Für Betreiber wirtschaftlich nicht mehr tragbar

Reinhardshausen: Postfiliale in der Hauptstraße schließt am 30. Juni

Nach acht Jahren ist Schluss: Julia Hommel und Dennis Gießing ziehen die Reißleine und schließen die Postfiliale, die sie seit 2011 in Reinhardshausen betreiben. Foto: Conny Höhne

Bad Wildungen-Reinhardshausen – Die Deutsche Postfiliale in der Hauptstraße wird zum 30. Juni geschlossen.

„Leider ist der Betrieb für uns aus wirtschaftlichen Aspekten nicht mehr tragbar“, bedauern Julia Hommel und Dennis Gießing, die die Filiale seit 2011 in ihrem Presse- und Buchladen betreiben.

Am Zuspruch liege es wahrhaftig nicht. Die Filiale sei sehr rege frequentiert, betonen die Betreiber. Vielmehr seien der rapide angestiegene Personalaufwand und geringere Provisionen die Gründe dafür, dass sich der Betrieb nicht mehr lohne.

„Wir haben viele Kunden – aber oftmals mit kleinen Beträgen“, erläutert Julia Hommel einen der Gründe. Für diesen Personaleinsatz bleibe zu wenig Geld in der Kasse. An mehreren Tausend Briefsendungen, die Reinhardshäuser Kliniken täglich verschickten, verdiene die Filiale nichts, denn die Frankierung werde direkt über die Post abgewickelt. „Wir erbringen Serviceleistungen, für die bei uns kein Cent hängen bleibt“, betont Gießing.

Aber die Mitarbeiter der Filiale würden für alle Fragen rund um die Zustellung als Ansprechpartner aufgesucht. Gerade ältere Menschen ohne Internet-Zugang könnten beispielsweise eine Sendungszustellung nicht online verfolgen. Etliche Kunden scheuten auch den zeitraubende Anruf bei der Hotline und suchten lieber das persönliche Gespräch. „Dabei sind wir meist gar nicht zuständig und können nicht helfen“, sagt Hommel. 

Regelmäßig kommen auch Reha-Gäste, die vergeblich auf eine Post-Nachsendung warteten und Hilfe einfordern. Das steigere nicht nur das Arbeitspensum immens sondern erzeuge auch Frust. „Alles was bei der Post schief läuft, fällt auf unser Geschäft zurück“, befürchtet Hommel.

Stetig ausgeweitete Aufgabengebiete seitens der Deutschen Post machten den Reinhardshäusern ebenfalls das Leben schwer. „Wir bräuchten für den gesamten Aufwand eineinhalb Arbeitskräfte, bezahlt wird aber noch nicht einmal soviel, dass es für eine reicht.“ Leider werde bei der Bemessung nur die Einwohnerzahl zugrunde gelegt, und nicht die Zahl der Reha-Gäste.

Neben Julia Hommel und Dennis Gießing sind zwei Vollzeitkräfte und eine Teilzeitkraft in dem Laden beschäftigt. „Wir sind immer zu zweit oder zu dritt im Geschäft – und wenn wir das nicht schaffen, wird es in Reinhardshausen schwer, eine Postfiliale zu betreiben“, glaubt Gießing. Anfang des Jahres wurde versuchsweise die Öffnungszeit gekürzt, um Kosten zu sparen. Eine Lösung sei dies aber nicht, stellten die Inhaber fest. Jetzt zogen sie die Reißleine.

 Gießing: „Da leider Neuverhandlungen seitens der Deutschen Post gescheitert sind, können wir den Betrieb unter diesen Voraussetzungen leider nicht mehr fortführen.“ Leicht sei die Entscheidung nicht gefallen. „Wir bedauern, dass wir in der Zukunft keinen Anlaufpunkt in Reinhardshausen mehr bieten können, hoffen aber auf Verständnis der Anwohner, Gäste und Kliniken.“

Post strebt nahtlosen Übergang in Reinhardshausen an

Die Post sei auf der Suche nach einem Nachfolger, teilte Thomas Kutsch von der Pressestelle der Deutschen Post in Frankfurt auf WLZ-Nachfrage mit. Es bleibe noch ausreichend Zeit bis zum Ende des gekündigten Vertrags. „Die Chancen stehen gut, dass wir einen nahtlosen Übergang realisieren können.“ 

Zu weiteren Vertragsdetails äußerte sich Kutsch, als Sprecher zuständig für „Deutsche Post DHL Group, Corporate Communications und Media Relations“, nicht. „Wir müssen jetzt unsere Hausaufgaben machen.“

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