„Etwas anderer Gottesdienst“: Kirchenvorstand sucht Nachwuchs

Premiere zwischen Torte und Tatort

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Kinderrad vor der Kirche, ein Schnappschuss von Brigitte Wuchert. Ein „etwas anderer Gottesdienst“ mit Rockmusik und Rollenspiel soll gezielt Jugendliche und junge Erwachsene ansprechen.

Waldeck-Sachsenhausen - Zwischen Torte und Tatort nimmt der Kirchenvorstand in Sachsenhausen eine Bevölkerungsgruppe ins Visier, die in Gotteshäusern wenig präsent ist. Am Sonntag startet der erste „etwas andere Gottesdienst“ mit Rockmusik und Rollenspiel.

Statt uralter Lieder aus dem Ge-sangbuch klingen moderne Songs von Udo Lindenberg in der 700 Jahre alten St.-Nikolaus-Kirche. Theaterszenen auf der Bühne, Livemusik, Predigt im Duett über ein aktuelles Thema - anders als gewohnt kommt die kirchliche Feier am 16. September daher.

Zielgruppe: Mädchen und Jungen ab der Konfirmation und Erwachsene bis etwa 55 Jahre. „In unserem normalen Gottesdienst nach Agenda 1 fühlen sich Jugendliche und junge Erwachsene selten zu Hause“, erläutert Pfarrer Kurt Heyer den Hintergrund.

„Der etwas andere Gottesdienst“ ist ein Projekt, das die Landeskirche vor zehn Jahren ins Leben rief. Mitglieder des Kirchenvorstands ließen sich von der Idee anstecken. In einem Workshop in Kassel holten sich die Sachsenhäuser Tipps und beschlossen hinterher, das Projekt umzusetzen.

Aus dem Kirchenvorstand heraus hat sich eine Arbeitsgruppe gebildet. Jutta Sonneborn, Brigitte Stracke, Bärbel Wagener, Kirsten Zölzer, Lothar Albrecht und Pfarrer Heyer bereiten den „etwas anderen Gottesdienst“ vor. Er beginnt um 17 Uhr - zwischen dem Kaffeetrinken und dem Abend-Krimi im Fernsehen. Deshalb lautet der treffende Titel der Veranstaltungsreihe: „Zwischen Torte und Tatort“.

Danken, bitten, klagen

Thema zum Auftakt: Hinterm Horizont geht’s weiter. Grenzerfahrungen aus dem Leben greifen Pfarrer Heyer und Kirsten Zölzer auf, die gemeinsam die Predigt halten. Dazu hat Jugendmitarbeiterin Jenny Heise ein Rollenspiel mit Mädchen und Jungen einstudiert. Sie befassen sich mit der Frage: Was kommt nach dem Tod?

Neu ist auch die Sitzordnung: Die Akteure stehen nicht am Altar, sondern auf einer Bühne mitten in der Kirche. Rundherum sind die Kirchenbänke platziert. Die Band „Hopegarden“ mit Thomas Lippke, Jenny und David Heise lädt zum Mitsingen ein, und an einigen Stellen wird die Gemeinde zum Mitmachen eingeladen. Zum Beispiel bei der Aktion: Wofür kann ich danken, bitten oder klagen? Lothar Albrecht moderiert die Feier. Alle weiteren Mitglieder des Teams übernehmen Aufgaben. Nach dem Start am Sonntag sind bereits die nächsten Veranstaltungen geplant. Viermal lädt der Kirchenvorstand im Jahr 2013 zum „etwas anderen Gottesdienst“ ein: Am 10. März geht es um Wegzeichen, am 16. Juni um Glücksmomente, und am 26. Dezember gibt es eine „schrille Nacht“, eventuell mit Tanz.

Für den 15. September ist das Thema noch offen. „Hier hoffen wir auf Rückmeldungen aus der Gemeinde“, so Heyer. Nach jedem „etwas anderen Gottesdienst“ werden die Besucher um einen Kommentar gebeten. „Wir möchten wissen, was ihnen gefallen hat, was man noch besser machen könnte und welche Ideen sie haben.“

Die Bibel - alt, aber dennoch aktuell

Im Mittelpunkt sollen Themen aus dem Alltagsleben stehen. „Wir versuchen, aus unserem christlichen Glauben heraus Antwort zu geben“, schildert Pfarrer Heyer und versichert: „Die Bibel, die 2000 Jahre alt ist und in Teilbereichen noch älter, hat durchaus aktuelle Bezüge.“

Neben den 1500 Gemeindegliedern aus Sachsenhausen sind alle Interessierten aus dem evangelischen Gesamtverband Waldeck und darüber hinaus willkommen, und zwar aus allen Altersgruppen. Wer gern im Gottesdienst-Team mitar-beiten möchte, meldet sich bei einem der AG-Mitglieder. (höh)

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