„Kirche unterwegs“ auf Scheid

Abschied von der Zeltkirche im Grünen, willkommen in der neuen Campingkirche am Edersee

Vier Männer mit Schubkarre und Strahlenkreuz.
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Das Strahlenkreuz der alten Zeltkirche wanderte mit an den fast fertigen Neubau am Edersee: Peter Dietrich von der Kirche im Grünen fuhr das Kreuz im Schubkarren von der alten Zeltkirche im Ferienhausgebiet hin zur neuen Campingkirche oberhalb der Liegewiese. Pfarrer Werner Hohmeister, Dietrichs Amtsvorgänger Willi Stiel, Prälat Bernd Böttner (von links)

Die „Kirche unterwegs“ nahm Abschied von ihrer 50 Jahre alten und maroden Holzkirche auf der Halbinsel Scheid. Das Strahlenkreuz wanderte mit in die neue Campingkirche an der Liegewiese am Edersee.

  • Die „Kirche unterwegs“ nahm Abschied von der 50 Jahre alten und maroden Holzkirche in Zeltform.
  • Das kleine Gotteshaus war seit 1971 Dreh- und Angelpunkt für die Urlauberseelsorge der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck am Edersee.
  • Auf dem neuen Standort neben der Liegewiese wurde eine „Campingkirche“ für 2,4 Millionen Euro errichtet.

Waldeck-Scheid – 50 Jahre war die kleine Holzkirche in Zeltform auf der Halbinsel Scheid der Treffpunkt für die Urlauberseelsorge der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Das kleine Gotteshaus ist inzwischen marode und hat ausgedient, denn der Neubau an der Liegewiese ist fast fertig. Der Abschied von der Kirche fiel langjährigen Weggefährten schwer. In einer Gedenkfeier am Sonntag wurden Erinnerungen wach.

Ein Kapitel geht zu Ende, ein neues wird aufgeschlagen

„Es ist ein trauriger Moment“, sagte Peter Dietrich, seit 25 Jahren Leiter der Kirche im Grünen. Ein Kapitel, gehe zu Ende, aber ein neues werde mit dem Umzug in den Neubau aufgeschlagen.

Pfarrer Werner Hohmeister trat 1985 seine Pfarrstelle in Nieder-Werbe an und damals wurde zuständig für die Campingseelsorge. „Camper sind meist herzlich und kontaktfreudig,“ habe er schnell gelernt. Hohmeister blickte zurück auf den Werdegang der Kirche im Grünen:

Ende der 60-er Jahre wurde Landeskirchenrat Günther Bezzenberger zufällig auf das Grundstück aufmerksam und sah eine Chance für die kirchliche Arbeit. 1969 kam die Johanniter Unfallhilfe und schlug ihre Zelte für eine Rettungsstation auf. 1971 wurde die Kirche mit zwei Nebengebäuden erbaut. Eines nutzen dann die Johanniter bis ins Jahr 2002, das andere die Familie des Seelsorgers. Das war zunächst Johannes Weingärter, über 17 Jahre Willi Stiel, und seit inzwischen 25 Jahren leitet Peter Dietrich die „Kirche unterwegs“. Nachträglich zu seinem 25-jährigen Jubiläum wurde Dietrich am Sonntag mit einem Präsentkorb überrascht. Ein engagiertes Team mit Helfern unterstützt die Arbeit. Bis 1988 waren auch Mitstreiter der katholischen Seelsorge vor Ort.

Gebäude von seiner Bestimmung als Kirche entwidmet

„Nun ist es an der Zeit, etwas Neues zu beginnen“, rief Prälat Bernd Böttner den Teilnehmern der Abschiedsfeier zu. Die Kirche behalte ihren festen Platz in der Erinnerung. Pfarrer Hohmeister entwidmete das Gebäude von seiner Bestimmung als Gotteshaus. Das Grundstück geht im Rahmen eines Tauschvertrags an die Stadt Waldeck, die Kirche soll im Herbst abgebrochen werden.

Auf einem Kreuz aus Sägespänen vor dem Eingangsportal legten Besucher zum Abschied Rosen nieder. Mit Musik umrahmte Peter Klier die Feier. Etwas geht mit von der alten in die neue Kirche: Das Strahlenkreuz vom Kirchendach wurde mit einer Schubkarre an seinen neuen Standort gefahren.

„Wir wollen mitten unter den Menschen sein“

Prälat Böttner hieß die Spaziergänger Minuten später am Neubau willkommen. „Ein neues Haus am See.“ Einige Restarbeiten stehen in dem rund 2,4 Millionen Euro teuren Bau noch aus. „Wir wollen mitten unter den Menschen sein“, betonte Böttner. Er dankte allen Beteiligten für ihren Einsatz und Peter Dietrich – „Mister Scheid“ – für seine Ausdauer und Geduld.

Willi Stiel hatte ein rotes Wollknäuel mitgebracht und überreichte Dietrich den „roten Faden“ für eine reibungslose Fortsetzung seiner Arbeit. Auf der Außenterrasse kehrten die Besucher zu Kaffee und Kuchen ein und genossen trotz Nieselregens die Sicht auf den Edersee. Am 29. August ist ein großer Gottesdienst mit Bischöfin Beate Hofmann geplant, zu dem viele Besucher erwartet werden. (Cornelia Höhne)

Im Jubiläumsjahr entwidmet: An der 1971 errichteten Zeltkirche nagte der Zahn der Zeit..
Der Neubau ist fast fertig: Peter Dietrich mit dem Strahlenkreuz vor der neuen Campingkirche oberhalb der Liegewiese.

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