Alte Meister genial interpretiert

Krönender Abschluss der Internationalen Klaviertage in Bad Wildungen

Perfektion am Piano: Guoda Gedvilaitè spielte, begleitet vom Kammerorchester Klaipèda in Kon zerten der 10. Internationalen Bad Wildunger Klaviertage. Fotos: Senzel

Bad Wildungen – Mit erstklassigen Konzerten, meisterhaft dargeboten, endeten die zehnten Internationalen Klaviertage.

Die Veranstaltung werde alljährlich „mit gespannter Aufmerksamkeit in der Badestadt und überregional wahrgenommen“, freute sich Bürgermeister Ralf Gutheil.

Eine Premiere gab es am Samstag bei einem klassischen Konzert mit der Streichersinfonie h-moll von Felix Mendelsohn. Das Kammerorchester Klaipèda kam auf Einladung der Pianistin und künstlerischen Leiterin des Festivals, Guoda Gedvilaitè, nach Bad Wildungen. Die Litauerin hatte die 20 Streicherinnen und Streicher aus ihrer Heimat mitgebracht. Der erste Auftritt eines Orchesters bei den Klaviertagen war eine willkommene Bereicherung des Programms.

Mendelsohns „Übungen für Streicher“ hat das Orchester harmonisch und mit homogenem Klangbild präsentiert. Die Streicher gefielen mit ihrer sauberen und schmeichelhaft reinen Interpretation. Es folgten zeitgenössische Werke von Komponistinnen, ein „Crossroad Rites“ für Streicher und Violoncello mit Mindaugas Backus, einem Spitzen-Cellisten als Solist. Es war Musik weit ab von den Hörgewohnheiten der meisten Besucher, ebenso expressiv wie ausdrucksvoll, rhythmisch und musikalisch differenziert, außergewöhnlich im Aufbau und technisch genial. Die Werke stellten hohe Ansprüche an Zuhörer und Instrumentalisten, die mit Können und Ensemblegeist aufspielten. Sie zupften zunächst ihre Saiten, ehe sie kollektiv spielten. Der Cellist bearbeitete sein Instrument zeitweise so heftig, als wolle er es zersägen, bevor er es wieder mit dem Bogen sanft streichelte.

Höhepunkt des Abends war Robert Schumanns Konzert in h-moll für Klavier und Orchester. Die Konzertmusikerin und Dozentin Guoda Gedvilaitè, die zwischen Frankfurt und dem litauischen Vilnius pendelt und zahlreiche Konzerte gibt, saß im eleganten Damen-Frack am Flügel.

Schon bei den ersten Takten beeindruckte sie mit souveräner Virtuosität. In Begleitung des Kammerorchesters Klaipèda spielte Gedvilaitè in einer pianistisch glanzvollen Interpretation. Zuweilen hielt es die Solistin kaum auf ihrer Bank, sie spielte mit ganzem Körpereinsatz, mitreißend, gut aufgelegt und so beschwingt, als sei es kinderleicht, selbst die schnellen Läufe in die Tasten zu schlagen. Dabei zählt das romantische Werk zu den Schwersten der Klavierliteratur. Mit Gesten, Kopf und Augen hielt Gedvilaitè steten Kontakt zum Orchester, das ohne Dirigent spielt. Langer und lautstarker Beifall belohnte die Akteure für den exzellenten Hörgenuss. 

Von Werner Senzel

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