Bad Reinhardsquelle hat „nicht zeitgemäße Bahnen“ abbauen lassen

Die Minigolf-Anlage ist weg

Wildungen - Reinhardshausen - Die Reinhardshäuser Minigolf-Anlage ist weg. Abgebaut. Doris Metze hat die Bahn 22 Jahre lang im Auftrag der Bad Reinhardsquelle betrieben

Die 74-Jährige gehört zu den augenblicklich viel zitierten Senioren, die ihre Rente durch kleine Jobs aufbessern. Als Saisonkraft auf 400-Euro-Basis hat sie jedes Jahr einen neuen Arbeitsvertrag erhalten und vom 15. April bis zum 3. Oktober Gäste ins Spiel eingewiesen, ihnen einen Kaffee oder ein Eis verkauft. „Eigentlich dachte ich, dass es auch dieses Jahr weitergeht, aber dann hieß es: Die Anlage wird abgebaut.“

Bis zu 400 Gäste monatlich nahmen mit Schläger und Ball Maß auf die Löcher hinter den Hindernissen. „Bei sehr schlechtem Wetter waren es auch mal weniger, aber für mich war das wie eine große Familie“, sagt Doris Metze. Kurgäste hätten sich gerne auf einen Plausch und eine Tasse Kaffee zu ihr gesetzt und von ihrer Krankengeschichte erzählt. An Wochenenden spielten Tagesgäste auf der Anlage, an sonnigen Sonntagen bis zu 70. „Gerade erst bin ich angesprochen worden, wann ich öffne, weil jemand einen Kindergeburtstag auf der Anlage organisieren wollte“, berichtet Doris Metze.

Sicher seien die Bahnen optisch nicht mehr im besten Zustand gewesen, aber sie ist davon überzeugt, das hätte man mit etwas Aufwand verbessern können. Die Bad Reinhardsquelle, die heute der Stadt Bad Wildungen gehört, sieht das anders, erläutert Geschäftsführer und Stadtkämmerer Günther Gutheil. Man habe die Bahn im vorigen Jahr noch einmal geöffnet. Die Anlage verursache per anno ein Minus von 2000 Euro. Der ausschlaggebende Grund für den Abbau ist das Defizit aber nicht.

Schwerer wiegt von der Warte des Aufsichtsrates aus, dass die Bahnen mit ihren (noch intakten) Eternitplatten und den Einfassungen aus Metall kein zeitgemäßes Erscheinungsbild mehr abgäben. „Das zu ändern, hätte einen Aufwand verlangt, der nicht im Verhältnis zum Nutzen steht“, sagt Gutheil. Seit Längerem befasse sich der Aufsichtsrat der Bad Reinhardsquelle mit der Errichtung einer Golf-Spielanlage, wie sie etwa in Obervorschütz zu finden ist. Größer, attraktiv und zeitgemäß seien solche Bahnen.

„Allerdings müssten wir dafür eine Investition von mindestens 250?000 Euro leisten“, ergänzt der Geschäftsführer, der als Stadtkämmerer zugleich die derzeitige, schwierige Finanzlage der Kommune im Auge hat. Ursprünglich sei der Aufsichtsrat davon ausgegangen, dass eine solche Anlage für deutlich weniger Geld zu haben ist. Dr. Johannes Berlitz vom Gemeinde-, Kur- und Verkehrsverein Reinhardshausen zeigte sich gestern überrascht vom Abbau der alten Anlage: „Davon wusste ich nichts.“

Seit Jahren habe der Verein eine verbesserte Anlage angemahnt. „Wir begrüßen deshalb eine Golf-Spielanlage, über deren Standort aber geredet werden muss, damit sie nicht Unruhe in den Kurpark bringt“, fügt er hinzu. Bis so ein Projekt realisiert wäre, hätte man die alte Anlage aber noch betreiben können, meint er: „Ich persönlich empfand ihren Zustand nicht als so schlimm, dass sie abgebaut werden musste.“

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