Neues Modell erinnert an ihn

Odershäuser Auenbergturm stand nur 19 Jahre

Das Quellenmuseum in der Wandelhalle präsentiert ein neues Exponat: das Modell des Auenberg-Aussichtsturm.

Bad Wildungen – Das Vorbild wurde 1898 im Rahmen eines feierlichen Aktes seiner Bestimmung übergeben. Allerdings überstand die hölzerne Konstruktion nicht einmal 20 Jahre. „1917 stürzte der Turm ein“, erklärt Museumsleiter Bernhard Weller.

Der Königshagener Andreas Pockrandt hat den maßstabsgetreuen Modell-Nachbau angefertigt. Das Projekt fiel ihm nicht ganz leicht, weil er manche Details plausibel ergänzen musste. Zwar existieren historische Fotos und die ersten Entwürfe blieben erhalten, aber das exakte Aussehen des Erdgeschosses ist nicht überliefert. „Das Foto wurde gemacht, als laut Quellen ein Meter Schnee lag“, erklärt Pockrandt. Die weiße Pracht verdeckt auf dem Bild also einiges.

Eigentlich sollte das Modell als „Hingucker unserer Ausstellung über die Geschichte des Wanderns dienen“, sagt Bernhard Weller. Sie hätte das Rahmenprogramm des Deutschen Wandertages 2020 in Bad Wildungen bereichert. Nun ist sie, wie das Ereignis selbst, aufs nächste Jahr verschoben.

Eine Wildunger Arbeitsgruppe hat das Thema ausführlich vorbereitet. Neben Bernhard Weller gehören Swantje Kleinicke, Pfarrerin Kerstin Hartge und Karl-Heinz Buschmann dazu.

Der Turm spielte seinerzeit eine wichtige Rolle für den Fremdenverkehr, hat Swantje Kleinicke im Stadtarchiv recherchiert: „Gastronomen in Odershausen und Bergfreiheit warben mit ihm. Sie legten Postkarten auf und luden sogar zu Buffets dorthin ein.“

„Menschen brauchen Ziele zum Wandern. Das hat sich bis heute nicht geändert“, sagt Ute Kühlewind, Chefin des Stadtmarketings. Nur, dass es heute in der Region Kellerwald-Edersee im Vergleich zu damals deutlich weniger Möglichkeiten zur Einkehr gebe. „Daran müssen wir arbeiten“, unterstreicht sie.

Karl-Heinz Buschmann saß lange dem Hessisch-Waldeckischen Gebirgs- und Heimatverein in Bad Wildungen vor und meint: „Für uns spielte Rucksackverpflegung eine zentrale Rolle.“ Aussichtspunkte und -türme als Ziele übten tatsächlich ihren Reiz aus.

Allerdings zeige sich am Beispiel des Kellerwaldturms auf dem Wüstegarten zwischen Bergfreiheit und Jesberg auch, wie aufwendig Bau und Unterhaltung ausfallen könnten, gerade bei Holzkonstruktionen.

Dabei stellen die vergangenen rund 100 Jahre nur einen Ausschnitt aus der Geschichte des Wanderns dar. Es begann mit den Wanderungen der iroschottischen Mönche im Mittelalter. Sie wollten die heidnischen Stämme christianisieren, berichtet Kerstin Hartge: „Das spiegelt sich auch in unserer Region wider in der Geschichte des Bonifatius und des Bürabergs.“

Pilgerwege wie der Jacobsweg bei Frebershausen oder der Elisabethpfad, der über Fritzlar und Bad Wildungen nach Marburg führt, seien weitere Belege für den religiösen Ursprung des Wanderns. Dieser Aspekt erfährt durch Pilgerwanderungen heutzutage eine Renaissance.

Diese und viele interessante Fakten mehr soll die Ausstellung im nächsten Jahr statt 2020 liefern. „Wir freuen uns, wenn Wildunger Bürgerinnen und Bürger eigene Beiträge zum Thema liefern: Erinnerungen, alte Fotos und Utensilien“, sagt Bernhard Weller. Wer Interesse hat, meldet sich bei ihm in der Wandelhalle.

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