SPD-Reaktionen auf Micino-Kritik

„Politik als Egotrip“

Bad Wildungen - „Das ist eine Diskriminierung der älteren, erfahrenen Menschen. Sie haben die Erfahrung und die geistige Fitness, die Geschicke der Stadt mitzubestimmen.“ So kommentiert Jürgen Diederich, langjähriger SPD-Fraktionsvorsitzender im Stadtparlament und Vorsitzender des Seniorenbeirats, die Ausführungen des fraktionslosen Stadtverordneten Klaus Micino in der WLZ-FZ. Dieser hatte gefordert, jüngeren Leuten in Magistrat und in den Fraktionen das Ruder zu übergeben.

Was Diederich besonders ärgert: Micino schade mit diesen Anmerkungen dem Anliegen „Pro Heloponte“ und verärgere ältere Mitstreiter. In der Sache gibt Diederich dem fraktionslosen Stadtverordneten nämlich recht: „Wenn das Parlament die Bürger zum Heloponte befragt, muss es sich auch an das Ergebnis halten.“ Der Hinweis auf die geringe Beteiligung an der Befragung führe in die Irre, „denn dieses Argument unterhöhlt die Demokratie. Viele Bürgermeister müssten sonst angesichts niedriger Wahlbeteiligung sofort zurücktreten, weil sie keine Mehrheit der Wahlberechtigten erreicht haben“, unterstreicht Diederich.

Er hält die Zukunft der städtischen Finanzen durchaus für gesichert und eine Sanierung des Heloponte im Bestand deshalb für tragbar. Das Bad gehöre in die Kernstadt, nicht nach Reinhardshausen. Unter Reinhard Grieneisen habe man mit Erfolg dafür gekämpft, es in öffentlicher Hand zu halten. Deshalb erteilt er auch jetzt einer Privatisierung des Betriebs eine Absage. „Der Betrieb durch das EWF, wie beim Arolser Arobella, ist der richtige Weg.“ Allerdings rät Diederich dazu, „sich auf den Kern des Heloponte zurückzubesinnen: Bad plus Eisbahn plus kleine Sauna“. Als neues Modul sei ein Solebad für die ältere Generation empfehlenswert. Davon abgesehen ließen sich die Betriebskosten ausreichend senken durch kürzere Schwimmbahnen und insgesamt verringerte Wasserflächen.

SPD-Fraktionsvorsitzender Walter Mombrei sieht es etwas anders. Es gebe zwar interessante neue Ideen zu einer Sanierung im Bestand. Reinhardshausen sei aber eine Alternative inklusive Privatisierung des Betriebes, „wenn wir so das Defizit von 2,5 Millionen Euro jährlich auf 1 Million Euro bringen“. Das ermögliche der Stadt, weitere wichtige Angebote aufrechtzuerhalten.

In Sachen „Sturheit des Alters“ attestiert Mombrei dem jüngeren Micino ein „merkwürdiges Demokratieverständnis“. Kumulieren und Panaschieren bei der Kommunalwahl gebe den Bürgern die Chance, ihre Favoriten unabhängig von Parteizugehörigkeit und Listenplatz nach vorne zu bringen. Wenn der Wähler Ältere bevorzugt, müsse man das akzeptieren, es sei denn, „man empfindet Politik als Egotrip. Ich finde es kläglich, wenn man recht schnell, sobald man sich mit der eigenen Meinung mal nicht durchgesetzt hat, die Fraktion verlässt“, sagt Mombrei mit Blick auf Micinos Austritt aus der FWG. Suche Micino Publicity und Gefolgsleute für eine Bürgermeisterkandidatur in der Zukunft?, fragt Mombrei. Er lädt Micino in die SPD-Fraktion ein, um sich anzusehen, wie dort die Meinungsbildung abläuft.

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