1. WLZ
  2. Waldeck
  3. Bad Wildungen

Preisschock für Politik beim neuen Heloponte Bad Wildungen

Erstellt:

Von: Matthias Schuldt

Kommentare

40 Jahre auf dem Buckel: das Heloponte.
40 Jahre auf dem Buckel: das Heloponte. © Conny Höhne

Die Planungsbüros legten den Fachausschüssen der Stadtverordneten die gültige Kostenkalkulation fürs neue Heloponte vor: knapp 43 Millionen Euro.

Bad Wildungen – „Es war ein kleiner Schockmoment für den Magistrat“, gab Bürgermeister Ralf Gutheil zu. Denselben Preisschock hatten die Mitglieder des Planungs- und des Finanzausschusses zu verdauen, als sie in der Wandelhalle öffentlich die aktuellen Zahlen erhielten.

Die Investitionssumme steigt im Vergleich zu den Angaben vom Frühjahr um 5,2 Millionen Euro auf 42,65 Millionen Euro. „Außerdem raten wir, einen Risikozuschlag von 15 Prozent im Haushalt einzusetzen“, führte Planerin Daniela Kersting vom Büro Constrata aus. Im teuersten Fall würde die Stadt demnach ein knapp 50 Millionen-Euro-Projekt bauen. Einsparvorschlag der Büros: Streicht die Stadt die große Rutsche, das Sauna-Außenbecken, die Außensauna, das Sauna-Ruhehaus und den Kinderbereich draußen, liegen die Investitionskosten bei 39,7 Millionen Euro.

Erwartetes Jahresdefizit des neuen Heloponte steigt um 500 000 Euro

Das jährliche Defizit, das für die ersten 15 Jahre des Bades erwartet wird, steigt ebenfalls drastisch an: um 500000 auf nun 1,8 Millionen Euro. Obwohl die Planer ein Anheben der ursprünglich angesetzten Eintrittspreise um 1 Euro pro Tarif vorsehen: auf 9 Euro pro Person fürs Bad-Tagesticket und 19,50 Euro pro Kopf fürs Saunieren.

Ernüchternd: Fährt die Stadt das Angebot des neuen Bades zurück – wie im Sparvorschlag enthalten – sinkt dieses Defizit um gerade einmal 50 000 Euro pro Jahr. Betriebskosten-Kalkulator Paul Oppermann von „ProFund“ erläuterte den Grund: „Die geringere Attraktivität drückt die Gästezahl von prognostizierten 155 000 pro Jahr deutlich. Damit sinkt auch der Umsatz deutlich.“

Weniger Gäste in den Bädern, doch der einzelne Gast gibt mehr aus

Ziehen die Stadtverordneten das vorgelegte Konzept voll durch, „hat das neue Heloponte die höchsten Tarife in der Region. Aber es bietet im Vergleich zu den anderen Bädern Einmaliges. Und auch die anderen werden erhöhen müssen“, meinte Oppermann. Ein Rückgang der Gästezählen präge gerade generell die Branche . „Die Umsätze bleiben trotzdem gleich, weil der einzelne Gast mehr Geld ausgibt“, fügte er hinzu.

Der Pferdefuß: Diese Berechnung des Jahresverlustes gründet nicht auf dem schlimmsten anzunehmenden Preisanstieg – vorrangig bei der Energie – sondern nimmt eine mittelschwere Teuerung an. Dr. Edgar Schmal (CDU) und mit ihm beide Ausschüsse forderten für die Entscheidung der Stadtverordneten im Oktober eine Berechnung des negativsten Szenarios ein. Schon in der Ausschusssitzung zeichnete sich ab, dass in der düstersten Prognose der Jahresverlust, den die Stadt schultern muss, bei 2,5 bis 2,7 Millionen Euro liegt.

Schuldenstand der Stadt steigt auf etwa 60 Millionen Euro

Dr. Hans Schultheis (FW) meldete Bedenken wegen des Schuldenstandes an. Die Last der Stadt würde auf runde 60 Millionen Euro ansteigen. Für Walter Mombrei (SPD) ist das jedoch kein Knackpunkt: „Nach der Landesgartenschau befanden wir uns bei 49 Millionen Euro und haben das abgezahlt. Inflationsbereinigt entsprechen die 60 Millionen Euro einer ähnlichen Verschuldung.“ Edgar Schmal betrachtet das ebenso: „Wir schaffen mit dem neuen Bad im Gegenzug ja einen Vermögenswert.“

Nein, Kopfzerbrechen bereitet diesen beiden führenden Köpfen von Sozialdemokraten und Union das Risiko, dem Haushalt künftig ein Jahresdefizit zwischen 2 und 2,7 Millionen Euro allein aus dem Heloponte aufzuerlegen. Zum Vergleich: das jetzige Heloponte verursacht jährlich 2 Millionen Euro Defizit. „Eigentlich wollten wir das mit dem neuen Bad deutlich senken, aber von dem Gedanken hat sich auch die CDU verabschiedet“, gab Schmal zu. „Wir sollten das Projekt durchziehen nach dieser langen Planungszeit“, fügte er im Grundsatz hinzu – vorbehaltlich der Berechnung des schlimmsten, anzunehmenden Jahresverlustes.

Die Stadtverordneten entscheiden am 10. Oktober

Der Ball liegt im Feld der Stadtverordneten, die am 10. Oktober beraten. Sie müssen Risiko und Nutzen gegeneinander abwägen, die Gretchenfrage beantworten: Ja oder Nein? Das Risiko eines Jahresdefizits, das im schlimmsten Fall den Haushalt überfordern könnte, existiert. Da waren sich alle im Ausschuss einig. Wie hoch es ist, betrachten alle als Blick in die Glaskugel, ergab die Debatte.

Dem möglichen Risiko gegenüber steht der Nutzen eines Bades, das – wie das jetzige Heloponte zu seiner Gründungszeit – eine Strahlkraft über die Region hinaus entwickelt. Diese Strahlkraft sehen die Planungsbüros und das Planungsteam der Stadt um Petra Schirmacher, sieht Vize-Landrat Karl-Friedrich Frese als Gast der Sitzung, sieht der Bürgermeister und sehen große Teile der beiden Ausschüsse als gegeben an. Das wurde in der Sitzung ebenfalls deutlich.

Planerin rät zu rascher Entscheidung

Planerin Daniela Kersting riet zu „einer raschen Entscheidung“, um noch höheren Kosten bei weiter steigenden Preisen aus dem Weg zu gehen. „Wir warten auf die Rezession – keine Sorge, das ist Galgenhumor“, kommentierte Walter Mombrei. Der damalige Bürgermeister Reinhard Grieneisen habe auf dem Weg zur Landesgartenschau eine Konjunkturdelle erwischt mit sinkenden Preisen. An den Weltmärkten gebe es tatsächlich aktuell erste Anzeichen für abflauende Preise etwa bei Stahl und Holz, „aber hier bei uns schlägt das noch nicht durch“, räumte Kersting ein. (Matthias Schuldt)

Das sind die Pläne fürs neue Heloponte.

Auch interessant

Kommentare