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Naturpark Kellerwald-Edersee ruht sich auf Erfolgen nicht aus

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Von: Matthias Schuldt

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Vor der Geschäftsstelle des Naturparks Kellerwald-Edersee (von links): Julian Bruhn, Jürgen van der Horst, Kristin Gampfer und Heiko Manz.
Vor der Geschäftsstelle des Naturparks Kellerwald-Edersee (von links): Julian Bruhn, Jürgen van der Horst, Kristin Gampfer und Heiko Manz. © Matthias Schuldt

Der Naturpark Kellerwald-Edersee behält das Siegel „Qualitäts-Naturpark“ und will sich weiterentwickeln. Dafür braucht er Unterstützung.

Bad Wildungen – Turnusgemäß unterzog sich das Team um Geschäftsführerin Kristin Gampfer dem Prozess des Zertifizierens, der alle fünf Jahre ansteht. Der Gesamtverband deutscher Naturparke vergibt das Zeritifikat, und gestern besuchte Verbandsscout Julian Bruhn vom Naturpark Spessarte die Kolleginnen und Kollegen in Bad Wildungen. Er machte deutlich, welche besonderen Stärken den Park Kellerwald-Edersee auszeichnen und ihm das Qualitätssiegel sichern werden:

Dazu zählen die stolzen 110 Hektar Fläche, die der Naturpark angekauft hat, um sie für den Naturschutz zu sichern. „Das ist echt ein Wort“, kommentierte Bruhn. Ein Aushängeschild sei auch das Archeprojekt zum Erhalt bedrohter Haustierrassen. Es ging seinerzeit aus dem Naturschutzgroßprojekt des Parks hervor.

Maßstäbe bei Bildungsarbeit mit Naturparkführern gesetzt

Im deutschlandweiten Vergleich setzt der Naturpark Kellerwald-Edersee nach Ansicht des Scouts Maßstäbe bei der Bildungsarbeit. Rund 50 ausgebildete Naturparkführerinnen und -führer stehen der interessierten Öffentlichkeit für Themen rund um Natur, Kultur und Geschichte der Region zur Verfügung. „Der Veranstaltungskatalog beeindruckt, gerade auch in der Kooperation mit dem Nationalpark“, lobte Julian Bruhn. Kristin Gampfer bezeichnete die Nachfrage im laufenden Geschäftsjahr als „Wahnsinn. Wir werden zum ersten Mal eine fünfstellige Zahl an Teilnehmerinnen und Teilnehmern verzeichnen.“

Auf dem Feld des Tourismus weist der Naturpark – ebenfalls in Zusammenarbeit mit Partnern wie dem Kellerwaldverein oder den Tourismusverbänden – gleichermaßen Erfolge auf. „Wir sind kurz davor, mit unseren Partnern das Ziel ‘Qualitäts-Wanderregion“ zu erreichen“, berichtete Kristin Gampfer. Dieses Siegel bedeute im Markt der Wanderurlaube die „Champions League“, meinte Bruhn.

Kooperation mit Kindergärten und Schulen ausbauen

Aber: „Auf all diesen Erfolgen ruhen wir uns nicht aus“, unterstrich Heiko Manz, Bürgermeister von Jesberg und stellvertretender Vorsitzender des Naturpark-Zweckverbandes, mit Blick auf die Rezertifizierung. Julian Bruhns zweite Aufgabe als Scout des Gesamtverbandes besteht tatsächlich darin, die Naturparke zu beraten, wie sie ihre Stellung weiter stärken, ihr Angebot stabilisieren und ausbauen.

Ein wichtiges Ziel: die Bildungsarbeit in Kooperation mit Kindertagesstätten und Schulen auszubauen. „Bislang lag der Schwerpunkt auf der Zusammenarbeit mit den Jugendherbergen und den Schulklassen, die dort zu Gast sind. Aber wir wollen natürlich auch unsere heimischen Kids erreichen“, sagte Geschäftsführerin Kristin Gampfer.

Naturparke fordern vom Land Hessen mehr Geld für ihre Arbeit

Die herausforderndste Aufgabe für den Naturpark Kellerwald-Edersee liegt in einer besseren Ausstattung mit Finanzen und Personal, verdeutlichte Landrat Jürgen van der Horst, Vorsitzender des Naturpark-Zweckverbandes. „Dafür brauchen wir mehr Unterstützung vom Land Hessen. Die Kommunen können das nicht alleine schultern“, betonte er aus der Perspektive aller hessischen Naturparks, auch des zweiten im heimischen Kreis, des Naturparks Diemelsee. Man befinde sich in Gesprächen mit dem Land und setzte darauf, dass im Herbst Ergebnisse erzielt würden.

40 000 Euro pro Jahr erhält der Naturpark Kellerwald-Edersee vom Land Hessen. „Das sind acht Prozent unseres Budgets“, rechnet Geschäftsführerin Kristin Gampfer vor. Jedes Jahr aufs Neue müsse diese Summe mit üppigen Formularen neu beantragt werden. „Und der Zuschuss hat seit 20 Jahren diese Höhe“, ergänzt Jürgen van der Horst.

Das Team der Naturpark-Geschäftsstelle besteht aus sieben Kräften inklusive einer Stelle für ein Freiwilliges Ökologisches Jahr. Geld und Teamstärke reichen auf Dauer nicht aus, mahnt Scout Julian Bruhn und unterstützt die Forderung des Naturparks Kellerwald-Ederee nach mehr Unterstützung durchs Land. Er verweist auf den bayrischen Nationalpark Spessart, in dem er tätig ist. „Wir verfügen zum Beispiel über drei Ranger, deren Gehälter vom Land bezuschusst werden“, erläutert er. Eine der Ranger-Aufgaben: Infrastruktur, wie Wanderhütten, Wanderwege oder Wegweiser im Auge behalten und nötige Instandhaltungsarbeiten mit den Bauhöfen der betreffenden Kommunen absprechen.

Solche Möglichkeiten benötige auch der Naturpark Kellerwald-Edersee. Es reiche eben nicht, große Naturschutzflächen einzurichten oder eine Haustier-Arche für bedrohte Rassen zu gründen – man müsse solche Projekte auf die lange Sicht angemessen mit Geld und Personal ausstatten, um sie dauerhaft zu einem Erfolg zu machen. „Die Naturparke sollen solche wichtigen, gesellschaftlichen Aufgaben ja ausdrücklich übernehmen, aber die Kommunen können Ausstattung und Finanzierung nicht allein schultern“, bekräftigt Landrat Jürgen van der Horst. (Matthias Schuldt)

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