Ambulante Wohnbetreuung nach Hausbrand und Radio-Ente Gesprächsthema

Nachklang eines Feuers

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Bad Wildungen - Gut drei Wochen nach dem Brand in der Hufelandstraße sind die meisten Mieter wieder in das Haus zurückgekehrt. Als unbewohnbar gelten weiterhin die Räume, in denen ein Bewohner das Feuer in Selbstmordabsicht gelegt hatte.

Der Mann liegt nach wie vor im Krankenhaus und muss sich laut Polizei wegen der Brandstiftung strafrechtlich verantworten, „wobei die Frage der Schuldfähigkeit zu klären ist“, schränkt Polizeisprecher Dirk Virnich auf WLZ-FZ-Nachfrage ein. Der Mann ist Klient der Lebenshilfe in Bad Wildungen, ebenso wie ein weiterer Bewohner des Gebäudes in der Hufelandstraße. „Es handelt sich aber keineswegs um ein Wohnheim der Lebenshilfe, wie fälschlicherweise über das Radio verbreitet wurde“, erklärt Harald Schäfer vom Lebenshilfewerk, zuständig fürs betreute Wohnen in Bad Wildungen. In dem Haus leben auch Klienten anderer Anbieter aus dem Sozialwesen. Menschen, die zwar selbst die Wohnungen mieten, aber stundenweise Betreuung erhalten, weil sie psychisch oder geistig erkrankt sind und Hilfen bei der Bewältigung verschiedener Alltagsaufgaben benötigen: Gespräche über berufliche wie private Probleme, Unterstützung bei Behördengängen, beim Einkaufen, Hinweise und Tipps für die übrige Haushaltsführung... Diese Form der ambulanten Betreuung hat seit Anfang der 2000er Jahre stark zugenommen, ergänzt Theo Brömmelhaus, Vorstandsmitglied des Lebenshilfewerks Waldeck-Frankenberg: „Der Wunsch der Klienten, möglichst selbstständig zu leben, ist ein Grund dafür. Ein weiterer liegt darin, dass Kostenträger wie der Landeswohlfahrtsverband dieses Modell bevorzugen.“ Nicht zufällig, sondern weil der Gesetzgeber damals begann, aus Kostengründen der ambulanten Betreuung von geistig und/oder psychisch Erkrankten Vorrang vor der in stationären Einrichtungen einzuräumen. 66 bis 342 Stunden Betreuung – pro Jahr – stehen den Betreffenden zu. Manche erhalten noch weniger Stunden und müssen diese dann selbst finanzieren. Allein die Lebenshilfe kümmert sich in Bad Wildungen um 60 Klienten, von denen sieben in einer betreuten Wohngemeinschaft in der Brunnenallee leben. Kreisweit stehen aktuell 210 Klienten auf der Liste der Organisation. Seit 1989 sammelt sie Erfahrungen mit dieser Form der Betreuung, „aber so etwas wie bei dem Brand in der Hufelandstraße ist meines Wissens zum ersten Mal passiert“, sagt Brömmelhaus. Der Selbstmordversuch sei unvorhersehbar gewesen, unterstreicht Harald Schäfer und fügt hinzu: „Angekündigte Suizidversuche sind zumeist nicht ernst gemeint.“ Dennoch wirft das Geschehen Fragen auf. Welche Brandschutzvorschriften gelten etwa im Bereich des betreuten Wohnens? Keine anderen, als in jeder normalen Miet- oder Eigentumswohnung, lautet die Antwort (anders als im stationären Bereich). In dem Haus in der Hufelandstraße habe es bislang keine Rauchmelder gegeben. „In unserer Wohngemeinschaft in der Allee ist dagegen eine Meldeanlage mit direktem Draht zur Feuerwehr installiert“, ergänzt Schäfer. Obwohl noch keine Pflicht besteht, bringe das Lebenshilfewerk in den eigenen oder von ihm angemieteten Wohnungen seit Längerem routinemäßig Melder an, sagt Brömmelhaus. Lange bleibt diese Sicherheitslücke aber ohnehin nicht mehr bestehen, denn spätestens zum 31. Dezember kommenden Jahres müssen alle Wohnungen in Hessen mit zumindest einfachen Rauchmeldern ausgestattet sein. Für Neubauten gilt die Pflicht seit 2005. „Die Frage ist nur, wer das kontrolliert“, meint der stellvertretende Stadtbrandinspektor Frank Volke, der an dem Einsatz vor drei Wochen beteiligt war. Die Tatsache, dass in dem Haus geistig und psychisch erkrankte Menschen leben, habe die Arbeit der Feuerwehr damals in keiner Weise erschwert, setzt er hinzu. Die Bewohner verhielten sich völlig angemessen: „Schwierigkeiten hatten wir mit den hohen Bäumen vorm Gebäude, weil wir unsere Drehleiter wegen ihnen nur eingeschränkt einsetzen konnten.“Harald Schäfer vom Lebenshilfewerk weiß, dass der Vorfall trotzdem für seine Arbeit und die seiner Kollegen Konsequenzen haben kann. „Wir sind von besorgten Vermietern angesprochen worden. Es wird vielleicht schwieriger, für unsere Klienten Wohnraum zu finden.“ Darum will das Lebenshilfewerk bald öffentlich detaillierter über diese Form der Betreuung und die Hintergründe informieren.

Von Matthias Schuldt

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