Wellen:

Rätselhaftes Relikt: Wellener Stein enthüllt

- Edertal/Bad Wildungen. Am Samstagnachmittag wurde eine Nachbildung der dicken Steintafel beim zweiten Wellen-Wegaer Brückenfest an der Eder offiziell enthüllt. Dr. Volker Brendow, Leiter der Wildunger Museen, nahm das Publikum mit auf eine kleine Zeitreise in die tiefe Vergangenheit des Wal­decker Landes.

Der 1961 bei Bauarbeiten an der Eder zwischen Wega und Wellen gefundene Stein gibt mit seinem Fischgrätenmuster Rätsel auf. In der Region machen zwei Deutungen die Runde: Der einen zufolge handelt es sich bei den Zeichen um einen Mondkalender. Die zweite Variante erkennt darin eine Art Verkehrszeichen mit dem Hinweis auf eine Furt in der Eder. „Beides ist aus Sicht der Wissenschaft Unsinn“, sagte Brendow. Die Tafel sei vielmehr vor rund 4000 Jahren Teil eines größeren Ganzen gewesen, ein Element eines Steinkreises, der zu einem Einzelgrab der „Becherkultur“ gehörte. Vor 4000 Jahren, zum Ende der Jungsteinzeit, lebten Menschen in Europa (auch im heute Waldeckischen), die kaum Spuren hinterlassen haben. Von denen, die vor ihnen das Land bevölkerten und von denen, die nach ihnen kamen, finden sich immer wieder Siedlungsreste. Nicht so von der „Becherkultur“. Sie spricht allein durch Grabanlagen, in denen sich immer wieder verzierte Becher fanden (daher der Name), zu den Archäologen von heute. Ergänzt wird deren Wissen allenfalls durch Funde einzelner Werkzeuge wie Steinbeile oder Pfeilspitzen. „Aus diesen Tatsachen schließt man, dass es sich vielleicht um Nomaden handelte“, erläuterte Brendow. Eine bewährte Lebensweise, wie sie später von den Prärieindianern in Nordamerika, den Tuareg in Nordafrika oder den Lappen in Nordeuropa an den Tag gelegt wurde.

Mehr in der WLZ-Zeitungsausgabe vom 7. Juni.

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