Stolpersteine im Beisein von Familienmitgliedern aus USA verlegt

Nach Bolivien geflüchtet

Bad Wildungen - Vier weitere Stolpersteine zur Erinnerung an ehemalige jüdische Mitbürger der Familie Buchheim wurden in der Wildunger Altstadt verlegt. Nachfahren von Willy, Rosa, Siegfried und Gerd Buchheim reisten eigens aus den USA an.

Paulette und Hella Buchheim (Töchter von Fritz Buchheim) sowie Lana und Gary Buchheim (Enkelin und Sohn von Gerd Buchheim) reisen auf den Spuren ihrer Familiengeschichte durch Deutschland. „Wir wollen verstehen, warum unsere Vorfahren damals alles zurückgelassen und diese schöne Gegend verlassen haben“, sagt Paulette Buchheim. Gemeinsam mit ihrer Schwester war sie zuvor bei einem Familienzweig in Gelsenkirchen. Aus Gemünden/Wohra und Halsdorf kommen laut Gary Buchheim die meisten Vorfahren der Wildunger Familie. Sein Vater Gerd war 14, als er von Bad Wildungen nach Bolivien flüchtete, dessen Bruder Siegfried (Fritz) 19. Beide zogen damals in die USA und heirateten Deutsche aus Gelsenkirchen und Wolfhagen, die ebenfalls vor dem Holocaust geflüchtet waren. In Cincinnati/Ohio lebten sie in einer kleinen Gemeinde, wo sich überwiegend deutsche Flüchtlinge niedergelassen hatten. Während andere nicht mehr an das Leid während der Nazi-Zeit erinnert werden wollten, drehte sich in der Familie Buchheim alles um deutsche Kultur und deutsches Essen. „Mein Vater hat immer an Deutschland gehangen und nie ein böses Wort darüber verloren“, erinnert sich Paulette. Schnitzel, Rouladen, Pfeffernüsse und Zwetschenkuchen kamen auf den Tisch. Und in der Bäckerei der Buchheims wurde sogar Stollen für das Weihnachtsfest gebacken. Gerd Buchheim lebt noch, sein Sohn Gary schilderte die Eindrücke seines fast 90 Jahre alten Vaters, als er vom Verlegen der Stolpersteine vor seinem ehemaligen Haus an der Kaffeemühle hörte. „Er fühlt sich sehr geehrt durch seine Heimatstadt.“ Der Senior fürchtete allerdings, dass das Projekt wegen bürokratischer Hemmnisse scheitern könnte. „Richtig glauben wird er es erst, wenn er das Bild sieht“, ist sich der Sohn sicher. Nach einem Besuch in Deutschland vor einem Jahr und Kontakten zu dem Wildunger Historiker Johannes Grötecke habe der Familienrat die vier Stolpersteine mit kurzen Informationen über die aus Bad Wildungen geflüchteten Familienmitglieder begrüßt. Die Kosten in Höhe von 480 Euro trägt die Familie Buchheim. Bei einem Empfang im Rathaus begrüßte Bürgermeister Volker Zimmermann, dass die vier Angehörigen den weiten Weg aus den USA nicht scheuten, um beim Verlegen persönlich dabei zu sein. „Vor dem Hintergrund dieser schrecklichen Geschichte sind persönliche Beziehungen ganz entscheidend.“Die will die Familie Buchheim weiter pflegen. „Wir haben uns kürzlich um die deutsche Staatsbürgerschaft bemüht“, signalisierte Gary Buchheim, „auch unserer beiden Töchter haben Anträge gestellt“. Von Conny Höhne

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