Bad Wildungen

„Privater Bauherr würde sich erhängen“

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- Bad Wildungen (su). Jetzt haben wir den Salat! Der Satz stand allen Mitgliedern des Planungsausschusses am Donnerstagabend auf die Stirn gestempelt. Das Scharnier wird teurer als gedacht und die Zuschüsse vom Land fließen wohl weitaus spärlicher als gehofft.

Das gibt Mecker. Darüber waren sich Bürgermeister Volker Zimmermann und Stadtplaner Robert Hilligus wohl vorher im Klaren. Besonders die CDU-Vertreter Oliver Syring, Hubert Schwarz und Marc Vaupel zeigten sich rundum sauer. 2,6 Millionen Euro waren Ende 2010 für den gesamten Scharnierumbau kalkuliert worden, von der Poststraße bis zum Kurschattenbrunnen. Am Donnerstag bezifferte Robert Hilligus im Sitzungssaal des Rathauses den Finanzbedarf dagegen auf 3,6 Millionen Euro, eine satte Million mehr.

„40 Prozent Kostensteigerung binnen eines Jahres; ein privater Bauherr würde sich aufhängen“, rief Vaupel. Dr. Hans Schultheis (FWG) nahm das verantwortliche Kasseler Planungsbüro ins Visier: „Wenn wir uns auf die Angaben der Experten so wenig verlassen können, was soll das alles?“ Robert Hilligus sprach von unerwartet teuren Ausschreibungsergebnissen für die Arbeiten in der Poststraße und am Postplatz. Er verwies darauf, dass sich die Abgeordneten kürzlich auf ein hochwertigeres Pflaster geeinigt hätten als ursprünglich vorgesehen. Das Parlament habe sich beim Architektenwettbewerb für einen teureren Entwurf entschieden.

„Das stimmt doch alles nicht. Im Architektenwettbewerb haben wir den Kostenrahmen von 2,6 Millionen Euro zur absoluten Vorgabe gemacht. Niemand hat uns gesagt, dass der Sieger mehr Geld verplant hat“, kritisierte Schwarz. Oliver Syring wies das Pflaster-Argument zurück: „3 Euro pro Quadratmeter mehr. Damit kommen Sie nicht auf 1 Million Euro Kostensteigerung.“ Besonders verärgert zeigte sich Marc Vaupel über die Informationspolitik der Verwaltung: „Sobald klar war, dass es so viel teurer wird, hätten die Zahlen im Ausschuss auf den Tisch gehört, nicht erst jetzt.“

Robert Hilligus verstand all die Vorwürfe und die Welt nicht mehr. Die Architekten hätten in den vielen vorangegangenen Ausschusssitzungen sehr wohl gesagt, dass die Vorstellungen der Stadtverordneten zu den Plänen höhere Kosten auslösen würden. Doch damit nicht genug, scheint das Land Hessen – Stichwort Schuldenbremse – bei den Zuschüssen zu knapsen. Über den Förderzeitraum von sechs Jahren sollte es für die Kommunale Arbeitsgemeinschaft Bad Wildungen/Fritzlar/Edertal eigentlich 6 Millionen Euro geben (Verteilungsschlüssel in Prozent: 40/40/20). Vier Jahre läuft die Förderung noch und höchstwahrscheinlich werden die 6 Millionen Euro nicht komplett ausgeschüttet. Dieses Jahr gab es für Bad Wildungen beispielsweise nur 240 000 Euro.

Mehr lesen Sie in der WLZ vom Samstag, 19. November.

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