Altstadtverein überzeugt beim Landeswettbewerb mit Bürgerpark Alter Friedhof

Preis für ein Tabu-Projekt

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Vom Hinterhof-Ambiente am Lindentor zu einem schmucken Platz mit Aufenthaltsqualität – das Projekt Alter Friedhof überzeugte die Jury. Vorn Altstadtkoordinatorin Friederike Büttner und Frank Volke vom Altstadtverein, hinten v.l. Architekt Klaus Hömberg, Bürgermeister Volker Zimmermann, Robert Hilligus (Bauamt) und Landschaftsplaner Michael Herz.Foto: Höhne

Bad Wildungen - Ausgerechnet ein Bürgerpark auf einem alten Friedhof - diese wahnwitzige Idee war anfangs heftig umstritten. Inzwischen ist es längst umgesetzt und überzeugte dieser Tage die Jury beim Landeswettbewerb „Städte sind zum Leben da!“ Der Wildunger Altstadtverein wurde unter 65 Bewerbern als einer von acht Preisträgern ausgezeichnet.

Die Parkanlage ist ein attraktiver Aufenthaltsort geworden. Entstanden ist ein Grünbereich mit barrierefreiem Hauptweg und einer Rampe auf dem nahe gelegenen Lindentorplatz. Die „grüne Lunge für die Altstadt“ stellt ein Beispiel dar, wie ein entwidmeter Friedhof zum multifunktional nutzbaren Freiraum gestaltet werden kann, der zum Verweilen einlädt.

„Ideenreicher Altstadtverein“

Der 1971 entwidmete alte Friedhof war der letzte Grünstreifen in der Altstadt, erinnerte Frank Volke, Sprecher des Altstadtvereins. Sein Bestreben war es, eine Aufenthaltsfläche für alle Generationen zu gestalten. Gleichzeitig wurde ein Verbindungsweg durchgängig angelegt und am Lindentor ein Stück Stadtmauer freigelegt. Das dient heute als originelle Werbefläche für Lichtmotive in der Dunkelheit. Volke unterstrich die reibungslose Zusammenarbeit mit Verwaltung und Politik bei Planung und Umsetzung. „Ich bin froh, dass der Altstadtverein bei den verschiedenen Projekten immer mitgenommen wird.“

Entstanden ist eine hochwertige Rückzugsfläche für die gesamte Bevölkerung, merkte Bürgermeister Volker Zimmermann an. Er würdigte den „ideenreichen Altstadtverein“. Mit Unterstützung der Kirche sei die Umgestaltung pietätvoll erfolgt. Skelette, die bei Bauarbeiten ans Tageslicht kamen, wurden an anderer Stelle wieder bestattet. „Es gab Menschen, die konnten sich nicht vorstellen, dass auf einem früheren Friedhof Kinder spielen“, erinnerte Architekt Klaus Hömberg an erste Diskussionen. Das Tabu-Thema mündete letztlich in einem eindeutigen Votum für einen Bürgerpark, der sich heute sehen lassen kann. Landschaftsplaner Michael Herz: „Es ist gelungen, mit dem alten Friedhof und dem Lindentorplatz aus der Rückseite der Stadt die Vorderseite zu machen.“

Robert Hilligus aus dem Stadtbauamt hatte den Altstadtverein zu der Bewerbung bei dem Wettbewerb motiviert, in dem es um Freiraumgestaltung, Klimaanpassung und Lebensqualität geht. Die Übergabe des mit 2000 Euro dotierten Preises durch Stadtentwicklungsministerin Prisca Hinz auf Schloss Freudenberg in Wiesbaden sei ein Erfolg der Teamarbeit. „Es macht Spaß, mit Planern zusammenzuarbeiten und Bürgern der Altstadt, die vor Ideen nur so sprühen.“ Altstadtkoordinatorin Friederike Büttner bekräftigte: „Die Jury hat gesagt: Das Projekt lebt.“ Das Preisgeld soll für weitere Maßnahmen am Park sowie zur Weiterbildung der Aktiven verwendet werden.

Unter den weiteren Preisträgern war auch der Verein „Wettermuseum Alte Schule Schreufa“.

Von Conny Höhne

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