Arbeitsgruppe begleitet Kurhaus-Projektentwickler · Sanierung und Betrieb durch Stadt keine Alternat

1,3 Millionen reichen nur fürs Nötigste

Bad Wildungen - Der Projektentwickler, der Pläne fürs Kurhaus-Areal erarbeitet, „wird eng begleitet von einer Arbeitsgruppe der Stadtverwaltung“, sagt Bürgermeister Volker Zimmermann.

Keinesfalls agiere der erfahrene Mann seit zwei Jahren im luftleeren Raum, wie die CDU es im Planungsausschuss vorige Woche dargestellt habe. Der Arbeitsgruppe gehören Bauamtsleiter Klaus Weidner, sein Mitarbeiter Robert Hilligus, Stadtmarketing-Chefin Ute Kühlewind und Kämmerer Günther Gutheil an.

Warnung vor Illusionen

Gemeinsam mit dem Bürgermeister und dessen Stellvertreter Bart van der Meer warnt die Arbeitsgruppe vor Illusionen darüber, welche Konsequenzen ein Scheitern des Hotelprojektes hätte, gefolgt von dem Versuch der Stadt, das Kurhaus in Eigenregie zu sanieren und zu betreiben.

Zum Kurhaus:

Die oft zitierten 1,3 Millionen Euro für die Reaktivierung „betreffen allein das Nötigste an Technik und Brandschutz“, erklärt Gutheil. Über den Daumen geschätzt 5 Millionen Euro würden gebraucht für eine dauerhafte Sanierung, fügt Weidner hinzu.

Welches Gesamtdefizit kann sich die Stadt leisten?

Und der daraus folgende Unterhalt? Aktuell schreibt das Kurhaus ein Defizit von 150 000 Euro per anno. Nach einer Sanierung würde der Verlust deutlich steigen, sind beide Amtsleiter überzeugt und verweisen auf das Beispiel Wandelhalle. „30 000 bis 40 000 Euro Jahresdefizit wurden seinerzeit vor dem Umbau prognostiziert. Tatsächlich sind es heute 500 000 bis 600 000 Euro jährlich“, unterstreicht Zimmermann.

„Vergessen wir nicht, dass wir ein zweites Kurzentrum in Reinhardshausen zu finanzieren haben“, ergänzt van der Meer. Vom Heloponte ganz zu schweigen.

„Welches Gesamtdefizit kann sich die Stadt auf Dauer für ihre Einrichtungen leisten?“, formuliert Gutheil als entscheidende Frage aus seiner Sicht.

2,6 Millionen Euro als Bäderpfennig kassiert die Stadt jedes Jahr vom Land als Ausgleich dafür, dass Reha-Kliniken weder Grund- noch Gewerbesteuer zahlen. Ohne den Ausgleich könnte Bad Wildungen seine ganz normale, kommunale Infrastruktur jenseits der Kur nicht bezahlen. „Der Bäderpfennig steht aber auf Landesebene aktuell in der Diskussion. Das wird ein hartes Kämpfchen“, prophezeit Zimmermann.

Das Kurhaus wiederbeleben inklusive seiner alten Funktion als Anlaufstelle für Anwendungen? „Die klassische Badekur ist heute praktisch verschwunden. Die Physiotherapie haben wir verkauft, weil sie nicht ausgelastet war“, erinnert Zimmermann. Heute buchen die Leute in Hotels Gesundheitstage inklusive ärztlicher Begleitung und zahlen selbst. Die Göbel-Hotels bewiesen, dass dies funktioniert.

Realistische Chance: Stadt für Senioren

Hier setzt das Hotelprojekt auf dem Kurhaus-Gelände an. „Wir brauchen zusätzliche Betten. Durchschnittlich geht der Stadt ein Reisebus pro Woche verloren, weil es an Übernachtungsmöglichkeiten fehlt“, berichtet Ute Kühlewind. Das Maritim-Badehotel scheide für diese Klientel mit seinem hochpreisigen Angebot aus.

Neu an dem geplanten Hotelprojekt ist, es mit Service-Wohnen für Senioren zu verbinden. „Die Nachfrage nach solchen Appartements in unserer Stadt steigt“, sagt Kühlewind und Bauamtsleiter Weidner bestätigt das: „Investoren erkundigen sich häufig bei uns - nach zentraler Lage entlang der Allee.“

Im Gefolge der Oldtimer-Rundfahrten etwa interessieren sich Ältere für solche Angebote in der Kurstadt. „Auch aus dem Raum Kassel, denn Wilhelmshöhe ist in dieser Hinsicht abgegrast“, schildert Ute Kühlewind.

Bad Wildungen als bevorzugtes Reiseziel für Senioren und als attraktiver Altersruhesitz: Diese Entwicklungschance wollen die Verantwortlichen nutzen - weil sie eine realistische ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare