Edertal

An Namen reich: Wese, Spicke, Giffeltze

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- Edertal-Giflitz (wl). Die Wese oder der Wesebach ist ein 25 Kilometer langer Zufluss der Eder. Ihre Quelle liegt an der Kleinen Aschkoppe bei Löhlbach. Das Wesetal bildet die Südostgrenze des Nationalparks Kellerwald Edersee.

Bereits 1299 wird der Bach erwähnt, damals „Wesede“ genannt. Ältere Bezeichnungen sind Giflitzerbach, Spicke, Ketzerbach und Giffeltze. Der Name Wese lässt sich von Althochdeutsch „Wisa“ ableiten, der Bezeichnung Wiese oder feuchtes Land. Das trifft den ursprünglichen Charakter des Wesetals mit vielen Feuchtwiesen, wo früher Kiebitze brüteten, denen die Giflitzer ihren Ortsspottnamen verdanken.

So harmlos der auch Bach aussehen mag, Hochwasser löste in der Geschichte des Dorfes immer wieder Katastrophenalarm aus. So am 1. Mai 1913, „als mittags ein Gewitter losbrach, Wolkenbrüche und Hagel brachte und die Hagelkörner an manchen Stellen fast einen Meter hoch vom Unwetter aufgetürmt worden waren. Damals richtete die über die Ufer getretene Wese zusammen mit dem Unwetter sehr großen Schaden an.“ (Max Beck in „Chronik der Gemeinde Giflitz“). Die vom Bach mitgeführten Schlammmassen verursachten den Tod vieler Fische.

Das „Fischereirecht“ beanspruchten früher auch die Giflitzer Jungen. Sie fingen die Bachforellen mit der bloßen Hand. Fritz Schaper (1908 bis 2006) berichtete: „Eines Tages waren wir mal wieder auf Forellenjagd. Schuhe und Strümpfe hatten wir ausgezogen und wateten im flachen Wasser. Als wir zu den am Ufer abgelegten Sachen zurückkamen, waren meine nagelneuen Pinn-Schuhe (so wurden Schuhe mit Nägeln unter der Sohle bezeichnet) spurlos verschwunden. Ein schmerzlicher Verlust zu Zeiten, als neue Schuhe noch Seltenheitswert hatten.“

Bachforellen gibt es noch immer in der Wese, deren Wasserqualität in der neuen hessischen Gewässergütekarte von 2010 in grüner Farbe – somit als gut – dargestellt wird.

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