Edertal

Des Nachbarn Talente lassen staunen - Video

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- Edertal-Wellen (su). „Mensch, das hab‘ ich ja gar nicht gewusst.“ Günther Pauls Ausruf ist typisch für den „Tag der Offenen Häuser“ in Wellen.

Überrascht steht er in der Garage von Hans Michel, der gerade an seiner Drehbank einen Kerzenständer drechselt. Dabei erklärt der gelernte Dreher, wie er nach dem Eintritt in den Ruhestand an die Leidenschaft fürs Arbeiten mit Holz geriet; dass man das Material nicht einfach aus dem Wald holen kann, sondern Augen und Ohren offen hält, wo etwa ein alter Obstbaum gefällt wird, dessen Holz eine schöne Maserung besitzt. Ein Wellener schaut dem anderen Wellener über die Schulter und entdeckt plötzlich, welchem Hobby der Nachbar seit Jahren schon nachgeht. Genau das stand als Idee hinter diesem ungewöhnlichen Dorffest anlässlich des 1225-jährigen Ortsjubiläums.

Die Idee hat funktioniert, und auch von außerhalb kamen Gäste und nahmen Anregungen mit, wie sie ihre Freizeit neu gestalten könnten. „Wir wollen den Leuten zeigen: Ihr müsst nicht Däumchen drehen oder vor dem Fernseher hocken“, meint Ursula Gallenkamp. Die Gallenkamps halten im Garten Schafe, und ihr hat es deshalb Wolle als Werkstoff angetan. Figuren aus Filz fertigt die Wellenerin an. Sie bearbeitet die Rohlinge je nach Motiv mit Bügeleisen und feuchten Tüchern, vor allem aber mit speziellen Nadeln, deren Enden feine Widerhaken aufweisen. Mit einer von ihnen piekst Ursula Gallenkamp schnell und ungezählte Male in einen kleinen eiförmigen Filzballen, der einmal eine Meise wird. Der Effekt: „Die Fasern verkleben miteinander.“ Das bringt die Stabilität. Unterschiedliche Farben kommen zum Einsatz, so dass am Ende Singvögel, Eulen, Glückskäfer, Schmetterlinge oder Krippenfiguren unter den Händen der Hobby-Kunsthandwerkerin entstehen.

Auf Augenweide folgt Gaumenfreude, nebenan bei Imker Rolf Lutsch und seinem Honig. Vor zehn Jahren stieg der Wellener mit zwei Völkern in dieses arbeitsintensive Hobby ein. Landwirte wie die Familien Biederbeck oder Wagener wirtschafteten traditionell, indem sie blühende Zwischenfrucht anbauten und Blumenwiesen lange genug stehen ließen, so dass die Bienen ausreichend und abwechslungsreiche Nahrung fänden.

Mehr lesen Sie in der WLZ vom Dienstag, 13. September

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