Kassel/Edertal

Pilotprojekt: Wasser für See und Weser

- Kassel/Edertal (höh). Der Streit ums Wasser endete gestern mit einem beinahe nicht mehr für möglich gehaltenen Kompromiss im Kasseler Regierungspräsidium. Das Pilotprojekt „vier plus drei“ soll in trockenen Sommern bis zu 40 Millionen Kubikmeter mehr Wasser im Edersee und gleichzeitig den Weser-Kapitänen genug Wasser unter dem Kiel bescheren.

Nach dem Edersee-Gespräch im August machten heimische Vertreter keinen Hehl aus ihrem Frust über enttäuschende Ergebnisse. Gestern wendete sich das Blatt erfreulich: Rundum positiv bewerteten die Teilnehmer des Behörden-Gesprächs die Ergebnisse des ausgehandelten Kompromisses. „Wir erklären für den Landkreis und alle Anrainergemeinden, dass wir diesen Lösungsvorschlag, der auf soliden Daten beruht, gern annehmen“, kommentierte Landrat Dr. Reinhard Kubat die Ergebnisse. „Wir sehen uns alle als Solidargemeinschaft, und alle haben gern zugestimmt.“ Er würdigte ausdrücklich Amtsleiterin Katrin Urbitsch und Jiri Cemus vom Wasser- und Schifffahrtsamt in Hann. Münden, die die vorliegende Lösung ausgearbeitet hatten. Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke sprach von einem „Kompromiss, bei dem alle mit ins Boot müssen“ – Wasser- und Schifffahrtsamt, Schifffahrt, Tourismus, Naturschutz und alle anderen Beteiligten.

Das „vier-plus-drei“-Modell soll die Interessen aller Nutzer so weit als möglich berücksichtigen. Und das funktioniert so: In extrem trockenen Jahren soll ab 1. März nur noch an vier Wochentagen (Donnerstag bis Sonntag) Wasser zur Unterstützung der Weser-Schifffahrt aus dem Edersee abgelassen werden. Danach soll die Wasserabgabe an drei Tagen auf die Mindestabgabe gedrosselt werden. Die Weser-Schifffahrt ist dann nur noch eingeschränkt möglich, aber auch kalkulierbar. Und im Edersee bleibt mehr Wasser für den Tourismus – von 30 bis 40 Millionen Kubikmetern ist die Rede. Wäre das Modell in diesem Jahr bereits in Kraft getreten, wäre der Pegelstand nicht bei derzeit 22 Metern, sondern bei 14 Metern unter Vollstau.

Hubert Kindt, Vizepräsident der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV), sprach von einem „Pilotprojekt für extrem trockene Jahre“. Es soll versuchsweise starten, wenn der Wasserspiegel im Edersee um 40 Millionen Kubikmeter unter den Mittelwert der vergangenen 100 Jahre absinkt. Dies ist alle fünf bis zehn Jahre der Fall.

Mehr lesen Sie in der WLZ-FZ vom Mittwoch, 30. November

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