Kranke Linden, Eichen, Buchen werden gefällt und Kronen beschnitten

Reiche Arbeitswoche für Baumpfleger

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Das gelbe Kreuz zeigt es an; auch diese Eiche im Kurpark muss wegen Krankheit und Fäulnis weichen (linkes Bild). Hilfe gegen Parasiten brauchen die Linden auf dem Waldhausteich-Parkplatz (rechts). Die Kronen wären im Winter eigentlich kahl. Bei den dunkle

Bad Wildungen - Der Hauptweg im Wildunger Kurpark zwischen Wandelhalle und Maritim wird kommende Woche für einige Tage gesperrt. Das Gleiche geschieht mit dem Parkplatz an der früheren Klinik Parkhöhe.

Anlass sind umfangreiche Baumpflegearbeiten aus unterschiedlichen Gründen.

Am Montag, 4. Februar, geht es los entlang des Hauptweges im Kurpark, wo in Richtung Wandelhalle aus den Kronen von mehr als 30 Buchen und Eichen Totholz entfernt wird. Drei Bäume müssen gefällt werden, weil sie umfallen und Fußgänger gefährden könnten, erklärt Hans-Jürgen Kramer, Chef des Immobilienmanagements der Stadt.

Der sehr viel genutzte und beliebte Weg bleibt für etwa zwei bis drei Tage gesperrt. Zwei zum Weg hin geneigte Buchen weisen am unteren Stamm Fäule und Risse auf. Eine sehr trockene, teilweise abgestorbene Eiche ist die dritte im Bunde derer, die weichen müssen.

Da die waldartige Böschung ausreichend bewachsen ist, braucht die Stadt laut Kramer keine Jungbäume als Ersatz zu pflanzen. „Der Kurpark wurde an dieser Stelle ja quasi dem Wald abgerungen“, sagt Kramer

Am Mittwoch, 6. Februar, werden dann die 24 Linden auf dem Parkplatz unterhalb des Waldhausteiches (alte Klinik Parkhöhe) vom übermäßigen Mistelbefall befreit.

Diese Misteln entziehen schmarotzend den Bäumen Wasser und Nährstoffe. Hinzu kommt, dass dieser enorme Mistel-Besatz durch sein Gewicht ein Abbrechen von Ästen beschleunigen kann.

Daher ist aus Gründen der Verkehrssicherung die aufwendige Pflege nötig. „Dabei muss man zurückschneiden bis ins gesunde Holz“, erklärt Kramer. Bei zwei der 24 Linden ist der Befall derart stark, dass ein Rückschneiden keinen Sinn hat und die beiden Bäume gefällt werden. Neue treten an ihre Stelle. Der Parkplatz wird vom 6. Bis 9. Februar komplett gesperrt.

Weitere acht Linden an der Langemarckstraße, oberhalb des Kurparks sowie eine Linde am Kurhaus werden ebenfalls von dem übermäßigen Mistelbefall befreit, um deren Vitalität zu verbessern und sie so erhalten zu können.

Hintergrund

Seit Miraculix kennt (fast) jeder die Mistel. Die Pflanzengattung umfasst knapp 40 Arten. Am bekanntesten ist die heimische weiße Mistel. Wie ihre Verwandten lebt diese Blütenpflanze als Halbparasit auf Bäumen. Halbparasit deshalb, weil sie einerseits statt eines Wurzelsystems einen „Anker“ ausbildet, der über Jahre tief in den Stamm des Wirtes einwächst und dort die Leitungsbahnen anzapft, in denen der Baum seine Nährstoffe transportiert.

Andererseits bildet die Mistel immergrünes, eigenes Laub aus, mit dem sie Photosynthese betreibt, also selbst Energie und Nährstoffe produziert. Vollparasiten leisten so etwas nicht. Misteln stehen unter Naturschutz, haben sich aber nach Ansicht vieler Beobachter in den vergangenen Jahren sehr vermehrt. Manche der massiv befallenen Wildunger Bäume sehen aus, als trügen sie auch im Winter ihr Laub oder seien voll von Krähennestern. Eindeutige Aussagen über die Ursachen gibt es nicht.

Einige Fakten lassen aber Rückschlüsse zu:

1. Zwei Vogelarten spielen eine besondere Rolle für die Ausbreitung der Mistel: Misteldrossel und Mönchsgrasmücke. Beide haben in ihrem Bestand in den vergangenen zehn bis 15 Jahren deutlich zugelegt. Sie fressen die Beeren der Mistel mit den klebrig umhüllten Samen und scheiden diese an anderer Stelle aus oder sie streifen die klebrigen Samen gleich nach dem Verzehren des Fruchtfleisches an einem Zweig oder Ast wieder vom Schnabel ab. In beiden Fällen bleiben viele Samen an Bäumen kleben und keimen aus – eine raffinierte Strategie der Mistel.

2. Belastete Böden und andere negative Umwelteinflüsse schwächen die Widerstandskraft der Bäume und die Misteln haben leichteres Spiel. So werden große Mistelbestände auf bestimmten Baumarten mittlerweile als erstes Anzeichen auf erhöhten Schwermetallgehalt im Erdreich gewertet.

3. Misteln gibt es in Nordamerika nicht, sodass die Bäume dort auch keine Abwehrmechanismen gegen die Halbschmarotzer entwickeln konnten. Viele dieser Baumarten (etwa Robinie) wurden nach Europa eingeführt, breiten sich aus und bieten so ideale Angriffsziele für die Misteln.(su)

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