Explosiver Fund schockt 152 Jugendliche und erwachsene Betreuer am Feuerwehrhaus Bergheim-Giflitz

Rostige Granate im Zeltlager entdeckt

Edertal-Bergheim/Giflitz - Schrecken in der Abendstunde: Beim Jugendzeltlager in Bergheim/Giflitz wurde eine Handgranate aus dem zweiten Weltkrieg gefunden. Die kleine Lagerstadt an der Eder wurde evakuiert. Der Kampfmittelräumdienst hat den explosiven Fund in der Feldgemarkung kontrolliert gesprengt.

152 Teilnehmer starten am Freitag in das Lager-Wochenende. Die Feuerwehr Bergheim-Giflitz richtet das zweite Jugendzeltlager für Kinder aus Bad Wildungen und Edertal aus. 120 Mädchen und Jungen sind gerade auf einer Rallye im Gelände unterwegs. Da wird gegen 19.25 Uhr ein Betreuer im Zeltlager am Feuerwehrhaus der gastgebenden Wehr auf einen rostigen Gegenstand aufmerksam.

Der Böhner will den vermeintlichen Müll auf dem Freigelände aus dem Boden ziehen, aber er ist unerwartet schwer. „Er hat ihn schnell als Granate identifiziert“, erläutert Jugendwart Christian Weidel. Der Bergheimer ist gerade mit einer Gruppe Jugendlicher an der Anraffer Ederbrücke unterwegs und kann die Nachricht von der Granate im Zeltlager gar nicht glauben. „Die Jugendlichen in meiner Gruppe sagten, es handelt sich bestimmt um eine Trinkflasche, die im tschechischen Militärmuseum erworben wurde und einer Granate täuschend ähnlich sieht.“ Aber der Fund stellt sich wenig später als eine scharfe Granate amerikanischer Herkunft heraus.

Das Zeltlager der Jugendfeuerwehren wird sofort evakuiert, die Betreuer um verlängerte Gruppenaktivitäten weit außerhalb des Lagers gebeten. Aber das ist unmöglich. „Jugendliche haben die Nachricht in sozialen Netzwerke gestellt, und es hat sich im Handumdrehen herumgesprochen,“ erläutert Weidel. Die Polizei evakuiert das Lager und fordert Experten vom Kampfmittelräumdienst an. Da ein Abtransport der rostigen Granate MK 2, Baujahr um 1940, nicht möglich war, erfolgt um 22.10 Uhr durch eine Fachfirma eine kontrollierte Sprengung in der Feldgemarkung zwischen Bergheim und Wellen, parallel zur L 3383. „Eine Gefährdung Dritter bestand nicht“, teilte ein Polizeisprecher mit.

Nach 22 Uhr geht das Lagerleben ruhig, aber mit gemischten Gefühlen weiter. „Nicht auszudenken, was hätte passieren können“, sagt Weidel. Kurz vor dem Zeltlager absolvierten die Feuerwehrleute aus Bergheim-Giflitz ihren Übungsdienst auf dem Freigelände, schlugen Erdnägel in den Boden und mähten den Rasen. Auf dem Gelände seien bereits zwei Zeltlager eines anderen Veranstalters ausgerichtet worden, glücklicherweise ohne Zwischenfall.

Möglicherweise stamme die Splittergranate von den Angriffen auf die nahe gelegene Bergheimer Ederbrücke während des zweiten Weltkriegs, mutmaßt Weidel. Der Verdacht liege nahe, dass bei den Erdbewegungen für Bergheimer Sportplatz und das Feuerwehrhaus Munition aus dem zweiten Weltkrieg ans Tageslicht gekommen ist. Aus Sorge vor weiteren gefährlichen Überraschungen im Boden will die Feuerwehr mit Bürgermeister Klaus Gier beraten, was für die Sicherheit getan werden kann. (höh)

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