Der Tod im Tanz, dargestellt von einer Gruppe der Korbacher TanzEtage im Theater am Bunker

„Modenschau im Leichenhemd“

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Szene aus der Tanzperformance „Feuer. Erde.Wasser.Gruft.“ der Korbacher TanzEtage im Thabu-Theater.Foto: Senzel

Bad Wildungen - Das Ankündigungsplakat versprach eine Tanzperformance mit dem Titel „Feuer. Erde. Wasser Gruft. -Tage der Entscheidung“ und es war die Frage zu lesen: „Wohin mit den Toten?

Verbrennen, Begraben, in den Seewind streuen, zu Diamant pressen ? „Befreit uns die Vielfalt zu neuer Hochkultur oder stößt sie uns rat- und planlos in ungeahnte Sprachlosigkeit?“, fragen die Akteure und Akteurinnen eines Community Dance Projektes der TanzEtage Korbach.

Nach langer Diskussion das Experiment gewagt

Etwa 30 neugierige und interessierte Besucher waren am Samstagabend ins Thabu gekommen. Die Kollegen vom Thespiskarren hatten den Korbachern ihr Theater zur Verfügung überlassen. Die Frage, ob man das Thema Tod tänzerisch darstellen kann, haben die Mitglieder lange diskutiert: Frauen und Männer, die gerne tanzen und sich künstlerisch ausdrücken und darstellen, darunter einige Theater-Pädagogen. Nach vielen Gesprächen und Diskussionen stand für sie fest: „Wir wagen das Experiment!“ Nach monatelanger intensiver Probenarbeit wurde die Inszenierung in der vergangenen Woche in Medebach uraufgeführt. Die Zuschauer in Bad Wildungen bedachten die Vorstellung mit herzlichem Szenen- und Schlussapplaus.

Tod und eigene Endlichkeit sensibel in Szene gesetzt

Sie hatten sich überzeugen lassen, dass man Tod und eigene Endlichkeit sehr wohl tänzerisch thematisieren und interpretieren kann, wenn man das Thema so behutsam und sensibel darstellt, wie es die Tanzpädagogin und Pfarrerin Ursula Christiane Nobiling - unter Assistenz von Ulrike Kucharczyk - inszeniert hat. Ihr oblag die künstlerische Gesamtleitung und die Auswahl der Musik zu den 14 Tanzszenen. Die Tanzbilder wurden durch drei Spielszenen „Sterbeversicherung“, „Erinnern - kannste vergessen“ und „Liebenswerter Friedhof“ unterbrochen. Gleichzeitig verbanden die Dialoge eines Ehepaares die Tanzszenen mit Titeln wie „Modenschau im Leichenhemd“, „Liebesszene auf dem Friedhof“ oder „Rushhour - Trauer im Dauerlauf“.

Nach den Projekten „Demenz“ und „Edersee“ ist es einem TanzEtage-Ensemble unter Christiane Nobiling mit „“Feuer. Erde. Wasser. Gruft“ ein weiteres Mal gelungen, ein ungewöhnliches Thema tänzerisch dynamisch und ausdrucksstark auf der Bühne umzusetzen, so wie es im Programm-Flyer angekündigt wird: „Getanzte Szenen, Ängste, aber auch die Unbeschwertheit des Lebens lassen die Tänzerinnen und Tänzer auf der Theaterbühne entstehen und provozieren so ihr Publikum ihren Blickpunkt zu öffnen und neue Perspektiven einzunehmen. Und alles auch mit Augenzwinkern, Schmunzeln und viel Respekt vor unserer aller Endlichkeit.“

Auf jeden Fall wurden die symbolträchtig auf dem Stuhl zurecht gelegten Taschentücher nicht benötigt.

Weitere Aufführungen: 28. März, Stadthalle Korbach, Samstag, 18. April Bürgerhausa Bad Arolsen, jeweils 20 Uhr; Eintritt 6 Euro an der Abendkasse. Außerdem zum Start der Korbacher Theaterwoche am 11. Mai in der Stadthalle Korbach.

Von Werner Senzel

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