Bad Wildungen: Australien-Reise mit Hindernissen

Reist denn Al Kaida mit Aschenbecher?

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- Bad Wildungen (höh). Schrecksekunden beim Zoll, kreidebleich beim Zigarettenkauf und stets durchnässt vom Dauerregen – so hatte sich ein Bad Wildunger Ehepaar einen Ausflug ans andere Ende der Welt nicht vorgestellt. Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen...

Weiter als Mallorca ist Ulrike Marc (61) noch nie gekommen. Bis Ehemann Werner Albus-Marc (56) das Reisefieber packt. Mit dem Pferdezuchtverein Ederbergland-Werra fliegt das Ehepaar auf den fünften Kontinent. Den nasskalten Adventswochen entfliehen und in Australien frühsommerliche Hitze genießen – was will man mehr? Die Koffer sind leicht, denn Pullover bleiben daheim. „Ich habe nur 15 Kilo Gepäck“, frohlockt die Wildungerin, in Gedanken bereits am Pazifikstrand.Aber vorher Zwangsstopp am deutschen Zoll. „Sie haben Metall in der Tasche“, erfährt die Reisende bei der Abfertigung am Frankfurter Flughafen. Schnell ist der Übeltäter zwischen Taschentüchern und Tabletten gegen Reisekrankheit entdeckt: ein nagelneuer Aschenbecher. „Den habe ich extra gekauft für den Zwischenstopp in Singapur – wir sind Raucher und wollen keinen Ärger in der sauberen Stadt“, erklärt die pflichtbewusste Touristin.

Der Uniformierte ordnet mit steinerner Miene an: „Sprengstoffkontrolle – kommen Sie bitte mit.“ Vom Donner gerührt über derlei Vorwürfe verweigert die Raucherin hartnäckig die Begleitung: „Ich bin doch die Ulrike Marc aus Bad Wildungen – ich habe doch keinen Sprengstoff!“ Es hilft nichts, die 61-Jährige begleitet den Beamten und wird wenig später mit dem unheilvollen Raucher-Utensil wieder „entlassen“ – keine Gefahr für die Luftfahrt. Da stellt sich die Frage: Reist Al Kaida eigentlich mit Aschenbechern?Zwölf Stunden später in Singapur befördert die Urlauberin die verhängnisvolle Schale in den Mülleimer. „Das passiert mir bei der Weiterreise nicht noch mal.“ Im Stadtstaat ist das Paar fasziniert von Orchideengarten und Raffles-Hotel und genießt aus einem Riesenrad den Blick auf die asiatische Metropole mit ihrer blau-weißen Weihnachtsbeleuchtung. Vor allem der große Containerhafen beeindruckt die Wildunger.

Am nächsten Tag wird eingecheckt zum Weiterflug nach Sydney. Alle aus der Reisegruppe haben die Abfertigung bereits passiert, da starrt der Zollbeamte auffallend lange in den Pass der Wildungerin. Ein Blick auf die Deutsche und dann in die Dokumente – die Wil­dungerin wird nervös. „Ihr Visum stimmt nicht“, erfährt sie kurz und knapp in Singapur-Englisch. „Ich darf Sie nicht nach Australien einreisen lassen.“

Der Grund: Ein falsches Geburtsjahr ist eingetragen. Entsetzen über die Hiobsbotschaft – Ade Australien. Dann konferiert der Mann am Schalter mit Kollegen in „Down Under“. Und – oh Wunder – die Weiterreise wird genehmigt.Aufatmen und rein in den Jumbo mit dem Känguru an der Heckflosse. Stunden später liegt den Reisenden Sydney zu Füßen. Nur: Die malerische Millionenstadt mit 80 Buchten und blauen Bergen hüllt sich in dichte Wolken. Von wegen Sommerhitze. Eine frische Brise schlägt den Urlaubern entgegen und aus den Wolken tropft es.

Eine Hafenrundfahrt führt vorbei an Häusern von Superreichen. Neben dem Aquarium beeindruckt das eigenwillige Opernhaus, das so aussieht wie eine geschälte Apfelsine.Hunderte von Bussen mit Touristen sind unterwegs. Ulrike Marc denkt an den Fernsehfilm mit dem liebenswerten australischen Cowboy. „Crocodile Dundee hätte gar nicht bis nach New York fahren müssen – Sydney hätte auch gereicht.“ Schlag auf Schlag geht es in den nächsten Tagen weiter – mit Programm und Regen. Der allmorgendliche Ratschlag des Reiseführers, „bitte denken Sie an einen guten Sonnenschutz“, klingt wie Musik in den feuchten Ohren. In einem Tierpark sitzen Kängurus und Emus in Pfützen. Sturm und Regen bei der Weiterfahrt nach Melbourne.

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