Wildtierpark-Otter findet in Saarbrücken eine neue Heimat

Poldi wechselt am Freitag den Verein - Bildergalerie

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Edersee - Lukas Podolski vom Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln hat noch zwei bis vier Spiele für den rheinischen Club vor sich. Dann geht "Poldi" vermutlich nach London. Otter Poldi aus dem Wildtierpark Edersee wechselt schon am kommenden Freitag den Verein.

Den Sohn von „Finchen“ und „Otto“ verschlägt es nach Saarbrücken, wo er in einem jungen Otterweibchen seine Herzdame finden soll. Eine­ von vielen Geschichten, die Tierparkleiter Albert Hernold beim traditionellen Rundgang zur Jahreshauptversammlung den Mitgliedern des Fördervereins erzählte. „Wir haben Otto und Finchen bei Paarungsversuchen beobachtet. Vielleicht bekommen wir dieses Jahr schon neuen Nachwuchs, obwohl Otter gewöhnlich zwischen den Aufzuchten ein Jahr Pause einlegen“, schilderte Hernold am Montagabend weiter.

Tarpanfohlen ganz frisch

Nach dem Verkauf von Stuten haben die Tarpan-Wildpferde wieder etwas mehr Platz im Gehege und er wird sofort genutzt. Am Montagmorgen kam ein Fohlen zur Welt, das sich etwas verdutzt im Stall, Schutz suchend bei der Mutter, den Blicken der Vereinsmitglieder präsentierte. Ob als Mädchen oder Junge, hat noch niemand herausgefunden.

Bei Wölfen und Luchsen steht 2012 mit Sicherheit kein Nachwuchs ins Haus. Luchskatze Tinka ist zu alt, ihre designierte Nachfolgerin mit zwei Jahren noch zu jung. Die kanadischen Timberwölfe sollen überhaupt keine Jungen bekommen. Die Rüden wurden oder werden kastriert, „denn auf Sicht sollen europäische Wölfe im Wildtierpark gezeigt werden“, erklärte Hernold.

Bären mit Wölfen

Die Idee ist, sie später einmal in einem Kombinationsgehege­ mit Braunbären zu zeigen. Mit Blick auf den Nationalpark Kellerwald-Edersee sollen gemäß dem neuen, von der Nationalparkverwaltung angepeilten Konzept heimische Arten den Wildtierpark Edersee bevölkern.

Allerdings sei das aus mehreren Gründen noch Zukunftsmusik, fügte Hernold hinzu: „Ein solches Gehege kostet mindestens 450000 Euro.“ Dieses Geld muss erst einmal aufgebracht werden. Die Haltung von Bären ist wegen der nicht verkaufbaren Nachzucht und des Todes von Jungbären kürzlich im Wildpark Knüll generell in die Kritik geraten. Außerdem dauert es, bis das Timberwolf-Rudel ausdünnt und schließlich verschwindet: „Ein Wolf wird in Gefangenschaft 18 bis 20 Jahre alt. Die jüngsten Tiere bei uns sind erst zwei“, erklärte Hernold dazu.

Unerwünscht ist gemäß dem neuen Konzept auch der Alpensteinbock, der, wie sein Name sagt, ins Hochgebirge gehört. Diese Entscheidung stößt beim Wildpark-Mitgründer und Fördervereinsmitglied Willi Bremmer auf heftige Kritik: „Der Steinbock ist schließlich das Wappentier des Parks.“

Mufflons wurden früher als Jagdwild in der Region ausgesetzt und sollen ebenfalls auf lange Sicht nichts mehr im Wildpark zu suchen haben. Bei den Waschbären lässt das Nationalparkamt Gnade vor Recht ergehen. Ein Ausbau ihres Geheges ist geplant.

Geier brüten fleißig

Auf natürlichen Bruterfolg bei den Geiern hoffen Falkner Ludger Kluthausen und sein Team. Der berühmte Geier „Franziskus“, der vor Jahren ausriss und sich inzwischen als „Franziska“ offenbart hat, brütet gemeinsam mit ihrem Partner aus Österreich. Dem wollte das Gänsegeierpärchen nicht nachstehen und legte ebenfalls ein Ei. „Wir legen die Eier nicht in den Brutschrank und ziehen die Jungen auch nicht von Hand auf, wenn die Eier befruchtet sind. Die Eltern sollen ihren Nachwuchs natürlich großziehen“, schilderte Kluthausen.

In der Greifen-Auffangstation für verletzte Vögel befinden sich zurzeit fünf junge Waldohreulen, alle einzeln aufgefunden und aus der weiteren Region bis Kassel und Fulda an den Edersee gebracht. Die Falkner päppeln sie auf und setzen sie in einigen Wochen an geeigneter Stelle wieder aus. Die jungen, dämmerungsaktiven Jäger, die aus Nestern gefallen waren, „bekommen eine zweite Chance. Ob sie sie nutzen können, wissen wir nicht. In freier Wildbahn sterben 70 Prozent der Jungen, bevor sie erwachsen sind“, erzählte Kluthausen den Besuchern.

Neues Damwild-Gehege

Albert Hernold führte die Vereinsmitglieder ins neue Damwildgehege, das mit 20 bis 25 Tieren besetzt ist. Ein 960 Meter langer, hoher Zaun umgibt die Fläche, damit die Tiere im Rest des Areals nicht mehr junge Bäume abfressen und ein natürlicheres Waldbild im Park entsteht. 60000 Euro kostete das Material. Als Nächstes steht der bereits im vergangenen Jahr geplante Weg durchs Wildschweingehege auf dem Programm (mehr zur Entwicklung des Fördervereins in unserer morgigen Ausgabe).

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