Entstauben gelang nicht:

Operetteninszenierung "Zum Weißen Rössl" enttäuscht in Wildunger Wandelhalle

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Außer großer Kulisse wenig Erbauliches: Szene aus dem „Weißen Rössl“ in der Wildunger Wandelhalle.

Bad Wildungen – Ein aus der Zeit gefallenes Musiktheater erlebte das Publikum beim Wildunger "Startheater".

„Wenn Ihre Bühne einen Meter länger wäre, könnten wir mit unsrem ‘Weißen Rössl’ nach Bad Wildungen kommen“, lautete die Antwort des Euro-Studios auf eine Anfrage von Heidi Schelberger, die in der Marketingabteilung der Badestadt zuständig für das „Startheater“ ist. Kurzerhand wurde die Bühne verlängert für eine aufwendige Kulisse (Hans Ellerfeld): die Gaststube des „Weißen Rössl“ und eine zusätzlich Etage. Die Startheater-Besucher sahen eine Aufführung in der Fassung „Bar jeder Vernunft“ frei nach dem bekannten Lustspiel von diversen Komponisten und Textern und vor allem mit der ursprünglichen Musik von Ralph Benatzky, von dem nicht alle musikalischen Einlagen stammten, wie etwa „Die ganze Welt ist Himmelblau“ von Robert Stolz und „Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist“ von Robert Gilbert. Die Operette entstand nach einem Schwank aus dem Jahre 1897 und wurde 1930 im Großen Schauspielhaus Berlin zum ersten Mal aufgeführt.

Die Fassung in der Wandelhalle vor einem vorwiegend Ü-60-Publikum zeigte, dass die Operette – noch dazu in einer so glücklosen Inszenierung – aus der Zeit gefallen ist. Längst dominiert das Musical die Sparte „Musiktheater“. Im „Weißen Rössl“ geht es um eine verzwickte Liebesgeschichte, die nach vielem Hin und Her vom i Kaiser Franz Joseph (Alois A. Walchshofer) zu einem guten Ende gebracht wird. Der Kellner Leopold (Hermann Wallèn) hat ein Auge auf die Rösslwirtin Jofsepha geworfen, die aber erwartungsvoll die Ankunft ihres ständigen Sommergastes Dr. Siedler (Jan Reimitz) herbeisehnt, der sich in Ottilie (Julia Dompke), die Tochter des Berliner Trikotagenfabrikanten Giesecke (Bernd Gebhardt) verknallt hat. Es wird noch komplizierter mit dem schönen Sigismund (Sören Ergang), dem lispelnden Klärchen (Marie-Audrey Schatz) und Professor Hinzelmann oder Piccolo (Pascal Jounais), der einen zünftigen Schuhplattler auf Parkett legte .

Schade, dass es dem Ensemble nicht gelang, die bekannte Operette vom angesetzten Schimmel der Zeit zu befreien. Dazu fehlten in der Inszenierung (Caus J. Frankl) Spritzigkeit, Pep und Schmiss. Stets hatte man den Eindruck, die fünf Musiker –in den Ecken der Bühne platziert – spielten mit wenig guter Laune auf. Die Darstellerinnen und Darsteller mit ihren durchschnittlichen Operetten und Buffostimmen schafften es nicht, Operettenseligkeit zu verbreiten.

Dialoge fielen langweilig aus oder wirkten wie eine Selbst-Persiflage. Gefallen konnten allen das Bühnenbild und die bunten, originellen Kostüme (Marie Landgraf). Eine Dauerbesucherin und Abonnentin der Startheater-Aufführungen hatte schon in der Pause ihr Urteil gefällt und es auf den Punkt gebracht: „Diese Aufführung ist eine Zumutung.“ -szl-

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