Zwangloses wöchentliches Treffen auf Einladung von "Treffpunkt" und Jugendzentrum

Neues Hilfsangebot im Wildunger Jugendhaus für Kinder psychisch belasteter Eltern

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Gehen am 22. Januar mit einem neuen Angebot im Jugendzentrum an den Start: Astrid Kraft (links) vom „Treffpunkt“ und Stadtjugendpflegerin Julia Momber.

Bad Wildungen – Minderjährige Kinder von psychisch belasteten oder erkrankten Eltern laden oft viel Verantwortung auf sich und tragen an falschen Schuldgefühlen. Ihnen und ihren Familien unterbreiten"Treffpunkt" und Jugendzentrum ein neues Angebot zur Entlstung.

Ihr Papa arbeitet weit weg und kommt nur am Wochenende nach Hause. Der Mama von Mara (10) und ihrem sechsjährigen Bruder geht es seit Monaten schlecht. Ihr fehlt morgens jeder Antrieb zum Aufstehen. Mara versteht nicht, was geschieht und hat von „Depression“ noch nichts gehört. Trägt sie Schuld an der Traurigkeit der Mutter? Das fragt sich Mara und packt Stück für Stück Verantwortung eines Erwachsenen auf ihre jungen Schultern, zum Beispiel für den kleinen Bruder, der morgens für die Schule fertig gemacht werden muss.

Dies ist ein erfundener Fall ohne Bezug zu tatsächlich existierenden Personen, „aber ein sehr treffendes und realistisches Beispiel“, sagt Astrid Kraft vom Psychosozialen Zentrum „Treffpunkt“ in Bad Wildungen. Minderjährige Kinder von psychisch belasteten oder erkrankten Eltern brauchen Hilfe – einfach zugängliche und unbürokratische Hilfe.

Der „Treffpunkt“ zieht deshalb ab 22. Januar gemeinsam mit dem Wildunger Jugendhaus ein neues Angebot auf: ein wöchentliches, zwangloses Treffen für Kinder und Jugendliche in vergleichbaren Situationen.

„Die Kinder stellen bei so einer Gelegenheit fest, dass sie nicht allein sind mit ihren Problemen. Dass es andere Mädchen und Jungen gibt, denen es ähnlich geht“, erklärt Stadtjugendpflegerin Julia Momber. Gemeinsam mit Astrid Kraft kümmert sie sich künftig immer dienstags ab 16.30 Uhr im Jugendhaus um die Belange der Mädchen und Jungen, die zum Treffen kommen.

„Spielen und miteinander reden gehören zum Konzept“, erklärt Astrid Kraft. Denn das Treffen soll Ort und Gelegenheit für unbeschwerte Momente bieten.

Parallel versuchen die beiden jungen Frauen aber auch, die Kinder behutsam mit Erkrankungen wie Depressionen bekannt zu machen. Damit sich die Kinder eben nicht verantwortlich fühlen für Veränderungen im Verhalten ihrer Eltern. Das gilt erst recht, wenn die Mädchen und Jungen in einer Familie mit einer alleinerziehenden Mutter oder einem alleinerziehenden Vater leben.

Der Wildunger „Treffpunkt“ geht mit dieser Kooperation einen Weg, der sich in ähnlicher Weise in anderen Orten im Landkreis bewährt hat. „Die Hemmschwelle beim Jugendhaus ist sicherlich niedriger, als wenn Eltern ihre Kinder in den ‘Treffpunkt’ schicken sollen“, ist Astrid Kraft überzeugt.

Denn man dürfe nicht vergessen, dass Familien die psychische Erkrankung eines Angehörigen häufig als Stigmatisierung erleben. Eine Depression stoße in der Gesellschaft noch längst nicht auf das gleiche Verständnis wie ein Herzinfarkt.

Hintergrund zum neuen Hilfsangebot für Kinder psychisch belasteter Eltern

Der Wildunger „Treffpunkt“ lud über rund eineinhalb Jahre hinweg Kinder von psychisch belasteten oder erkrankten Eltern zu Treffen in seine Räume in der Hufelandstraße ein. Doch das Echo fiel gering aus. Maximal drei Kinder im Alter zwischen 5 und 12 kamen, berichtet Astrid Kraft. Dann löste sich die Gruppe auf. Die Treffpunkt-Mitarbeiterin glaubt nicht, dass sich darin ein fehlender Bedarf äußert, sondern erhofft sich von der Kooperation mit dem Jugendhaus einen leichterten Zugang zu den betroffenen Kindern und deren Familien gleichermaßen. Neben dem Treffen stehen Astrid Kraft und ihre Kollegen den Kindern auch für Sprechstunden zur Verfügung, mittwochs von 15.30 bis 17 Uhr, dann im „Treffpunkt“. Beide Angebote sind für Kinder und ihre Familien kostenfrei. Astrid Kraft und Stadtjugendpflegerin Julia Posselt unterliegen dabei der Schweigepflicht, so dass sie nur mit Einverständnis der Eltern Kontakt aufnehmen zu Personen, die weitere Hilfe leisten geben könnten, wie Schulen oder Experten. Anmeldung und Info für die Kindergruppe oder die Elternberatung unter 05621/9658-15 oder -11 oder badwildungen@treffpunkte-wa-fkb.de.

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