Noch viele Fragen offen – 20 Zeugen erwartet

Waldeck-Frankenberger angeklagt wegen 15-fachen Betrugs: Prozess am Schöffengericht geht weiter

Es geht auch um Internet-Betrug: Der Prozess am Schöffengericht wird fortgesetzt.   (Symbolfoto)
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Es geht auch um Internet-Betrug: Der Prozess am Schöffengericht wird fortgesetzt. (Symbolfoto)

„Ich habe Sie nicht angelogen.“ Mit diesen Worten wehrte sich ein 39 Jahre alter Angeklagter aus dem Kreis Waldeck-Frankenberg vor dem Schöffengericht Fritzlar gegen bohrende Fragen des Staatsanwaltes.

Bad Wildungen – Während der mehr als dreistündigen Verhandlung musste sich der wegen Betrugs in 15 Fällen angeklagte Mann ungezählte Fragen des Staatsanwaltes, der Richterin und der Schöffen gefallen lassen. Auch, weil es immer wieder Widersprüche gab und viele Zweifel aufkamen. Hinzu kamen drei weitere Anklagen wegen gewerbsmäßigen Betruges und Vortäuschen einer Straftat.

Es geht um Internet-Betrug, Chat-Verträge und um Spielsucht

Es blieben so viele Fragen offen, dass Richterin Corinna Eichler weitere Verhandlungen ankündigte: „Es wird eine umfangreiche Beweisaufnahme geben.“ Sie schätzt, dass mindestens 20 Zeugen vernommen werden. Termine stehen noch nicht fest.  Mailadressen, Passwörter, Kontenbewegungen, Alkohol und Spielsucht, Chat-Verträge – das war nur ein Teil der vielen Themen. Die führten zu immer neuen Fragen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, in 15 Fällen in Bad Wildungen und anderen Orten Betrügereien begangen zu haben. Über Internet-Handelsplätze habe er Ware zum Verkauf angeboten, ohne diese zu versenden oder zu übergeben. Dabei habe er über 1600 Euro unberechtigt vereinnahmt.

„Das Dümmste, was ich machen konnte“

„Der größte Teil – so nein“, antwortete der Beschuldigte auf die Frage, ob die Vorwürfe zutreffen. Einen Teil der Ware habe er „wirklich ordnungsgemäß verschickt“. Schwere Vorwürfe erhob er gegen eine Frau, mit der er zeitweise zusammenlebte. „Die wollte ein Drogengeschäft aufbauen“, sagte er, und er habe erklärt, „das mache ich nicht mit“. „Ihre Geldgier wurde immer größer, ihre Alkoholsucht immer schlimmer“, berichtete der Beschuldigte. Er räumte ein, selbst spielsüchtig gewesen zu sein.

Die Ex-Bekannte, die ihm immer wieder im Haushalt geholfen habe, sei mit einem anderen Mann eine Schein-Ehe eingegangen und habe dafür Geld bekommen. Um der Frau zu helfen, habe er ihr sein Konto zur Verfügung gestellt, berichtete der Angeklagte: „Das Dümmste, was ich machen konnte.“

Staatsanwalt: Behörden in die Irre geführt

Er habe sich dann mit ihr zerstritten, „weil sie immer unzuverlässiger wurde“. Dann habe es einen „richtig großen Knall“ gegeben, weil es um die Geschäfte und das Geld nur noch Streit gegeben hatte und sich sein Gesundheitszustand verschlechtert habe. „Ich kämpfe um einen Therapieplatz“, beteuerte er zum Thema Spielsucht. Bestandteil der Verhandlung waren drei neue Anklagen. Der Beschuldigte hatte bei der Polizei Anzeige erstattet, weil zwei unbekannte Täter in seine Wohnung eingebrochen seien. Er sei nie überfallen worden und habe die Behörden in die Irre geführt, sagte dazu der Staatsanwalt.

Der Beschuldigte berichtete dagegen, zwei Maskierte hätten ihm Handy und Geldbörse gestohlen, „und sie wollten den Fernseher runterreißen“. Er habe einen Krampfanfall bekommen und sei von einer Notärztin versorgt worden. Das Gespräch mit zwei Beamten der Kriminalpolizei sei „die reinste Katastrophe“ gewesen. Die Männer seien nicht als Polizeibeamte erkennbar gewesen: „Beide waren wildfremd, ich hatte Angst.“ Auch diesem Vorfall will das Gericht nun bis ins Detail auf den Grund gehen. Von Manfred Schaake

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