Da kehrte Landgraf Konrad erbost um und eroberte Fritzlar doch noch

Nackte Hintern zum Hohn vorgezeigt

+
Hielten bei der Eröffnung Wache: Cedric Lohmann (links) und Rickard Goetsch, während der Ideengeber und der Künstler im Grauen Turm den neuen Raum präsentierten: Pro Fritzlar-Vorsitzender Dr. Ulrich Skubella (links) und Rolf Henn alias Luff.

Fritzlar - Da liefen die gemeinen Weiber auf die Mauern, hoben ihre Röcke und „hingen ere nackeden arsche uwer die cynnen“.

So beschrieb der Frankenberger Chronist Wigand Gerstenberg in der Sprache des 15. Jahrhunderts jenes Schlüsselereignis, das zur Eroberung Fritzlars durch Landgraf Konrad von Thüringen führte. Alles begann damit, dass Erzbischof Siegfried III. von Mainz dem Kloster Reinhardsbrunn eine Steuer aufgebrummt hatte.

Da es sich um das Hauskloster der Ludowinger-Dynastie handelte, kam es zum handfesten Streit mit dem Erzbischof und schließlich zur Belagerung von Fritzlar. Doch die gut befestigte Stadt erwies sich als so harte Nuss, dass Konrad sie nicht knacken konnte und letztendlich das Zeichen zum Abzug geben musste.

Als die Fritzlarer das merkten, wurden sie übermütig und präsentierten dem Landgrafen ihre nackten Tatsachen. Dieser kehrte darauf wutentbrannt mit seinen Soldaten um und nahm die Stadt im Sturm. Mit einer sehr lebendigen und drastischen Bildsprache hat der Künstler Rolf Henn diese dramatischen Ereignisse rund um das Jahr 1232 in neun Zeichnungen verewigt, die nun im Grauen Turm bewundert werden können. Der Vorsitzende von Pro Fritzlar, Dr. Ulrich Skubella, hatte die Idee für eine Gerstenberg-Etage bereits 2008.

Damals fehlte allerdings das Geld. Unlängst konnte mithilfe von Sparkassenstiftung, Lions-Club und Kulturverein diese Vision endlich Wirklichkeit werden. „Es ist ein weiterer Mosaikstein, der bei den vielen Gästen, die Fritzlar besuchen, sicherlich Aufmerksamkeit erregen wird“, betonte Skubella bei der offiziellen Einweihung.

Und Bürgermeister Hartmut Spogat ergänzte: „Sie haben dazu beigetragen, dass Fritzlar wieder etwas attraktiver geworden ist.“ (hil)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare