Caritasverband Brilon: "Ostern ersten Hoffnungsschimmer erhalten"

Mutter-Kind-Klinik in Bad Wildungen bangt um Existenz 

In Existenznot: Die Mutter-Kind-Klinik Talitha in Bad Wildungen. Fotos: Caritas Brilon

Die Mutter-Kind-Klinik Talitha in Bad Wildungen bangt um ihre Existenz. 

Bad Wildungen – In den 70 Kliniken des Müttergenesungswerkes nehmen jährlich 50 000 Mütter, 2000 Väter und über 70 000 Kinder an Kurmaßnahmen teil. Der Klinikverbund, zu dem auch die Mutter-Kind-Klinik Talitha in Bad Wildungen gehört, bangt um seine Existenz. Wegen der Corona-Pandemie mussten alle Einrichtungen schließen.

Die Kliniken sind auf die Gesundheit und Vorsorge von Familien spezialisiert. „Es sind also existenzielle Angebote, welche die Keimzelle der Gesellschaft zusammenhalten“, sagt Heinz-Georg Eirund, Vorstand des Caritasverbandes Brilon, Träger der Mutter-Kind-Klinik Talitha.

Corona-Schutzschild beschlossen

Die Kliniken seien in Existenznot. „Einen ersten Hoffnungsschimmer haben wir zu Ostern erhalten“, sagt Heinz-Georg Eirund, Vorstand des Caritasverbandes Brilon, dem Träger der Mutter-Kind-Klinik Talitha in Bad Wildungen.

Am Wochenende wurde im Bundesgesundheitsministerium ein weiterer Corona-Schutzschild beschlossen, der nun nach langem Warten und Bangen die Mutter-Kind-Kliniken umfassen soll. „Das werten wir als positives Zeichen und familienpolitisch eine überaus wichtige Entscheidung“, betont Eirund.

Vorstand sagt: Ausgleichszahlung von 60 Prozent trägt nicht die Kosten

Die ausstehende Verordnung sei aber noch nicht in den endgültig-bindenden Gesetzestext gefasst. Aber so viel scheine klar zu sein: Analog zu anderen Vorsorge- und Reha-Einrichtungen sollen auch die Mutter-Kind-Kliniken Ausgleichszahlungen in Höhe von 60 Prozent für die Zeit ab dem 16. März, dem Tag der Schließung, erhalten.

Trotz des guten, ersten Zeichens blicken die Träger der Kliniken weiter gespannt nach Berlin: „Wir müssen die endgültige Verordnung abwarten, um sachlich und gewissenhaft rechnen zu können“, sagt Eirund. Denn eine Ausgleichszahlung in Höhe von 60 Prozent decke nicht die laufenden Kosten. Aktuell sei Kurzarbeit für die Mitarbeitenden der Mutter-Kind-Klinik Talitha beantragt. In dieser Woche wird mit der konkreten Verordnung gerechnet.

Angefragt:  Notfallstation mit Krankenhausersatzbetten

Die Forderung nach einem Rettungsschirm für die Kliniken wurde zuletzt immer lauter, und zwar aus mehreren Gründen, erläutert Eirund: „Zwar sind die Einrichtungen auf behördliche Anordnung geschlossen, dennoch laufen Personal- und Sachkosten weiter.

Um die Existenz der Kliniken zu sichern, brauchen wir Finanzierungssicherheit.“ Während der Rettungsschirm für die Kliniken aktuell in der Bundeshauptstadt weiter diskutiert wird, „werden wir gleichzeitig konkret von den Ländern angefragt, Notfallstationen mit Krankenhausersatzbetten einzurichten, optional auch in unserer Klinik Talitha“, sagt der Vorstand. Die Klinik sei zur Hilfe in der Corona-Krise bereit. Dafür benötige es aber Planungssicherheit. Die Zeit dränge.

Der Klinikverbund ruft zur Teilnahme an einer Online-Petition zur Forderung nach einem Rettungs-Paket auf. Sie steht auf den Startseiten www.mkk-talitha.de oder auf www.caritas-brilon.de.

Herausforderung durch Kurzarbeit, Arbeitsverlust, Schließung von  Schulen 

Die Mutter-Kind-Kliniken werden künftig bedeutender denn je, ist sich Andrea Twardella, Leiterin der Mutter-Kind-Klinik Talitha, sicher. Ausgangsbeschränkungen, geschlossene Kindertagesstätten und Schulen, Homeoffice, Kurzarbeit, Arbeitsplatzverlust seien enorme Herausforderungen für Familien. 

Die Diplom-Sozialpädagogin und Systemische Familientherapeutin befürchtet, dass soziale Isolation, häusliche Gewalt, körperliche und psychische Überlastungen steigen. Die Probleme könnten schwer, oftmals auch gar nicht von Familien allein gelöst werden. 

559 Mütter mit 828 Kindern im vergangenen Jahr im Haus Talitha in Bad Wildungen

In den Kliniken stehen dafür Experten parat, betont Andrea Twardella: „Wir helfen Müttern und Vätern mit ihren Kindern, Krisen zu bestehen und danach ihr Leben gestärkter, selbstbestimmter und gesünder zu führen.“

 So gehörten beispielsweise Stressbewältigung und Entspannung zu den Schwerpunkten der Bad Wildunger Klinik Talitha, wo jährlich 16 dreiwöchige Mutter-Kind-Kuren stattfinden. In 2019 nahmen 559 Mütter mit 828 Kindern teil.

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