Angaben des Opfers weitestgehend bestätigt

Prozess um Wildunger Messerattacke: Nachbar verhindert Stich in den Hals

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Am zweiten Prozesstag bestätigten sich die Angaben des Opfers im Wesentlichen.

Bad Wildungen/Kassel – Zweiter Tag im Prozess um die Messerattacke eines 51-jährigen Wildungers auf seine damalige Ehefrau im April 2018:

Am Donnerstag sagte der 33 Jahre alte Nachbar vor der zehnten Strafkammer aus. Er eilte der Frau zu Hilfe, als sie schrie und um ihr Leben kämpfte.

Im Wesentlichen bestätigte er die Angaben des Opfers. Etwa dass sie ihn schon vor dem Treffen mit ihrem Mann vorsorglich angesprochen habe. „Hilf mir, wenn es laut wird. Ich habe Angst.“ Mit diesen Worten übergab die Wildungerin dem Nachbarn einen Schlüssel.

Rund zwei Stunden später hörte er die gellenden Schreie aus dem offenen Fenster der Wohnung nebenan. Sofort rannte er hinüber. Als er ins Wohnzimmer kam, fand er den Angeklagten auf der Couch vor, wie er auf der Frau lag und mit den Händen und Armen heftig auf sie einwirkte. Auf den jungen Mann wirkte die Szene zu diesem Zeitpunkt so, als schlüge der 51-Jährige auf seine Frau ein.

„Was machst du da?“ So habe er den Angreifer laut angesprochen. Dieser drehte sich für einen Moment um, überrascht, jemand anderen in der Wohnung zu sehen. Das Opfer nutzte die Chance, sich zu lösen und lief zur Küche. Ihr damaliger Mann ging ihr nach, laut Zeugenaussage ohne besondere Eile. „Dabei fiel ihm ein Messer herunter“, schilderte der Nachbar dem Gericht.

Er folgte den beiden, sah, wie der Attentäter ein weiteres Messer aus einer Schublade zog. Dann kniete sich der Angeklagte auf die rittlings am Boden liegende Frau und „wollte ihr mit dem Messer in den Hals stechen“, berichtete der Zeuge: „In dem Moment umklammerte ich ihn von hinten und zerrte ihn aus der Küche raus.“ Dem Opfer rief er zu, sich in der Küche einzuschließen, was der Frau gelang.

Der Angreifer hatte sich inzwischen wieder losgerissen und trat mehrfach heftig gegen die verschlossene Tür. „Ich sagte ihm, er solle sich beruhigen...“, fügte der Nachbar im Zeugenstand hinzu. In dem Moment trat ein dritter Mann ins Wohnzimmer. Im Hof hatte ihn die Ehefrau des 33-jährigen Nachbarn um Hilfe ersucht.

Dieser zweite Zeuge gab am Donnerstag ebenfalls zu Protokoll, woran er sich erinnert: „Der Angeklagte stand da und sagte: Ich bin durchgedreht, ich bin durchgedreht.“ Der Zeuge alarmierte die Polizei, die gemeinsam mit Rettungskräften kurz darauf eintraf. Im Schutz der beiden Männer hatte die schwer verletzte Frau da die Küche verlassen und war aus der Wohnung gelaufen.

„Ich will hier raus, ich will hier raus; er wollte mich umbringen. Das sagte sie und: Ich sterbe, ich sterbe“, berichtete der zweite Zeuge. Er habe sie mit seinem Wissen als Aktiver des Roten Kreuzes beruhigt. Er habe gesehen, dass die Wunden am Brustkorb, am Rücken und an der Hand nicht so stark bluteten, wie es bei einer getroffenen Schlagader der Fall wäre. Dann hätte akute Lebensgefahr bestanden. -su-

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