Bad Wildungen: Freiwilliger Polizeidienst endet

Nach 2000 Streifen in die Sackgasse

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- Bad Wildungen (höh). Nach acht Jahren endet der Freiwillige Polizeidienst in Bad Wildungen. Die letzte Streife führte am Freitag durch die Innenstadt, dann wurden die Uniformen an den Nagel gehängt. Ein jäher Abgesang mit Ernüchterung und Enttäuschung.

Drei Frauen und sieben Männer absolvierten 2003 eine 50-stündige Grundausbildung in der Polizeistation als Dienst- und Fachaufsicht. Alle sind heute noch im Team, haben sich stetig weitergebildet – von Konfliktbewältigung über Einsatz von Pfefferspray bis hin zum Waffenrecht. 2000 Streifen führten durch Straßen und Altstadtgassen. Jeweils drei Stunden waren die Uniformierten in doppelter Besetzung unterwegs. „Sehen und gesehen werden und melden, wenn etwas auffällt“, das ist laut Thomas Bender Schwerpunkt der Präventivstreifen. Der Polizeibeamte koordinierte die Einsätze der „Freiwilligen“. Die Präsenz an Brennpunkten wie Fürstengalerie oder Landesgartenschaugelände habe sich bewährt. „Beschädigungen und Malereien gab es nicht mehr.“

Wachsamkeit war bei der Schulwegkontrolle der neuen i-Männchen, aber auch bei Großveranstaltungen wie Viehmarkt oder Blumenkorso gefragt. Dafür muss künftig ein Sicherheitsdienst engagiert werden. Auf Anforderung unterstützten die Amateure in Uniform auch Polizeieinsätze. „Jugendschutzkontrollen zwischen Mitternacht und 2 Uhr in Diskotheken waren nie ein Problem“, sagt der Leiter der Polizeistation, Hartmut Ide, und bescheinigt eine „hohe Motivation“. Bei einer vorbeugenden Aktion gegen Randale am Rehbach unterstützten sechs „Freiwillige“ im Sommer die Berufspolizisten grenzübergreifend im Edertal.

20 Stunden war jeder Einzelne des zehnköpfigen Teams pro Monat unterwegs. Sieben Euro pro Stunde gab es pauschal als Aufwandsentschädigung. Kritiker sprechen von einem „gut bezahlten Spaziergang“. Stationsleiter Ide hält dagegen: „Der Freiwillige Polizeidienst ist uns eine große Hilfe.“ Zu den Aufgaben gehörte es auch, Ruhestörern Platzverweise auszusprechen und Personalien festzustellen. Vor allem die Mithilfe bei Suchaktionen von Klinik-Patienten werden die Beamten der Polizeistation schmerzlich vermissen. „Denn das kommt jede Woche mindestens ein- oder zweimal vor“, versichert Ide.

Thomas Bender erinnert an die Diskussionen kürzlich im Stadtparlament mit dem Ziel, den „rechten Spuk“ in Wildungen zu beenden. „Aber im gleichen Atemzug wird dann die Gesamtprävention zurückgefahren“, sagt er kopfschüttelnd. Für Stationsleiter Ide kam das „Aus“ zum Jahresende überraschend. „Bürgermeister und Ordnungsamt standen immer hinter dem Freiwilligen Polizeidienst.“ Wegen der städtischen Sparzwänge habe die Polizeistation vorgeschlagen, den Ansatz für den freiwilligen Dienst von 18 000 auf 12 500 Euro zu kürzen. Dies schien zunächst Zustimmung zu finden. Erstaunt registrierten die Ordnungshüter dann die Kunde über den plötzlichen Magistratsbeschluss und das jähe Ende.

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