Informationen vom nicht-öffentlichen Treffen der Gremien

Nachfolgebad fürs Wildunger Heloponte bleibt teures Vergnügen

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Still ruhte der See am Heloponte: Am Dienstag wurden dann vier Varianten für den Neubau vorgestellt.

Sparversion zwecks Grundversorgung oder Luxuslösung inklusive Touristenschmankerl und Freibad? Wie sieht das Nachfolgebad fürs Wildunger Heloponte aus?

  • Vier Varianten für das Nachfolgebad des Heloponte liegen auf dem Tisch
  • Die Vorschläge von Planern und Unternehmensberatern reichen vom schlanken Sportbad mit einer Saunakabine bis zu einer Komfort-Version mit großer Saunalandschaft, Solebecken und Freibad
  • Die Investitionskosten liegen zwischen mindestens 14 Millionen und mindestens 25,1 Millionen Euro, je nach Ausstattung
  • Das jährliche Defizit liegt zwischen gut 1,6 und knapp 2 Millionen Euro, je nach Version

Bad Wildungen – Zwischen diesen Extremen bewegten sich die vier Vorschläge des Planungsbüros Constrata und der Unternehmensberatung „Profund“ zum Heloponte-Nachfolgebad. Stadtverordnete und Magistratsmitglieder nahmen die Präsentation bei einem nicht-öffentlichen Treffen Dienstagabend in der Wandelhalle zur Kenntnis. Zuletzt hatte das Parlament im August öffentlich über den Heloponte-Nachfolgebau debattiert.

Das reine Sportbad

Es bietet fünf Bahnen von je 25 Metern Länge im Sport-Schwimmerbecken mit Startsockeln, ein Lehrschwimmbecken von 8 mal 12,5 Metern Größe, einen Eltern-Kind-Bereich und eine Saunakabine zur Nutzung mit Badekleidung. Außen finden sich Aufenthalts- und Liegeflächen ohne Becken. Besucher: 77 400 pro Jahr; Baukosten: 14 Millionen Euro; Jahresbelastung für den Stadtetat: 1,65 Millionen Euro.

Das Familienbad

Es hält zusätzlich zur genannten Grundversorgung eine zentrale Gastronomie sowie eine Saunalandschaft mit Innen- und Außenanlagen vor. Besucherinnen: 124 600 pro Jahr; Baukosten: 23 Millionen Euro; Jahresbelastung für Stadtetat: 1,827 Millionen Euro.

Das Freizeit- und Gästebad

Erweitert würde das Familienbad in Variante III mit Blick auf Urlaubs-, Wellness- oder Reha-Gäste der Stadt: und zwar um ein ganzjährig betriebenes, außen liegendes Solebecken. Es ist von innen durch eine Schleuse erreichbar. Kalkulierte Jahres-Besucherzahl: 131 100; Baukosten: 24,2 Millionen Euro; Jahresbelastung für den Stadtetat: 1,923 Millionen Euro.

Freizeit- mit Freibad

Die vierte Version – zusätzlich ergänzt um ein Schwimmbecken im Freien –würde laut Schätzung 136 100 Besucherinnen anlocken. Baukosten: 25,1 Millionen Euro; Jahresbelastung: 1,999 Millionen Euro.

Elemente aus dem Heloponte

Angesprochen wurde laut Bürgermeister Ralf Gutheil beim Treffen auch, ob sich wieder eine Rutsche und/oder ein Dreimeterturm integrieren ließen. Ein solcher Turm wäre Voraussetzung dafür, dass alle Schwimmabzeichen oberhalb des Seepferdchens tatsächlich auch im neuen Bad abgelegt werden könnten.

Klar ist, dass der neue Parkplatz auf der Fläche der alten Eisbahn entstehen soll und muss, um barrierefreien Zugang zum neuen Bad zu gewähren. Barrierefreiheit sei Pflicht, wenn neue öffentliche Bauten entstehen, erläutert Gutheil.

Fragezeichen hinter Zahlen zum neuen Heloponte

Sowohl bei den Einnahmen als auch bei den Ausgaben hätten die Unternehmensberater „konservativ gerechnet“, sagt Bauamtsleiter Klaus Weidner. So kalkulierten die externen Expertinnen bei den Besuchszahlen sehr vorsichtig. Sie setzten die aktuelle Beschäftigtenzahl von 18 auch für die Zukunft an. Obwohl Bäder heute mit deutlich geringerem Personalaufwand betrieben werden und fünf der aktuellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter innerhalb der nächsten fünf Jahre in Ruhestand gehen.

Fünf Jahre Arbeitszeit bis zum neuen Heloponte

Fünf Jahre dauere die Planungs- und Bauphase selbst dann mindestens, wenn sich die Stadtverordneten rasch entschieden, ergänzt Weidner dazu. Die Hälfte dieser fünf Jahre gebe es kein Bad in Bad Wildungen: zwischen dem Beginn des Heloponte-Abrisses und dem Eröffnen der neuen Anlage. Würden die durch Ruhestand frei werdenden Stellen nicht neu besetzt, verringere sich der jährliche Verlust um 200 000 bis 300 000 Euro. Das schätzt Kämmerer Udo Paul auf Nachfrage. Die Beraterinnen behielten außerdem in etwa das derzeitige Niveau bei den Eintrittspreisen bei. „Andere Bäder wie Willingen verlangen erheblich mehr für vier Stunden“, sagt Weidner. All diese Faktoren könnten die Wirtschaftlichkeit zu Gunsten der Stadtkasse beeinflussen. Dem stehen allerdings vor allem die Risiken der weiter und weiter steigenden Baupreise entgegen. So bilden die genannten Investitionskosten für alle vier Varianten nur eine Untergrenze.

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