Premiere für jungen Segelflieger

Odershäuser mit 14 Jahren alleine im Cockpit

Die Seilwinde zieht den Segelflieger an, er steigt in die Höhe und dreht seine Runden - Melvin Zülch aus Odershausen war erstmals alleine unterwegs.
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Die Seilwinde zieht den Segelflieger an, er steigt in die Höhe und dreht seine Runden - Melvin Zülch aus Odershausen war erstmals alleine unterwegs.

Mit 14 Jahren dürfen junge Segelflieger erstmals ohne Fluglehrer aufsteigen. Der Odershäuser Melvin Zülch und seine Begleiter berichten.

Bad Wildungen – „Erst der Nervenkitzel, dann klinkst du aus und bist komplett frei“: Der 14-jährige Melvin Zülch aus Odershausen weiß, wie es ist zu fliegen. Eine Seilwinde beschleunigt den Segelflieger in zwei, drei Sekunden auf 100 Stundenkilometer, er steigt in 500 Meter Höhe, das Seil wird gelöst – und Melvin fühlt sich frei, bewegt sich nicht mehr nur in zwei, sondern in drei Dimensionen.

Das hat er sich schon immer gewünscht, über einen Freund seines Vaters wurde er auf die Flugsportvereinigung Bad Wildungen aufmerksam. Mit 13 Jahren begann er die Ausbildung, kurz nach seinem 14. Geburtstag durfte er erstmals ohne Fluglehrer im Cockpit aufsteigen. Um mit einem Mofa unter Aufsicht eines Fahrlehrers mit 25 Stundenkilometer fahren fahren zu dürften, müsste er noch ein halbes Jahr warten.

Es ist ein ungewohnter Start: Der Sitz hinter ihm bleibt leer. Sein Fluglehrer gibt ihm letzte Anweisungen, bevor die Haube geschlossen wird. Die Seilwinde zieht das Seil an, das „ASK 13“ genannte Flugzeug steigt steil auf. Die Perspektive ist Melvin bekannt, das Gefühl ohne Fluglehrer ist ein ganz neues. Auch weil so ein FLugzeug kaum eine halbe Tonne wiegt: Sitzt da ein Erwachsener weniger drin, fühlt es sich gleich anders an.

„Es ist schon ,scary‘, aber ihr Fluglehrer konntet euch ja in den ganzen Übungsflügen versichern, dass er das kann“, sagt sein Vater Martin Zülch, der das Segelflugzeug nicht aus den Augen lässt, während sein Sohn seine Kreise am Himmel zieht. Auch die drei Fluglehrer beobachten den Flug genau. Für einen von ihnen ist es ebenfalls eine Premiere, denn für Michael Wackerbarth ist es der erste Flugschüler, den er zum Solo freigibt. Der Ausbildungsleiter Marcel Knauf hingegen verfolgt den Flug sehr gelassen: „Melvin war schon lange überfällig, was das Alleinfliegen angeht, aber vor dem 14. Geburtstag durften wir ihn ja noch nicht ohne Fluglehrer fliegen lassen. Die heutigen Bedingungen stellen für Melvin keine Herausforderung da.“

Melvin Zülch (zweiter von links) hat seinen ersten Solo-Flug hingelegt - da gratulieren (von links) Martin Zülch, Michael Wackerbarth, Yaffili Trawalley und Stephan Buhlmann.

Melvin bestätigt diese Einschätzung: Er steuert das Segelflugzeug in den Endanflug, Geschwindigkeit und Anflugwinkel passen und die Fluglehrer müssen zugeben: Die Landung hätten sie nicht besser machen können. Noch am Flugzeug wird gratuliert. Auch Melvins Flugschülerkollege Yaffily Trawalley zeigt seinen Respekt: Er kann sich noch bestens an seinen ersten Alleinflug erinnern, der gerade ein halbes Jahr zurück liegt. Zum Ende der vergangenen Saison flog Yaffily sich im Alter von 15 Jahren frei.

„Sich frei fliegen“ bedeutet nicht, dass Melvin in der Luft machen kann, was er will: „Ich bin noch kein Pilot, sondern muss in der Nähe des Flugplatzes bleiben.“ Nun warten auf Melvin wie auf Yaffily viele neue Erfahrungen während zukünftiger Soloflüge, Umschulungen auf weitere Segelflugzeugmuster und Streckenflüge. Bis sie ihre stolzen Familien mal im Flugzeug mitnehmen dürfen, wird noch etwas Zeit vergehen. Das Mindestalter für die Ausstellung der Lizenz ist nämlich 16 Jahre. So Fliegen wie seine Lehrer darf er also recht bald – nur unterrichten darf er nicht.

Allen, die auch vom Fliegen träumen, kann Melvin nur raten, einfach mal auf dem nächstgelegenen Flugplatz vorbeizuschauen und zu fragen. (wf/red)

Fotos: Über den Wolken mit dem Segelflugzeug

Einblicke in das Hobby Segelflug gewähren die Mitglieder der Flugsportvereinigung Bad Wildungen.
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Fotos: Über den Wolken mit dem Segelflugzeug

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