„Plötzlich knallte es an den Scheiben“

Starenschwarm prallt gegen Haus in Mandern

Renate Naumann zeigt einen toten Star.
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Ein Flugunfall und seine Folgen: Renate Naumann mit einem toten Star.

Ein großer Starenschwarm ist in Manderner Gärten offenbar vom Kurs abgekommen und flog direkt gegen eine Hauswand.

Mandern – „Plötzlich knallte es an den Fensterscheiben“, berichtet Renate Naumann. Etliche Tiere prallten gegen Scheiben und Fassade.

Die Mandernerin war geschockt. Sie wollte gerade Wäsche aufhängen als der Schwarm im Anflug war. Die Aufprallgeräusche hat sie noch genau im Ohr. „Das war fürchterlich, die Knie schlottern mir immer noch.“ Ihre Schwiegermutter Elli Naumann stutzte gerade einen Busch im Garten, da tauchte der Schwarm wie aus dem Nichts auf. „Ich weiß gar nicht, wo er so schnell her gekommen ist.“

Blut und Kotflecken auf Balkon und an Fassade

Nach dem Aufprall zahlreicher Vögel sammelten sich etliche Tiere auf dem Balkongeländer und verweilten einige Zeit am Unfallort. „Die waren sicher benommen,“ meint Renate Naumann. Zwei tote Stare lagen im eigenen Garten. Tisch und Boden am Balkon waren übersät mit Blut- und Kotflecken, auch die weiße Hausfassade hat einiges mitbekommen.

Stare sind in Mandern häufig anzutreffen. Im Umfeld des Wohnhauses in der Bachstraße brüten mehrere Starenpaare. „Das ist immer toll zu beobachten“, sagte Renate Naumann. Im Spätsommer seien jedes Jahr größere Ansammlungen von Staren zu sehen. „Die großen Schwärme haben wir immer um diese Zeit.“

Spekulationen nach der Ursache

Was die Stare so irritiert hat bei ihrem Flug in Mandern, dass sie gegen das Haus flogen, darüber kann Renate Naumann nur spekulieren. „Ich habe in der Nähe einen taubengroßen grauen Greifvogel gesehen – vielleicht war er der Auslöser.“

Der Edertaler Ornithologe Wolfgang Lübcke mutmaßte auf WLZ-Nachfrage, dass es sich anhand der Beschreibung um einen Sperber handeln könnte, vor dem der Starenschwarm ausweichen wollte. Möglicherweise fehlte vielen Tieren die nötige Flugroutine. „Um die jetzige Jahreszeit waren sicher viele unerfahrene Jungvögel dabei.“

In 2017 schon einmal ein Unfall mit Staren in Mandern

In Mandern war es in 2017 schon einmal zu einem Zwischenfall mit einem Starenschwarm gekommen. Damals war vermutlich ein vorbeifahrender Pkw die Ursache für den Tod von 46 Staren (WLZ berichtete).

Ein Anflug auf eine Hauswand sei ungewöhnlich. „Ein vergleichbarer Fall ist mir bisher nicht bekannt geworden“, sagt Lübcke.

Flugkünstler im Herbst in großen Schwärmen unterwegs

Zu den imposantesten Bildern, die Vogelbeobachter im Herbst erleben können, gehören die riesigen Starenschwärme, sagt Ornithologe Wolfgang Lübcke.

Der Giflitzer skizziert die besonderen Eigenheiten: „Gern versammeln sich die Vögel zunächst auf Bäumen oder Leitungsdrähten. Die dicht gedrängten Schwarmwolken wogen dann etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang über Weiden- oder Erlengebüsch sowie Röhricht hin und her, vollführen rasante Schwenks, um dann schließlich schlagartig am Schlafplatz einzufallen.“

Immer wieder erstaune es, dass bei den Flugmanövern keine Zusammenstöße vorkommen. Ein Star im Schwarm orientiere sich an bis zu sieben Nachbarvögeln, um so auch bei hohem Tempo immer die gleiche Position einzuhalten.

Zahl der Stare drastisch zurück gegangen

Bis zu 8000 Stare wurden im September 1988 zwischen Wega und Mandern gezählt und 5000 im August 1993 im Naturschutzgebiet „Krautwiese am Wesebach“ bei Giflitz. Aktuell werden nur noch einige hundert Stare an Schlafplätzen im Kreisgebiet beobachtet.

Deutschland habe in nur 12 Jahren 12,7 Mio Vogelbrutpaare verloren (15 Prozent). Der stärkste Rückgang mit 42 Prozent betraf den Star – von 6,1 Millionen Brutpaaren in 1998 auf 3,5 in 2009.

Hauptursachen: Nahrungsmangel und fehlende Brutplätze. Lübcke: „Früher hingen in den Dörfern an vielen Scheunengiebeln manchmal drei bis vier Starenkästen. Das ist heute leider kaum noch zu sehen.“ Er regt an, Nistkästen aufzuhängen. Helfen könnten auch Starenhäuser, denn Stare brüten gern gesellig.

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