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Pass auf, Kevin!

Bad Wildungen - Bravo-Starschnitt, Bay City Rollers oder Smokey? Das war bei den Mädels in meiner Teenie-Zeit die Frage und wir Jungs haben sie gehasst, diese Phantom-Nebenbuhler, die angeblich mit der Jeans in die Badewanne stiegen, um das Beinkleid anschließend beinhart am Körper trocknen zu lassen, der Knackigkeit wegen.

Und die über den Betten derer hingen, denen wir in unseren Träumen nachhingen, während vorne an der Tafel ein Pädagoge Selbstgespräche über Pythagoras führte. Wie sollten wir mit den Pop-Ikonen mithalten? Muttern hätte uns was erzählt, von wegen Blasenentzündung und Überschwemmung im Bad. Zum Glück vorbei die Zeit.

Ja? Denkste!

Denn es gibt „Brigitte Woman“ für den – sagen wir – weiblichen Groupie mit Lebenserfahrung, ohne dass ich meinem hauseigenen Engel zunahe treten möchte. „Jetzt habe ich meinen Traummann gefunden“ schmachtete sie mir jüngst entgegen, in den Händen das besagte Bravo-Möchtegern-Surrogatextrakt für die Frau in den besten Jahren: „Schaut er nicht toll aus? Und mit mehr Falten noch besser – das Foto vergrößere ich mir und hänge es im Schlafzimmer auf: Kevin Kostner.“ „?!?!?!“

Mein Erstaunen minderte sich nicht im mindesten, als sie ganz hin und weg das Privatleben des Traumprinzen schilderte: sieben Kinder von drei Frauen. Meinen von Verdatterung getränkten Einwurf, das sei ja wohl ein Schwerenöter sondergleichen, konterte sie mit einem entwaffnenden „Na und? Guck dir die Augen an und diese Fältchen drumherum (supersehnsuchtsseufz)!“

Nicht, dass Frauen dazu erschaffen sind, verstanden zu werden, aber trotzdem: Wo bleiben die Errungenschaften der Emanzipation? Glaubt irgendwer, dass der kocht, den Müll runterbringt, die Wohnung wischt oder im Sitzen pinkelt? Tanzen kann er auch nicht vernünftig, nicht mal mit dem Wolf, und den Vogel hat nicht Kevin Hood abgeschossen sondern der Stuntman, wette ich. Alles kein Argument. Kevin Kostner hängt – links an der Schlafzimmerwand, das dreitagebärtige Kinn in die Hand gestützt, zwinkert er meinem Engel zu.

Was tun? Sonya Kraus gegenüber an die Tapete pinnen, im Bikini, mit Bohrmaschine im Anschlag (natürlich nur wegen ihres Fachwissens als Heimwerkerin)? Nein. Ich habe mich als Antwort für ein Din-A-2-Poster von „Brachypelma smithi“ entschieden. Als Teenie stand ich nämlich nicht auf Bravo, sondern auf „Das Tier“ mit Postern von Tiger, Panther & Co. Die liebe Brachypelma ist eine mexikanische Rotknie-Vogelspinne. Ach, hatte ich das erwähnt? Mein Hausengelchen kann eins nicht ausstehen: Naturfilme über Spinnen, Insekten und andere Krabbeltiere.

Ruf doch Kevin zu Hilfe, lächelt grimmig

Euer Ederlurch

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