will. Die Flügel ausbreiten und davonfliegen, bedeutet Freiheit. Freiheit, sagen zu können, „was ich denke, und denken zu können, was ich will“. Freiheit. Eine Liebe, die an der deutsch-deutschen Staatsgrenze tragisch endete, durch einen Briefwechsel nur - „wer Mauern baut hat unrecht“.

Immer wieder spenden die rund 25 Zuschauer Szenenapplaus. Die einzelnen Mauersteine in Form einer Szenencollage verbindet der Pianist Max Milpetz wunderbar mit seinen eigens ausgewählten Stücken wie „99 Luftballons“, „Let it be“ oder „Danke für diesen guten Morgen“. Eigene und fremde Stücke haben die Jugendlichen ausgewählt und zum Teil miteinander verwoben.

Mit der Leiterin ihrer Theater-AG, Ulrike Kucharczyk, haben sie „Elfchen“ geschrieben und poetische Texte entwickelt. Kurzgeschichten von Autoren wie Sibylle Berg oder Arno Surminski wurden verwendet, aber auch im kreativen Schreiben entstandene Texte szenisch umgesetzt.

Dass Mauern verbinden, Schutz bieten, eingrenzen, es innere wie äußere Mauern gibt, all das haben die Jugendlichen wunderbar verstanden auf die Bühne zu bringen. Sie haben beim Publikum eine tiefe Sehnsucht geweckt, es aber ein ums andere Mal auch stark erschüttert. Und dabei kamen sie mit äußerst wenigen Requisiten aus. Am Ende bekamen sie lang anhaltenden und wohlverdienten Applaus.

„Ich bin im dritten Jahr dabei, aber diesmal steckt ganz viel Herzblut von uns in diesem Stück“, sagt Jeremias Lööck. Und auch Angelina Ostaletska ist begeistert: „Jede Szene ist ein Teil von uns.“ (deg)

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