Prof. Hackel erläutert Arbeit der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt am GSG

Für Metzger und Raumschiff

Bad Wildungen - Ur-Kilogramm und Atomuhr versetzten Gymnasiasten im Gustav-Stresemann-Gymnasium ins Staunen. Professor Dr. Siegfried Hackel, ehemaliger GSG-Schüler und heutiger Direktor der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt Braunschweig, führte im Rahmen der Feierlichkeiten zum Jubiläum „75 Jahre Abitur in Bad Wildungen“ in seine Arbeit ein.

Josef Jessl, einst langjähriger stellvertretender Schulleiter, wirkte bei den Vorbereitungen der Jubiläumsfeierlichkeiten mit. Er lud seinen früheren Schüler zu einem Vortrag an seine alte Schule ein. Dort begrüßte Physiklehrer Horst Müller seinen ehemaligen Schulkameraden, mit dem er im Jahr 1978 gemeinsam die Reifeprüfung am Gustav-Stresemann-Gymnasium abgelegt hatte.

Größer als der Vatikan

Hackel sprach vor Schülerinnen, Schülern und interessierten Besuchern. Thema: „Vom Pendel bis zur Neudefinition des Kilogramms.“ Der aus Löhlbach stammende Physiker gab einen kurzweiligen Einblick in die Arbeit seiner Behörde, einer Abteilung des Bundeswirtschaftsministeriums. „Wir sind etwas größer als der Vatikan, und - wie ein Kollege einmal meinte - in mancher Hinsicht auch bedeutender.“

Aufgabe des Braunschweiger Institutes ist es unter anderem, Spiel- und Wahlgeräte zu überprüfen, die ordnungsgemäße Funktion von Geräten in der Medizin und zur Geschwindigkeitsüberwachung zu gewährleisten und sich um den Explosionsschutz zu kümmern.

„Wir sind zum Beispiel dafür verantwortlich, dass ein Pfund Hackfleisch bei ihrem Metzger auch wirklich 500 Gramm wiegt.“ Der Braunschweiger Professor hatte zur Demonstration ein Modell des in Paris aufbewahrten Ur-Kilogramms mitgebracht. Weil es im Laufe der Zeit immer leichter geworden ist, wurde es durch ein neues Ur-Kilo in Form einer Silicium-Kugel ersetzt. Auch diese „ideal-runde“- Kilo-Kugel hatte Hackel mit nach Bad Wildungen gebracht und vorsichtig mit weißen Handschuhen angefasst. „Dies ist mit Sicherheit die symmetrischste Kugel, die je in Bad Wildungen präsentiert wurde; ihr Herstellungswert beträgt etwa 200000 Euro, aber es gibt dafür keinen Markt.“

Wie bastele ich mir eine Sekunde?

Auch ein Ur-Meter hatte der Professor im Gepäck „allerdings jetzt praktisch ohne Bedeutung, „weil sich ein Meter heute mit Licht und Zeit gemessen deutlich genauer darstellen lässt“. Hackel zeigte seinen Zuhörern in einem Versuch: „Wie bastele ich mir eine Sekunde?“ Zudem hatte er eine Atomuhr mitgebracht, wie sie zum Beispiel in GPS-Empfängern benötigt wird und „in Satelliten und Raumschiffen, die im All herumfliegen“. Gerade sei man dabei, ein neues Gerät zu entwickeln, das in der Lage ist, die Zeit fünfmal genauer zu messen als die jetzige genaueste Braunschweiger Atomuhr“.

Der Braunschweiger Professor und GSG-Abiturient erhielt herzlichen Beifall für seinen informativen und hochinteressanten Vortag.

Von Werner Senzel

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare